Knarrblog: Endlich glitschen am Gardasee – Markus Wieser bietet Italienern Paroli

Ballern bis der Arzt kommt

Gardasee, das heißt Sonne und Wind bis zum Abwinken, lange ausschlafen und abends gut essen. So der Plan. So hatten wir es unserem Skipper Michael Grau und unserem Vorschiff-Leichtgewicht Julia für ihre Premieren am italienischen See versprochen.

Und nun steht der Wecker auf 5:45 Uhr. Start 7:30 Uhr. Der Nordwind pfeift kalt durch das Tal, die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen, die lange Unterwäsche wird rausgekramt, das dicke Ölzeug übergestreift, der grummelnde Magen ignoriert – Frühstück ist so früh nirgends zu bekommen.

Es dauert nicht lange, bis sich die dicken Klüsen öffnen. Kaltes Süßwasser im Gesicht hilft. Die perfekte Hallo-Wach-Stimulanz. Schaumkämme glänzen auf dem Wasser. Die Vorfreude lässt Energie durch den Körper strömen. Endlich Ballern!!!!

Ballern, bis der Arzt kommt. Die Berliner “Grün”-Freunde haben ihren Spaß. © Italian Class Lucchi Lucarelli

Das war vom Reiseleiter gebucht, aber an den beiden Tagen zuvor noch nicht so geliefert worden. Auf der Höhe von Malcesine weht der Ora-Südwind nicht so stabil, wie im Norden vor Riva und Torbole. Dort oben genießen 505er bei ihrem Euro Cup und A-Cats bei der EM den Nachmittag-Starkwind. Bei uns kommt ordentlicher Druck an, aber weit weg vom Glitschen.

Vollgas bei Vento. © Italian Class Lucchi Lucarelli

66 Boote aus 17 Nationen sind zum dritten J/70 Cup der Italiener an den Gardasee gekommen. Und die Qualität wird immer besser je näher die Europameisterschaft rückt. Sie startet ebenfalls in Malcesine am 21. Juni – dummerweise parallel zur Kieler Woche. Die 134 möglichen Startplätze waren im Online-Meldeverfahren in wenigen Stunden vergriffen. Zur WM im September im britischen Torquay reisen gerade einmal die Hälfte der Crews. Die Faszination des Gardasees ist ungebrochen.

Aber der thermische Wind lässt sich schon sehr bitten. Einheimische sagen, die Wettersysteme seien etwas in Unordnung geraten. Deshalb stellt sich das Phänomen anfangs nur mühsam ein. Besonders am zweiten Tag treibt die Flotte lange wartend über den See, weil die Brise quer zum See steht. Dann ist an Segeln offenbar nicht zu denken.

Onboard-Perspektive beim Antesten vor dem Start. © SegelReporter

Wenn es dann losgeht, muss man links unter Land. Das hat auch der Neuling schnell kapiert – auch wenn es oben bei Riva immer nach rechts geht. Der Wettfahrtleiter weiß das natürlich auch. Deshalb zieht er die rechte Startlinienseite so weit vor, dass es eben doch auch mit einem Rechts-Start funktionieren kann.

Spritzig. Dafür ist die J/70 gemacht. © Italian Class Lucchi Lucarelli

Ein schönes Spiel, mit dem wir aber doch einige Probleme haben. Denn man lässt uns nicht so richtig mitmachen. Zwei Black-Flag-Frühstarts sind zu viel. Im vierten Rennen schickt der slowenische Race Officer gleich 22 Teams nachhause im sechsten sind es noch einmal 12. Wir sind uns keiner Schuld bewusst – besser: wie hat er uns nur gesehen?

Die Serie wird dadurch nicht besser. Auch weil andere Missgeschicke auf der Bahn bessere Ergebnisse verhageln. Aber am letzten Tag geht’s nochmal ab. 19 und 12 geben ein gutes Abschluss-Gefühl. Auch wenn es sich gar nicht gut anfühlt, wie der spätere Sieger Carlo Alberini auf dem letzten Gennaker-Kurs in Luv vorbei nagelt.

Früh Morgens lugt langsam die Sonne hinter den Bergen hervor. Alberini testet den Gennaker-Speed. © SegelReporter

Ein Jahr war er wegen Kiel-Dopings gesperrt. Nun lässt er sich wieder feiern. Die Italiener scheint es nicht sehr zu kümmern.

Warten, bis die Ora aus der richtigen Richtung kommt.

Rumdümpeln mit den OneTeam-Freunden aus Kiel. Im Hinterund liegt noch Schnee auf der Bergkuppe. © SegelReporter

Richtig stark verläuft der erste ernsthafte Auftritt von Markus Wieser in der Klasse. Er holte sich mit dem Starboot-Champ und J/70 Profi (WM-Dritter 2017) Diego Negri sowie dessen Landsmann Victor Marino – Backstag-Trimmer auf “Platoon” von Harm Müller Spreer – jede Menge Spezial-Wissen an Bord und setzt es mit seinem langjährigen Kumpel Wolfgang Käfer in starke Plätze an der Spitze um. Mit Rang fünf schlägt er unter anderem die spanischen WM-Sechsten von 2018. In dieser Form kann er die deutschen Farben bei der EM ganz weit vorne vertreten.

Die Top Ten von 66 Booten in Malcesine. Marcus Wieser auf Rang 5

Ergebnisse J/70 Cup Malcesine 2019

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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