Beim Little America´s Cup hat sich die Hälfte der Flotte zerlegt

Kostspielige Arschbombe

Von Carsten Kemmling

Vorschoter Steve Clark stürzt vom Luvrumpf auf das Profil und zerstört den Flügel © sailinganarchy.com

Einen Tag nach dem Auftakt des Little America´s Cups mit den C-Klasse Katamaranen in Newport ist immer noch die spektakuläre Kenterung des US-Herausforderers Steven Clark das Tagesgespräch. Im Video und auf dem Foto oben und der Galerie von Sealauney ist zu sehen, dass die Zerstörung des Flügels vielleicht nicht hätte sein müssen.

Kenterungen können passieren. Auch wenn es sich die offizielle Erklärung “Wind-Turbulenzen” als höfliche Umschreibung für einen Bedienungsfehler anhört. Was macht ein Frachter auf dem Rennkurs? Aber die Zerstörung des Flügels ist nicht durch den Aufschlag auf dem Wasser entstanden sondern den Aufschlag des Vorschoters im Profil.

Das ist ärgerlich. Denn Vorschoter Steve Clark macht dabei keine gute Figur. Er hing schon außenbords und hätte nach Luv abspringen müssen. Stattdessen wartete er auf das Kippen des Bootes und knallt mit seinem Körper auf das filigrane Kohlefaser-Profil. Es ist möglich, dass er sich nicht rechtzeitig aus dem Trapezdraht aushaken konnte, und von diesem Richtung Mast gezogen wurde. Aber Skiff- und Jollensegler aller Art lernen schon früh, dass man sich rechtzeitig aushakt und abspringt, bevor nur noch der Abflug in das Segel bleibt, der nicht selten mit einem Loch endet.

Dabei ist es ein fieser Dreh des Schicksals, dass es sich bei dem Amerikaner Steve Clark um den wichtigen Mann handelt, der bei BMW Oracle im Februar den revolutionären Mega-Flügel beschützte. Er brachte ihn in Valencia sogar heil durch die Nächte an der Mooring als 30 Knoten Stürme durch die Stadt wehten.

Die Amerikaner werden sich selber ärgern. Sie hatten ihr Geschoss seit Jahren auf diesen Moment vorbereitet, waren mit guten Aussichten gestartet und dann killen sie ihren Flügel mit einer Arschbombe ins Segel, bevor sie die Effektivität ihrer Technik ernsthaft nachweisen konnten.

Aber es ging nicht nur ihnen so. Von sechs Booten sind nur noch drei im Spiel. Und die ersten beiden liegen klar an der Spitze. Die kanadischen Titelverteidiger Fred Eaton und Magnus Clarke sind mit ihrem Neubau “Canaan” inzwischen deutlich schneller als Ashby/Spithill mit dem alten kanadischen Boot “Alpha”, das 2007 gewonnen hat.

Aber am Wochenende treffen die beiden Führenden im Match Race Finale aufeinander. Dann werden sie in einer Duell-Serie den Gesamtsieger ermitteln. Die Australier haben vermutlich keine andere Chance, als die Kanadier im Vorstart zu behindern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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