Knarrblog: Szene von der Drachen-Donnerstag-Regatta – Lücke frei gesperrt, Crash verursacht

"Schwein gehabt"

Richtig frech vom Kollegen Mitsegler Borgwardt. Er deutet an, dieser Start bei der Donnerstag-Abend-Drachen-Regatta habe mit Glück zu tun gehabt. Dabei war das sowas von geplant…

…Na ja, vielleicht nicht ganz.

Es ist schon etwas her, seit wir im vergangenen Jahr die Deutsche Drachen Meisterschaft auf der Alster bestritten haben. Ein heftiger Crash ist mir noch im Gedächtnis und der erstaunliche Penalty aus dem Medalrace – wegen Pumpens mit dem Großsegel.

Dazwischen liegt viel Zeit. Und die mag einem den 1,7 Tonnen schweren Segeluntersatz dann doch etwas entfremden. Umso schöner, mal wieder den Donnerstag-Abend Afterwork-Segelspaß am auf der Alster genießen zu können.

Drachen, Start

Und plötzlich geht die Lücke auf. Die Kollegen sind etwas zu früh an der Startlinie und schieben ein ganzes Paket Drachen In Luv an der Starttonne vorbei, dass sich zur die Linie runter drängen wollte.© SegelReporter

Es weht nur ein laues Lüftchen vor dem NRV-Steg, wo immer, koste es was es wolle – egal woher der Wind weht –  der Drachen-Start erfolgt. Um 18:25 erst die Flotte der Holzdrachen mit gut 12 Booten, fünf Minuten später schieben sich die Plastik-Versionen mit bis zu 30 Schiffen über die Linie.

Unberechenbare Böen wischen über die Baumwipfel

Der Kurs um den Alster-Tonnenkreis wird schon am Nachmittag per Email verschickt. Der Wetterbericht dient als Vorlage. Es passt nicht immer. Auch diesmal ist wieder nur ein Anlieger drin. Die Windrichtung spielt nicht mit.

Umso wichtiger ist der Start. Diesmal geht’s mit Wind von Steuerbord über die Linie. Hin und wieder wischt eine Böe über die Wipfel der Bäume am Harvestehuder Weg. Der Rhythmus ist nicht zu antizipieren. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Timing zur Linie.

Schon vier Minuten vor dem Start rollen wir die Genua aus, um rechtzeitig in der ersten Reihe zu sein. Trotzdem sind wir fast zu spät. An der Starttonne bildet sich ein Pulk. Gut fünf Boote parken über der Anliegelinie. Ein Boot macht die Lücke zur Starttonne dicht.

Lücke frei gesperrt

Unser Glück – Die Crew ist etwas zu schnell. Sie will den Frühstart vermeiden, muss den Bug auf die falsche Seite der Starttonne schieben. Die Skipper in Luv motzen. Sie müssen warten. Haben sich selber auf klassische Weise ausgesperrt.

Wir lauern in Lee. Die Türe geht auf. Netter kann man eine Lücke nicht freigesperrt bekommen – fast sieht es aus, wie geplant. Wenn da nicht plötzlich an Bord die Vermutung aufkäme, es sei möglicherweise alles nur “Schwein” gewesen.

Dagegen muss man sich doch vehement wehren. Ich versuche, den Freunden an Bord darzustellen, wie ich diese Entwicklung genau vorhergesehen habe, wie man das Geschehen lesen konnte – ernte aber nur Kopfschütteln und meine zwischen den Zeilen auch ehrliche Ungläubigkeit lesen zu können. Außerdem gibt’s ein Rüffel, ich solle mich jetzt mal aufs Geradeausfahren konzentrieren.

Dumm verschätzt

Das ist schwer genug an diesem Tag, auch wenn es sich nur um einen Straßenbahnkurs ohne taktische Herausforderung handelt. Aber an der ersten Wendemarke drängt ein Holzdrachen gleich drei Gegner in die Außenkurve und lässt innen eine große Lücke für uns. Und das mag zu einem gewissen Übermut führen.

Auf der nächsten Runde will ich an der Luvtonne Platz zwei angreifen, versuche nochmal den Trick mit der Innenkurve, ausgerechnet bei den freundlichen Weg-Freisperrern vom Start, verschätzte mich aber so extrem bei der Berechnung des Bleitransporter-Wendekreises, dass der Bug über die Backbord-Rumpfseite schrammt. Gott sei Dank gerät kein Finger dazwischen.

Peinlich! Großes Sorry!! Im Gewühl drehen wir den fälligen Strafkreis, erkämpfen doch noch Platz drei, tauschen später Versicherungsdaten aus. So schnell kann es gehen. Die teaminterne Reputation hat wchwer gelitten. Nun ist klar: dieser hübsche Start war alles andere als Berechnung. Er gehört in die Rubrik: Schwein gehabt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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