Knarrblog Segel-Bundesliga: Geräusche im Schlafzimmer

Segeln mit der Abteilung nassforsch

Der verspätete Rückblick vom Bundesliga-Auftakt erzählt vom letzten Rennen in Starnberg und das Crewbuilding im NRV Team.

Das NRV Team

Das NRV Team auf der Kreuz. © cmnordhoff.de

Platz vier also bei der Segel-Bundesliga für unser NRV Team. Am Alster Steg bei der Donnerstag-Drachen-Regatta gab es keine Nackenschläge von den Vereinskollegen. Allerdings durchaus ein paar blöde Sprüche, weil ich schon wieder zu früh starte. Meine Güte. Irgendetwas passt mit der Zeit nicht.

In Starnberg war es blöd, die sieben Punkte von Anfang an mitzuschleppen. Aber das Signal vom Wettfahrtleiter ist genau richtig. Schnell hart durchgreifen, keine Sammelrückrufe und fortan laufen die Kurzrennen fast ohne Verzögerung.

Verpatzte Kreuz

Beim letzten Race liegt ja Platz zwei durchaus noch in Reichweite. Ein weiterer Sieg und die Chancen stünden nicht schlecht. Wenn nur Schümi nicht in der Gruppe wäre. Der hat ja schon sieben von elf Läufen gewonnen.

Klaus Lahme schwenkt die Protestflagge.

Klaus Lahme schwenkt die Protestflagge.

Aber plötzlich taucht er nach der Luvtonnenrundung quer vor dem Bug auf, Klaus fuchtelt mit der Protestflagge, ein Pfiff vom Schiri-Mobo, Penalty für den YCBG (Situation im Video: ab 1:50). Dann noch eine Strafe für die Berliner wegen einer Behinderung beim Penalty Drehen, und damit sollte doch der Weg frei sein nach vorne.

Denkste. Philipp Rotermund vom Flensburger Segel Club segelt auf und davon. Eine verpatzte zweite Kreuz vergrößert den Rückstand zu ihm noch und kurz vor der Ziellinie rutscht nach hartem Zweikampf auch Schümi um Zentimeter wieder vorbei. Gibt’s doch nicht. Wo kommt er nun wieder her?

Hohe Qualität

Thomas Plößel, Gwendal Lamay, Klaus Lahme, Carsten Kemmling

v.r. : Thomas Plößel, Gwendal Lamay, Klaus Lahme, Carsten Kemmling. © Philipp Rimmelspacher/Marinepool

Egal. Es waren tolle drei Tage. Zum Abschied liegen sich viele alte Weggenossen in den Armen. Menschen, die die Schoten ziemlich dicht nehmen können, denen nach intensiven Segeljahren das Spielfeld fehlt, auf dem es sich zu kämpfen lohnt.

Kann das die Bundesliga bieten? Die Qualität der Teams war überwiegend hoch. Einige mögen sich gewundert haben, wie hoch die Latte hängt, wie knapp die Rennen verlaufen. Dabei folgt die Zusammensetzung der Liga-Vereine  im ersten Jahr keinen Erfolgsprinzipien. Es machen die mit, die sich zuerst gemeldet haben.

Aber das soll sich für die nächste Saison ändern. In Starnberg wurde beschlossen, dass die fünf schlechtesten Vereine nach der Saison eine Relegation gegen Clubs bestreiten müssen, die sich für das zweite Jahr anmelden. Das wird die Qualität weiter steigern. Einige Clubs bemühen sich auch schon Boote, um einen regulären Trainingsbetrieb in Gang zu bringen.

Geheimnis um die Aufstellung

NRV Team

NRV Team bei der Rollwende. © cmnordhoff.de

Schon jetzt ist klar, dass der Yacht Club Berlin Grünau den Takt vorgibt auch wenn Schümann das Steuer den Clubkollegen übergibt. Robert Stanjek, der Starboot Vize-Weltmeister und Olympia Sechste soll das nächste Rennen in Travemünde segeln und danach dürfte der Deutsche Match Race Champ von 2008 Stefan Meister das Duell-Event in Hamburg bestreiten. Die Berliner machen aber ein großes Geheimnis über ihre Aufstellung. Für den NRV werden die Starboot-Recken Polgar/Koy am Start sein. Die Lübecker schicken Simon Grotelüschen ins Rennen.

Dabei ist immer noch unklar, wie die optimale Zusammensetzung der Crew für die J/70 aussieht. Wir hatten recherchiert, dass gut 315 Kilogramm für das Team gut sein müssten. Und das war der Grund, warum Opti-Umsteiger Gwendal Lamay (15) mit seinen 55 Kilogramm an Bord kam. Die Berliner planten wohl ähnlich und hatten deshalb Philipp Löwe (14) dabei.

