Laser Segel: Neues ARC Rigg vorgestellt – Die Verwirrung geht weiter

Wohin die Reise geht

Ob das alles so gut ist für die Laser-Klasse? Nach den Australiern stellen nun die Amerikaner ein neues Rigg vor. Die Segler drohen zwischen die Fronten zu geraten.

Im Januar stellte die australische Skiff-Legende Julian Bethwaite seine Vision vom Laser-Rigg der Zukunft vor. Für die Laser-Hersteller Performance Sailcraft Australia und Japan entwickelte er das C5-, C7- und C8-Rigg, die einmal die aktuelle 4.7-, Radial- und Standard-Version ersetzen sollen.

Das neue Standard Rigg ARC1 ist 16,5 Prozent größer. © Laser Performance

Die dritte Werft Laser Performance (Europe) Limited, die den Löwentanteil der weltweiten Laser-Flotte produziert, zeigt nun eine eigene Variante für ein modernes Rigg. Das so genannte ARC wurde von den Doyle-Sails-Spezialisten Robbie Doyle und Jud Smith in Marblehead/USA entwickelt und soll für Standard und Radial besonders durch das flexible Karbon-Rigg die Gewicht-Bandbreite der Segler nach oben und unten erweitern sowie die Leistung des Bootes verbessern.

Olympia Trials im März

Eigentlich waren die ARC1- und 2-Versionen erst für den Mai angekündigt worden, aber offensichtlich wurde der Prozess beschleunigt auch im Hinblick auf die vom 11. bis 15. März in Valencia stattfindenden Testfahrten gegen die drei Konkurrenten (RS Aero, Devoti Zero und Melges 14) im Hinblick auf die Olympia-Material-Entscheidung für 2024.

Das Radial-Rigg ARC2© Laser Performance

Damit ist die Konfusion komplett. Denn die internationale Laser-Klassenvereinigung ILCA beharrt darauf, dass die neuen Riggs nichts mit den Trials zu tun haben. Die ILCA bekundet in einer offiziellen Stellungnahme: “Es gibt keine Pläne, die existierenden Klassen zu ersetzen.”

Und auch der deutsche Laser-Händler Ferdinand Ziegelmayer hält die Aufregung für übertrieben. Bei den Rigg-Tests handele es sich um einen langfristigen Prozess sagt er im SR-Interview. Die Laserklasse sei immer gut damit gefahren, Veränderungen ganz vorsichtig vorzunehmen.

Test des neuen C5 Riggs für den Laser in Australien.

Andererseits hat der Weltsegler-Verband das Kriterium für die Testsegler auf
75 bis 90 Kilogramm für die Männer festgesetzt und 55 bis 70 Kilo für die Frauen. In diesem Rahmen bewegt sich das optimale Gewicht für die aktuellen Laser-Rigg-Konfigurationen momentan nicht. Die besten Standard Laser-Segler wiegen 82 bis 84 Kilogramm, Radial-Skipper sind nahezu 70 Kilo schwer.
Im Wettbewerb um den Olympia-Spot könnte ein modernes Rigg mit einem größeren Range also Sinn machen.

216000 verkaufte Laser

Aber das ist gefährlich. Das einzige Argument, am Laser festzuhalten ist die schiere Größe der Flotte mit mehr als 216000 verkauften Booten. Die Rümpfe von D-Zero, Melges 14 und RS Aero sind ohne Frage leichter und leistungsfähiger. Die Entwicklung der großen Felder ist aber nur zustande gekommen, weil die Laserklasse lange an ihrem Standard-Material festgehalten hat. Ist der Druck durch die Konkurrenz nun so groß, dass diese Politik aufgegeben werden muss?

Preislich unterscheiden sich die Konkurrenten kaum noch vom Laser. Es ist der Olympia-Status, der zurzeit noch den Unterschied ausmacht.

Die Laser-Klassenvereinigung hat darauf hingewiesen, dass es schon seit vielen Jahren Bemühungen gibt, alternative Riggs zu entwickeln. Besonders der Schritt aus dem Optimisten zum 4.7 Laser gestalte sich für junge Segler oft zu groß. Deshalb habe man besonders die Tests mit dem C5 Segel befürwortet.

Größerer Gewicht Range durch flexibles Karbon-Rigg. © Laser Performance

Aber nach wie vor bestehe keine Intention eines Wechsels der olympischen Varianten. Auch in Valencia werden bei den Trials nur die Standard-Versionen ins Spiel gebracht. Ob das ausreicht, muss sich zeigen. Was der Weltsegler-Verband schließlich entscheidet, ist selten absehbar. Vielleicht möchte die Laserklasse einfach ihre Optionen erweitern.

Für die aktuelle Situation ist diese Ungewissheit sicher nicht gut. Zwar dürfte es den Spitzenseglern einigermaßen egal sein, mit welchem Einhandboot sie um olympische Ehren segeln. Und sie werden wechseln, ohne einen Blick zurück. Aber dem Normalo-Kunden gefällt die Konfusion nicht. Bleibt zu hoffen, dass bald wieder klar wird, wohin die Reise des Lasers geht.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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