Laser-Ärger: Streit geht in die nächste Runde – Olympia-Verhandlungen dürften leiden

"Falsch und diffamierend"

Gestern hatte die Laserklasse seiner größten Werft die Lizenz entzogen. Nun kontern die Gescholtenen und wollen den Kampf aufnehmen.

Der Laser-Ärger kommt zur Unzeit. Lasersegler in aller Welt sorgen sich, dass der Olympiastatus verloren geht. Er sorgt für Glanz und Kontinuität bei der Nachwuchsarbeit. Aber März musste sich die populärste Jolle der Welt – mit 220.000 gebauten Booten und Klassenvereinigungen in 120 Ländern – gegen die moderne Konkurrenz behaupten, und das klappt naturgemäß nicht.

Laser Worlds

Laser mit Problemen. © Split Laser Worlds

So schien der Vergleich nur eine taktische Maßnahme des Weltseglerverbandes zu sein, um den Anforderungen des EU-Kartellrechts zu genügen. Die Gefahr eines tatsächlichen Rauswurfs schätzten Insider bisher als eher gering ein.

Aber der Disput zwischen Klassenvereinigung (ILCA) und dem wichtigsten Hersteller stellt nun auch das gesamte Laser-System in Frage. Die Gleichheit der Boote, die Verbreitung und die Erfahrung von Klasse und Werften mit der Qualitätsicherung gilt als wichtigstes Argument für den Verbleib als Olympiaklasse. Wenn diese Basis nicht mehr gewährleistet ist, wird die Konkurrenz mit ihren schnelleren, moderneren Konstruktionen ohne Not stärker gemacht.

“Geistiges Eigentum schützen”

Die ILCA hatte erklärt, dass die Kündigung des Vertrages mit Laser Performance (LP) jetzt erfolgt sei, nachdem sich die Werft geweigert hatte, die Inspektion der in seiner Produktionsstätte gebauten Boote vertragsgemäß zu gestatten.

Philipp Buhl in Aarhus vor dem Feld. © JESUS RENEDO/SAILING ENERGY/AARHUS 2018

Auf diesen Vorwurf reagiert LP nicht konkret in seiner öffentlichen Stellungnahme. Dort heißt es: „Die ILCA-Aussagen sind falsch und diffamierend. Wir werden unser geistiges Eigentum einschließlich des geistigen Eigentums von Laser vollständig schützen und durchsetzen.”

Dann folgt ein Vorwurf: “Die ILCA-Büros in Austin (Texas, USA) sollten zurück in das Vereinigte Königreich oder in die EU verlegt werden, wo über 75 Prozent der aktiven Laser-Klasse-Mitglieder und -Segler leben. LaserPerformance ist stolz und entschlossen, Lasersegler und die Community auf der ganzen Welt weiterhin zu unterstützen.“

Konflikt schwelt länger

Die Klassenvereinigung scheint entspannt zu sein. Schließlich gibt es mit Performance Sailcraft Japan für Japan und Korea sowie Performance Sailcraft Australia für Australien, Neuseeland und Ozeanien zwei weitere Laser-Hersteller, die auch die Flotten für die anstehende WM und auch Olympia stellt. Aber LaserPerformance baut seine Boote für die restlichen 75 Prozent des Marktes. Aus dieser Position leitet sich offenbar die gefühlte Stärke für den Disput ab.

Der Konflikt schwelt schon länger. Und sie resultiert unter anderem in der Tatsache, dass gleich zwei mögliche Rigg-Variation für den Laser entstanden sind. Die C5 genannte Variante von Julian Bethwaite im Auftrag der Australier mit Unterstützung der ILCA, und das ARC-Rigg von Doyle nach den Vorgaben von LP.

"Torch", das neue Laser Logo

“Torch”, das neue Laser Logo? Höhepunkt eines Disputes 2013.

Es ist unklar, wie sich diese Situation auf die Bemühungen der Klasse auswirken wird, für Paris 2024 olympisch zu bleiben. Aber die Klasse hat schon andere Dispute überstanden. Besonders skurril war es 2013, als Laser-Vater Bruce Kirby seine Lizenzrechte nicht mehr gewahrt sah. Er drohte, die Klasse in “Torch” umzubenennen. Kirby beschuldigte LaserPerformance und ILCA, sein Design stehlen zu wollen.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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