Laser Olympia-Generalprobe: Weltmeister Philipp Buhl in Gold-Form

"Es war wirklich hart"

Philipp Buhl scheint mehr und mehr den Laser Weltmeister-Titel als Befreiung zu empfinden. Nach einem starken Auftritt zur Hälfte bei eher leichteren Winden in Vilamoura dominierte er im Endspurt das Weltklassefeld. Nur Legende Scheidt (48) konnte mithalten.

Philipp Buhl freut sich über den Sieg im letzten Rennen, der zum Gesamterfolg reicht. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

Philipp Buhl hat sich am letzten Tag der ILCA Vilamoura International Regatta im Weltklassefeld von 139 Booten eindrucksvoll den Sieg gesichert. Bei starkem Wind mit einem hohen Atlantik-Schwell belegte er die Plätze 2/1 und schob sich von Platz drei an die Spitze. Nur die brasilianische Laser-Legende Robert Scheidt (48) konnte noch dagegenhalten und lag schließlich einen Punkt hinter dem Bayern.

Dabei ist das Ergebnis für Buhl besonders wertvoll, weil die Bedingungen vor Portugal den zu erwartenden bei den Olympischen Spielen auf dem Revier in Enoshima sehr nahe kommen – ein Wettermix mit teilweise hoher Dünungswelle, die die Windwelle überlagert.

Die Top Ten

Deutschlands Segler des Jahres zeigte sich dabei auch bei leichterem Wind von Anfang an auf Augenhöhe mit den besten Spezialisten und hatte schließlich das Glück des Tüchtigen, dass an den letzten beiden Tagen seine Schokoladenbedingungen herrschten – Starkwind. Mit der Schlussserie von 2/2/1 dominierte er die Weltklasse-Flotte, bei der nur die starken Australier und Neuseeländer fehlten. Der bis dahin führende Brite Becket fiel zurück.

Scheidt versucht sich gegen den von hinten anstürmenden Buhl zu wehren. Es hilft nichts. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

” Es war wirklich hart, hat aber auch viel Spaß gemacht”, sagt Buhl nach seinem Sieg. “Im letzten Rennen habe ich mein Bestes gegeben, eigentlich wie jeder andere auch. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich gewonnen habe”, sagte Buhl.

Dass es um einen Punkt gegenüber Robert Scheidt gereicht habe, sei Glück gewesen. Buhl zeigte sich ehrlich beeindruckt vom Altmeister, der mit den Plätzen 5/3/6 zum Schluss gezeigt hat, dass er insbesondere bei Starkwind eine deutliche Leistungssteigerung aufweist. Zuvor hatte ihn Buhl zwar auch zum neunköpfigen Olympia-Favoritenkreis gezählt, aber nur wenn der Wind nicht zu stark sei.

Wo bleibt er denn? Buhl zählt nach der Ziellinie, wo Robert Scheidt platziert ist. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

Für Buhl ist die Regatta eine Bestätigung, dass er auf dem richtigen Weg ist Richtung Medaille kurz vor Olympia. Gerade in Corona-Zeiten scheint die Arbeit insbesondere mit Coach Alexander Schlonski immer besser zu funktionieren. Buhl hebt dessen Bedeutung immer häufiger hervor.
Im deutschen Segelsport ist es anders als in den starken Segelnationen bisher selten, dass verdiente DSV-Sportler wichtige Traineraufgaben übernehmen. Schlonski aber war 2008 selber WM-Sechster im Laser und ein Jahr später sogar Vierter bei der Starboot-WM. Der Bayer profitiert nun immer mehr von dieser Qualität an seiner Seite, aber auch von der starken Trainingsgruppe mit den Skandinaviern. Der Schwede Jasper Stalheim wie auch der Norweger Herrmann Thomasgaard gehören zu den besten Lasersgelern der Welt, die in Portugal ihr Können aufblitzen ließen.

Laser-Master Robert Scheidt in Aktion. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

Sclonskis Schützling betont aber, dass nach der langen Wettkampfpause längst noch nicht alles geklappt hätte – aber den anderen sei es genauso gegangen. Es gebe noch viel Raum für Verbesserungen. Auch das Format dieser Regatta mit jeweils 70 Booten in der geteilten Flotte hat wenig mit dem Olympia-Modus zu tun, wenn nur 33 Boote starten und eben nur neun Segler höchsten Ansprüchen genügen. Dennoch bestätigt Philipp Buhl mit seinem Sieg, dass er mit dem WM-Titel im Rücken offenbar befreit segeln kann. Manche anderen würden das Favoriten-Dasein als Bürde empfinden.

Buhl in Höchstform überholt den führenden Briten. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

Die deutsche Olympia-Starterin Svenja Weger konnte diese Woche noch nicht an ihre jüngst gezeigten Ergebnisse anknüpfen. Sie habe an einigen Startdetails gefeilt und verpasste darüber die Qualifikation in der Goldgruppe der Frauen-Konkurrenz. Dort konnte aber Hannah Anderssohn bestätigen, dass sie bei Starkwind schon zu den Weltbesten gehört. Die Rostockerin hatte schon unter Schmerzen ihre Laser Karriere aufgegeben, dann aber zurück in die Spur gefunden. In Vilamoura reichte ihr Endspurt zu Rang 25.

Die dänische Überfliegerin Anne-Marie Rindom siegt mit 36 Punkten Vorsprung. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

An der Spitze war gegen die dänische Weltmeisterin von 2019 Anne-Marie Rindom kein Kraut gewachsen. In Abwesenheit der zuletzt dominierenden Olympiasiegerin Marit Bouwmeester aus Holland musste sie das letzte Rennen nicht mehr mitsegeln (Streicher) und behauptete trotzdem einen 36-Punkte-Vorsprung.

Ergebnisse

Eventseite

Luvkenterung. © Vilamoura SAILING Ferreira – Osgar

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Laser Olympia-Generalprobe: Weltmeister Philipp Buhl in Gold-Form“

  1. avatar pl_buesselberg sagt:

    Ich finde es nicht nett, von den 3 deutschen Starterinnen eine nicht zu erwähnen, die auch souverän und vor Hannah Anderssohn platziert ins Goldfleet gekommen ist und 3 Wochen zuvor bereits die stark besetzte Int. Spanische Meisterschaft auf Mallorca gewonnen hat.

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