Extreme Saling Series Oman: Ausflug mit dem Red-Bull-Team Hagara/Steinacher

Genialer Start

Der Vorschiffsmann bringt bei wenig Wind das Gewicht maximal nach vorne. © SegelReporter.com

Roman Hagara kneift die Augen zusammen. 30 Sekunden bis zum Start. Er steuert seinen Kat auf die falsche Seite der Startlinie. Nach links. Der 40 Fußer parkt verwundbar, ohne Wegerecht außerhalb der Backbord Anliegelinie. Was hat er vor?

Keine Hektik, kein Fluchen, kein Ärger, der Doppelolympiasieger will genau dahin, wo er jetzt ist. Die quälend langsame Wende ist exakt berechnet. Bloß nicht zu früh, nicht zu schnell, nicht zu viel Weg nach Lee verlieren.

Es ist leise an Bord. Die Mitsegler erkennen den Plan, auch wenn nicht viele Worte fallen. Hans Peter Steinacher sowieso.  Der Taktiker ist der langjährige Tornado Weggefährte von Hagara. Aber auch der Brite Matt Adams und der australische Neuzugang Graeme Spence, der 2011 mit Ian Williams Match Race Weltmeister wurde, sind im Bilde.

Hagara peilt die Hecks der startenden Katamarane an. Er muss hoffen, dass alle Boote rechtzeitig über die Linie gehen, dass sich eine Lücke am Startschiff auftut. Das luvwärtigste Schiff ist entscheidend. Wenn dessen Crew trödelt bleibt kein Platz zum Starten hinter ihm.

Aber in Luv positionieren sich die Favoriten aus Frankreich mit dem Gitana Team. Pierre Pennec, der auch schon den AC45 Kat vom America’s Cup-Team Aleph auf Speed gebracht hat, geht mit optimalem Timing über die Linie. Da ist sie die Lücke. Groß wie ein Scheunentor. Hagara geht mit Speed auf die rechte Seite. Er pumpt mit dem Hydraulik-Hebel die Großschot dicht, kippt den Oberkörper nach hinten, ab gehts.

Dieser Start birgt Risiken. Er funktioniert nur, wenn die rechte Seite der Kreuz passt, in kleinen Feldern und bei langsam wendenden Booten. Die können sich nicht mal eben dem Steuerbordschiff in den Weg legen. Das Red Bull Team macht es perfekt.

Jetzt nur noch halbwegs stabiler Wind, und vielleicht noch eine kleine Rechtsdrehung und prompt ist Platz eins an der Luvtonne gewiss. Aber es kommt anders. Hagara will schon Mitte der Kreuz abkassieren. Aber bei der Traverse zum Feld fehlen Grundspeed, Wind oder Dreher. Ärgerlich: Der Omani Kat, der zwei Längen achteraus passiert und erst auf der Anliegelinie wendet, ist oben schließlich erster.

Red Bull will nicht so richtig auf Speed kommen. Der Vorsprung verringert sich. Die Franzosen passieren voraus. Immerhin kann Alinghi noch knapp zur Wende gezwungen werden. Platz drei an der Luvtonne ist nicht schlecht. Aber es hätte deutlich besser sein können. Ein überlegener Sieg war drin. Der Start war ein potenzieller Race Winner. Aber so bleibt es bei Platz drei auch nach 15 Minuten im Ziel.

Hagara macht nicht gerade Luftsprünge. Das ist ohnehin nicht sein Ding. Er verzieht beim Zieldurchgang einmal kurz das Gesicht ob der verpassten Chance, zuckt kurz mit den Schultern und weiß selbst nicht so genau, warum sie beim Seite Wechseln so langsam waren.

Blöd, dass es nicht geklappt hat. Immerhin hat er mal wieder das Stück Genialität gezeigt, das zu zwei olympischen Goldmedaillen geführt hat. Denn der Österreicher ist noch auf der Suche nach der erhofften Form. Schon zweimal zählte Red Bull als hochgewettetes Team vor der Saison zu den Top-Drei-Anwärtern. Zweimal hat es nicht geklappt. Während der Saison lag das Team sogar häufig vorne. Aber am Ende wollte der Sack einfach nicht zugehen. Platz sechs war besonders 2011 zu wenig für Anspruch und Potenzial.

2012 soll es besser werden. “Vielleicht starten wir einfach etwas schwächer in die Saison, dann wird es zum Ende besser”, sagt der Skipper locker nach dem Rennen. Aber es ist ihm anzumerken. Jeder verlorene Platz ärgert. In dieser Saison will er endlich abliefern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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Ein Kommentar „Extreme Saling Series Oman: Ausflug mit dem Red-Bull-Team Hagara/Steinacher“

  1. avatar Marc sagt:

    Tolle Reportage! Da überleg ich mir glatt, meinen lahmen FD einzumotten und umzusteigen auf zwei Rümpfe

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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