Knarrblog: Laser-Master-Meisterschaft – Unterwegs mit der Liebsten

"Sollte jemand unentspannt sein, den mach ich locker"

Eine spontane Idee, geboren während Corona-Lockdowns, als sich der Regatta-Saisonplan in Luft auflöste. Warum nicht mal wieder den Laser rausholen? Alleine auf einer Jolle, das sollte coronatechnisch doch funktionieren. Vielleicht würde die Deutsche Meisterschaft der Ü35-Master in Greifswald nicht abgesagt.

Wolfgang Fuss (75) in Aktion. © Segel-Fotografie.de

Die Idee ging fast verloren, als man dann doch endlich auch wieder mit Crew J/70 segeln durfte. Als die Segel-Bundesliga wider Erwarten alle fünf Spieltage neu terminierte, als die Kieler Woche ihr Programm durchzog und auch die Champions League nicht abgesagt wurde.

Aber dieses eine verlängerte Wochenende im September hielt sich hartnäckig im Kalender. Keine Überschneidungen, und sogar die kleine Vorbereitungsregatta am Wittensee hatte Bestand. Die Kühlschranktüre machte dabei sogar noch mehr Spaß als erwartet.

Dazu diese einfache Orga. Boot aufs Dach, Matratze ins Auto, Neo eingepackt und ab nach Greifswald. So weit der Plan. So hätte es sein können… Dann sagt die Liebste plötzlich, sie will auch…

Eigentlich ja toll. Schon lange haben wir rumgesponnen, mal wieder eine gemeinsame Laser-Regatta zu bestreiten. So wie früher am Segelclub in Duisburg. Beim Spielen mit diesen Plastikschüsseln hat schließlich mal der gemeinsame Weg begonnen…

Die Sache wird kompliziert

Aber es macht die Sache kompliziert. Plötzlich habe ich kein Boot mehr. Klar, sie will ihre rosa “Flying Violetta” für sich haben. Kumpel Michi hilft mir schließlich mit einem Schiff aus. Dafür muss nun auch noch ein Trailer her. Mietfix hilft mit einem “offenen Kastenanhänger” für 100 Euro.

Für eine Deutsche Meisterschaft reicht natürlich auch nicht die Ausrüstung. Die alten Neos sind zerfleddert, neue werden bestellt – mit Ausreitpolstern – die porösen Spraytopps kommen in die Mottenkiste – toll, was es heutzutag für kuscheliges Zeugs gibt – “Violetta” muss noch gespachtelt und mit der modernen Unterliek- und Cunningham-Rollenkombination gepimpt werden. Alles bestellt im Netz und umständlich per Youtube-Anleitung im Wohnzimmer montiert. Ein Radial-Segel finden wir sogar irgendwo im Keller. Noch nachmelden, eine Unterkunft in Greifswald suchen, fertig.

Wie geht das noch mit dem neuen Laser-Zeugs? © SegelReporter

Eigentlich. Ich vergaß, dass es ist ja dann doch immer noch ein wenig komplizierter ist, mit Frau auf große Regatta-Fahrt zu gehen. Verpflegung muss organisiert sein – Mann kann sich nicht einfach was an der Tanke holen – Brote werden geschmiert, der Kühlschrank geleert – damit nichts verdirbt – die Wohnung muss geputzt sein – damit man sich bei der Rückkehr wohl fühlt.

Schnappatmung

Gaaaaanz wichtig für die Stimmung: bloß nicht den Sinn hinterfragen. Bloß nicht beim heimlichen Blick auf die Uhr erwischen lassen. Bloß die Nachfrage über die Sicherheit der Bootsbefestigung auf Dach und Hänger als wertfreies Interesse und nicht als mögliche Kritik empfinden. Aufkommenden Unmut gaaaanz konzentriert wegatmen. Augenrollen nur hinter geschlossenen Lidern.

Die Wellen muss schon das Motorboot machen. © Segel-Fotografie.de

Es ist wahrlich nicht immer einfach, die Contenance zu wahren. Kaum fünf Minuten sind wir auf der Straße unterwegs, ich begebe mich schon langsam in den Gedanken-Tunnel – wie war das noch mit der Starterei beim Laser? Geht es auf dem Bodden über links oder rechts? – da tönt ein spitzer Fluch vom Beifahrersitz herüber.

Mist, irgendwas Wichtiges vergessen? Schwert, Ruder, Verklicker? – “Lippencreme!!…..Können wir noch umdrehen?” säuselt es. Es wird gefährlich leise im Auto. Meine Schnappatmung ist wohl gut zu hören. – Es geht dann auch ohne. Kurz vor Mitternacht sind wir am Ziel.

Urlaubstimmung

Das 800 Jahre alte Fischerdorf Wieck begrüßt uns mit einem schönen Morgen. Die Sonne glitzert zwischen den reetgedeckten Fischerkaten und auf dem Greifswalder Bodden. Er gibt sich spiegelglatt. Hübsch zwar, aber für eine Regatta gänzlich ungeeignet.