Fünf Crews waren aber auch nur zu dritt besetzt. Christian Schäfer zeigte als Fünfter für den Bayrischen Yacht-Club, dass das mit der Laser-Legende Walther Rothlauf  und dem zweimaligen Deutschen 420er Jugendmeister Adrian Hoesch an Bord durchaus konkurrenzfähig sein kann. Aber bei etwas mehr Wind dürfte doch das Gewicht auf der Kante fehlen.

Junge mit Power

NRV-Team

Zack, draufgepackt… © cmnordhoff.de

Unsere Zusammensetzung passt jedenfalls ziemlich gut. Ich hätte nicht gedacht, dass man den Gennaker so schnell hochreißen kann wie es Thomas Plößel (24) hinbekommt. Auf dem kurzen Kurs sind die Meter, die man nach der Luvtonnenrundung früher abfallen kann, weil die Blase früher steht, von extrem großem Wert.

Mann, diese Adern auf den Unterarmen. Der Junge hat wirklich Power. Die hilft auch bei den Halsen. Je schneller das Tuch auf der neuen Seite ist, umso besser funktioniert das Roll-Manöver. Auch die Koordination mit Gwenny passt, der unter anderem den Bugspriet rausreißt. Der Kollege war immerhin schon zweimal bei der Opti-WM und hat 2012 bei der weltgrößten Segelregatta am Gardasee Bronze gewonnen bei insgesamt 1055 Teilnehmern.

Dazu die exzellenten Taktik-Ansagen von NRV Sportchef und ex Laser-Vize-Europameister Klaus Lahme und so können die limiertierten Bewegungen des Bremsers am Lenker maximal ausgeglichen werden.

“Ey Digger Alder”

Bei der Kommunikation gelingt es mir schließlich auch, auf “Ey Digger Alder” zu reagieren. Und unsere Jugendgruppe unterlässt höflichst das Augenrollen, wenn ich mit Klaus alte Laser-Geschichten erörtere. Es muss sich schrecklich anhören, wenn wir alten Säcke in vergangenen Heldentaten schwelgen und im Vierer-Zimmer laute Schlafgeräusche von uns geben. Aber zur Kakophonie im Schlafzimmer trägt auch die Abteilung nassforsch ihren Teil bei. (Selbst auf der Rückfahrt nach Hause). Das mag zusammenschweißen.

So wird Gwenny nachts offenbar von der dunklen Seite der Macht heimgesucht, die in einer unverständlichen Sprache aus seinem unschuldigen Mund spricht. Schaurig. Aber er hält das diesbezügliche Team-Mobbing beim Frühstück ziemlich gut aus. Und wir sind überzeugt davon, dass die Macht mit uns ist. Ein schönes Gefühl.

Ob wir noch mal ran dürfen? Klaus Lahme entscheidet als Teammanager und Spielertrainier. Ob wir ihn zu intensiv der senilen Bettflucht bezichtigt haben? Ob wir auf die Ersatzbank müssen? Ob schon bei den anderen Teams nach dem ersten Spieltag Köpfe rollen?  Ob es die ersten Trainer-Entlassungen gibt? Man darf gespannt sein.

Ergebnisse Segel-Bundesliga
Teams Segel-Bundesliga in Starnberg
Segel-Bundesliga Website

Segel-Bundesliga Facebook

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

4 Kommentare zu „Knarrblog Segel-Bundesliga: Geräusche im Schlafzimmer“

  1. avatar 4MastBark sagt:

    Gibt’s die Videos für Apple User auch ohne Flash?

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 2

    • avatar andreas borrink sagt:

      Brauchst du nicht schauen, die Videos. Alles wieder mal in kleine 3sec Bits zerhackt, Segelsequenzen völlig nichts sagend.

      Das ist, als wenn beim Fussball der Schnitt immer käme, kurz bevor der Ball im Tor oder der Fuß am Schienbein des Gegners landet. Und die Interviews begrenzen sich auf die Aussagen: “Es war schön” und “Es war toll”. Fehlt eigentlich nur noch der Fussballerkonjunktiv.

      Schade, denn es muss jawohl eine spannende Veranstaltung gewesen sein und der Textbericht ist doch sehr gelungen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

  2. avatar Ballbreaker sagt:

    Läuft auf nem Macbook mit Safari 1a!

    falls Du i-Pad User bist, empfehle ich Dir dieses Workaround:

    http://de.wikihow.com/Flash-Webseiten-auf-einem-iPad-anzeigen

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Stefanz sagt:

    1. andere Mütze aufsetzen
    2. Peter neururer als Trainer holen um dem drohenden Abstieg zu entrinnen.

    Dann passt das schon.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *