Laser Radial Worlds: Svenja Weger stark – Anderssohns Spaß-Comeback hält an

Kann der Olympia-Traum wahr werden?

Svenja Weger hat am ersten Tag der Goldfleet-Phase bei der Laser WM einen bärenstarken Tag abgeliefert. Mit den Plätzen 7/16/8 in der 53-Boote-Flotte schaffte sie die fünftbeste Tagesserie, hievte sich auf Platz 12 nach vorne und liegt damit genau in dem Bereich, der sie ein DOSB-Olympia-Kriterium erfüllen ließe. In einem von drei Wettbewerben muss sie die Top Zwölf schaffen.

Svenja Weger auf Rang 12 zwei Rennen vor Schluss der Laser Radial Frauen WM 2020

Es war nicht davon auszugehen, dass es bei dieser WM passieren könnte. Vielmehr schien es einfacher, diesen Schritt bei den vermutlich schwächer besetzten Quali-Regatten Trofeo Princesa Sofía Ende März in Palma oder bei der EM 2020 Mitte Mai in Griechenland zu gehen.

Svenja Weger am fünften Renntag in der Welle vor Melbourne. © Jon West

 

Gerade bei der EM scheint es möglich, dass viele Spitzenseglerinnen fehlen, um sich schon auf Japan vorzubereiten. Das Mittelmeer-Revier in Kalamata weist schließlich nicht die Charakteristik des Olympia-Reviers auf, das durch eine lange Pazifik-Welle geprägt ist. Den Deutschen könnte das Fehlen von starken Gegnerinnen helfen, weil schließlich die Gesamtwertung der drei Qualifikationswertungen über die deutsche Nominierung entscheidet. Der DOSB fordert eine Platzierung unter den besten zehn Nationen.

Die Auswahl der Qualifikationsregatten könnte also ein geschickter Schachzug gewesen sein, um einmal wieder eine Laser-Radial-Frau olympisch segeln zu lassen. Aber nun sieht es so aus, als wenn dieser Kniff vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Denn zumindest Svenja Weger hat sich unter den acht deutschen Seglerinnen in Melbourne zwei Rennen vor Schluss eine starke Ausgangsposition erarbeitet, um den Olympia-Traum erfüllen zu können.

EM-Titel mit 20 Jahren

Seit neun Jahren kämpft die 26-Jährige dafür, im Laser Radial die deutschen Farben bei dem wichtigsten Segel-Event vertreten zu dürfen. Schon im Vorfeld von Rio 2016 schien sie nahe dran. Als U21-Weltmeisterin von 2013 gelang ihr der perfekte Umstieg zu den Senioren. 2014 gewann die gebürtige Heidelbergerin sensationell mit 20 Jahren in Ungarn am Balaton den EM-Titel. Bei der Kieler Woche danach sprach sie mit SegelReporter.

Aber der Sieg, der Befreiung und Selbstbewusstsein hätte bringen können, schien mehr und mehr zum Ballast zu werden. Schließlich war er auch bei extremem Leichtwind zustande gekommen.

Svenja Weger segelte bei der Laser EM 2017 auf Platz 4. Ihr bestes Ergebnis der vergangenen drei Jahre. © Thom Touw

Weger blieb als 33. und 30. der folgenden Weltmeisterschaften hinter den Erwartungen zurück und verpasste schließlich auch den olympischen Nationen-Platz für Deutschland. Dabei war dieser im Laser Radial noch relativ einfach zu erreichen, weil 35 Boote in Rio starten dürfen.

Erfahrung ist Trumpf

Sollten ihre körperlichen Voraussetzung mit 1,74 Metern Körpergröße und etwa 67 Kilogramm Gewicht doch nicht ausreichen, um im Laser Radial ganz vorne zu segeln? Rio-Silber-Gewinnerin Annalise Murphy wiegt bei 1,82 m Größe 72 Kilo und knüpft bei ihrem Comeback an ihre alte Starkwind-Dominanz an.

Aber die seit Jahren dominierende Olympiasiegerin Marit Bouwmeester aus Holland, die auch bei der aktuellen WM schon einen komfortablen Vorsprung herausgesegelt hat, zeigt dass man auch mit Wegers Maßen schnell bei Starkwind sein kann. Sie bringt aber eben auch schon 16 Jahre Erfahrung in die Klasse ein.

Geduld scheint gefragt in der Frauen-Einhand-Disziplin. Und Weger gab nicht auf. Prompt schien sie 2017 auf Spur mit einem starken elften Rang bei der WM in Medemblik und dem vierten EM-Platz. Sie schien reif für größere Aufgaben. Aber wieder kam der Einbruch.

Kader-Status verloren

Platz 26 bei der WM in Aarhus 2018 reichte gerade so, um das Nationen-Ticket für Deutschland zu sichern. Und der 29. Rang ein Jahr später in Japan war eine weitere Enttäuschung. Sie fiel in der Weltrangliste von Platz 14 auf 24 zurück. Den DSV Kader-Status hat sie längst verloren, aber den Glauben an sich selbst offenbar nicht.

Hannah Anderssohn am ersten Gold-Fleet-Tag. © Jon West

Downunder liefert sie bisher eine starke Regatta ab. Die harte Arbeit, auch bei Starkwind in der Spitze mitsegeln zu können, war offenbar erfolgreich. Davon zeugt Platz fünf bei harten Bedingungen im vierten Lauf. Aber auch bei sehr leichtem Wind ging das Gefühl nicht verloren, wie der dritte Platz im Auftaktrennen zeigt.

Weger scheint sich gute Allroundfähigkeiten erarbeitet zu haben. Für die beiden Finalrennen müssen jetzt nur noch die Nerven halten. Wenn ein zweiter Streicher dazu kommt, kann das Klassement noch ziemlich durcheinander wirbeln.

Hannah Anderssohn bei der WM 2020. © Jon West

Überraschend positiv verläuft  weiterhin auch das Comeback von Hannah Anderssohn, dem schwer gebeutelten Nachwuchs-Star aus Rostock. Sie wollte bei der WM den Spaß am Segeln zurückfinden, und genau das scheint gelungen zu sein. Für sich unerwartet erreichte sie die Gold-Fleet nach drei Rennen bei 20 bis 25 Knoten Wind. Dabei wäre sogar mehr drin gewesen, weil im zweiten Lauf am vierten Tag auf Rang drei liegend das Ruder brach. 

In der Goldfleet liegt sie nun als zweitbeste deutsche Seglerin auf Rang 31. Pauline Liebig ist 33. Pia Kuhlmann 35. und Julia Büsselberg 43.

Ergebnisse Laser Radial Frauen WM 2020 Melbourne

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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