Urlaubstimmung kommt auf. Aber die Boote müssen ja trotzdem aufgebaut werden. Ob wir tatsächlich alles eingepackt haben? Startverschiebung. Es ist sogar noch Zeit, das Schwert vom Leihboot zu spachteln.

44 Ü-35 Laser Masters sind am Start. © Segel-Fotografie.de

Da gibt es ein neues Problem: Das Gurtband am Topp des Radial-Segels ist gerissen. Es hat sich offenbar in all den Keller-Jahren einfach aufgelöst. Das Problem spricht sich schnell herum. Wolfgang Fuss hat bestimmt noch Ersatz, heißt es. Und tatsächlich, es dauert nicht lange, da steht er mit einem fast neuen Segel neben dem rosa Schiff. Eine tolle Gemeinschaft diese Laser-Masters!

Drei Vereine organisieren zusammen

Die Stimmung überträgt sich offenbar auf die Organisatoren. Es gehört viel dazu, dieser Tage, eine solch große Regatta mit insgesamt 63 Teilnehmern durchzuziehen. Hygiene-Regeln müssen aufgestellt und Corona-Protokolle befolgt werden.

Mit dem Greifswalder Yachtclub, dem Akademischen Seglerverein zu Greifswald und dem Yachtclub Wieck arbeiten die drei Greifswalder Segelvereine, die an der Mündung des Rycks im Ortsteil Wieck angesiedelt sind, bei solchen Veranstaltungen jeweils zusammen. Man merkt den Machern die Erfahrung an. Schon die Ansprache bei der Steuermannsbesprechung zeigt, wie es laufen soll: “Sollte jemand unentspannt sein, der soll dann zu mir kommen. Ich mach den dann locker!”

Diese Ansage hört offenbar auch Rasmus. Er nimmt sie etwas zu wörtlich. Am Freitag bewegt er sich gar nicht, am Samstag nur ein wenig, und am Sonntag zu spät. So werden es nur vier Flautenrennen auf dem Bodden.

Gras auf dem Teich

Dabei macht ein Laser nicht so richtig viel Spaß. Zumal ziemlich viel Gras auf dem Teich herumschwimmt. Permanent müssen Schwert und Ruder davon befreit werden. Aber wie immer sind am Ende die Besten vorne.

Standard-Sieger Philipp Gläser. © Segel-Fotografie.de

Der Greifswalder Leichtwind-Spezialist Philipp Gläser, der auch schon mal Deutscher Laser Meister war, gewinnt überlegen in der 44-köpfigen Standard-Flotte. Und die 19 Radial-Segler werden von Thorsten Wyk dominiert.

Ergebnisse Laser Masters 2020 Standard
Ergebnisse Laser Masters Radial

Radial-Sieger Thorsten Wyk. © Segel-Fotografie.de

Ich komme eigentlich überraschend ordentlich in Schwung und erinnere mich langsam immer besser an diese verkrampfte Haltung, die man auf dem Schiff einnehmen muss, um bei Flaute einigermaßen vorwärts zu kommen.

Etwas übermütig

Nach 6/4/3 werde ich dann wohl etwas übermütig und will es im letzten Rennen noch mal mit Gewalt ganz nach vorne versuchen. Mit einem obercoolen Pin-End-Start bei Black-Flag. Es hat schon ein paarmal geklappt. Aber das Timing ist nicht stabil. Wohl etwas eingerostet. Ich ziehe zu früh an. Zwei Sekunden stehen noch auf der Uhr als der Bug neben der Boje auftaucht. Ich muss abdrehen, halsen, hinter dem Feld durchfahren und treibe weit nach rechts auf die falsche Seite. Mehr als Platz 11 ist in diesem Lauf nicht drin.

Gar nicht so schlecht die Pin-End-Position Sekunden vor dem Start. Aber ich ziehe zu früh an…

…und drehe ab. So sieht es dann danach aus. © Segel-Fotografie.de

Insgesamt ist noch ein Kandier besser und Roger, der alte Weggefährte. Er hat schon vor einigen Jahren zur Laserklasse zurückgefunden, war früher Starkwind-Spezialist auf höchstem internationalen Niveau und kann jetzt offenbar auch bei Flaute segeln. Schön, mal wieder über alte Zeiten lachen zu können.

Eine feine Gemeinschaft, diese Laser-Masters-Community. Viele lachende Gesichter, nette Gespräche, fitte Menschen und guter Sport. Der Laser bildet eine starke Klammer. Auch die Liebste genießt es. Ziemlich aufwendig zwar diese Spontan-Teilnahme, und Flaute mag sie überhaupt nicht, aber auch ihr tut die herzliche Aufnahme in der Laser-Familie gut.

Vielleicht machen wir das irgendwann noch einmal.

Im Dunkeln am Sonntag Abend wieder mit dem Gespann zuhause. © SegelReporter

© Segel-Fotografie.de

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Knarrblog: Laser-Master-Meisterschaft – Unterwegs mit der Liebsten“

  1. avatar Mirko sagt:

    Schöner Beitrag. Ich freue mich immer auf Deine Knarrblogs. Vielen Dank!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  2. avatar Williamtum sagt:

    why not look here
    xbet

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