Laser EM: Philipp Buhl mit Leichtwind-Speed aus der Krise – Führung nach erstem Tag

Buhl is back

Lasersegler Philipp Buhl war viele Jahre die Konstante der deutschen Segel-Nationalmannschaft. Mit unglaublicher Regelmäßigkeit lieferte er Spitzenplätze in einer Klasse ab, die eigentlich am wenigsten dazu geeignet ist.

Philipp Buhl, Laser

Philipp Buhl am ersten EM-Tag. © Neuza Aires Pereira

Während man auf olympischer Ebene in technisch komplizierteren Segel-Klassen wie 470er, 49er oder nun auch Nacra17 akribisch Wissen zum Trimm und Material sammeln kann, und sich dadurch eine gewisse Hackordnung etabliert, hat beim Laser die rein seglerische Leistung des Sportlers ein größeres Gewicht.

Selbst bei stärkerem Wind ist inzwischen reine Physis nicht mehr ausreichend, um Spitzenplätze zu garantieren. Das liegt auch daran, dass anders als bei der Finn- oder 470er-Klasse die Pumpregel nicht geöffnet wurde. Zwar ist das Ausreiten an der Kreuz nach wie vor anstrengend, aber inzwischen hat sich ein Großteil der international aktiven Segler die notwendige Fitness antrainiert.

Umso mehr entscheiden Tagesform, Physis und Psyche über sportlichen Erfolg. Kein Wunder also, dass in der Laser-Klasse die Fluktuation an der Spitze größer ist, als in anderen Disziplinen.

Philipp Buhl, Laser

Philipp Buhl scheint trotz starkem EM-Auftakt noch skeptisch zu sein. © Neuza Aires Pereira

Deshalb war es lange ein Rätsel, wie es Buhl immer wieder schaffte, bei den Saisonhöhepunkten seine Spitzenleistung abzurufen. Seit zehn Jahren nimmt er ununterbrochen an Weltmeisterschaften teil. Und bei den vergangenen sechs Titelkämpfen schaffte er die einzigartige Serie von 3/4/2/8/4/3.

Nur bei den Olympischen Spielen 2016 klappte es nicht. Platz 14 war für den 29-Jährigen eine große Enttäuschung. Danach war er aber schnell wieder zurück in der Spur. Nach Bronze bei der Aarhus WM 2018 schien seine Uhr wieder im gewohnten Rhythmus zu ticken.

Umso plötzlicher traf ihn die Formkrise Anfang der Saison 2019. Erst Rang 32 beim Weltcup in Miami, dann 33. in Palma. Der Bayer ist offenbar über den Winter aus dem Tritt gekommen. Es wurde leise um den deutschen Vorzeigesegler. Sollte er gerade im wichtigen vorolympischen Jahr nach 13 Jahren im Boot den Glauben an sich und seine außergewöhnliche Leistungsfähigkeit verloren haben?

Bei dieser Ausgangslage hat die Laser-Europameisterschaft im portugiesischen Porto für ihn eine besondere Bedeutung bekommen. Und nun lieferte tatsächlich schon einmal ab. Der erste Tag hätte kaum besser laufen können. Im Feld der 162 Boote aus 55 Nationen, das für die Qualifikation in drei Gruppen eingeteilt ist, gelang ihm mit den Spitzenplätzen 1/4 ein fast perfekter Auftakt. Und das bei leichtem Wind, der mehr Platz für Überraschungen lässt, als konstante stärkere Bedingungen.

“Das war schon ein sehr erfolgreicher Tag für mich”, sagt Buhl im Interview. “Ein Sieg sogar. Und ich habe schon lange kein Rennen mehr gewonnen. Meine letzten Regatten waren sehr enttäuschend. Deshalb ist es besonders gut, mit so einem Tag zu starten. Insbesondere bei Leichtwind, wenn alles passieren kann.”

Die Qualifikation dauert noch zwei Tage. Danach beginnt die entscheidende Goldfleet-Phase, wenn die besten Segler in einer Gruppe aufeinander treffen.

Auch der zweite deutsche Teilnehmer Nik Aaron Willim ist mit den Plätzen 8/15 ordentlich in die EM gestartet.

Ergebnisse Laser EM 2019 Männer

Auch die Frauen sind in die EM eingestiegen. Im Feld von 120 Booten rangiert Julia Büsselberg nach zwei Rennen als beste Deutsche auf Rang 28.

Ergebnisse Laser EM 2019 Frauen

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Laser EM: Philipp Buhl mit Leichtwind-Speed aus der Krise – Führung nach erstem Tag“

  1. avatar Roar sagt:

    Platz 15 in der Qualifikation der Offenen EM.

    In der Goldfleet ist die Konkurrenz eher noch stärker.

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