Laser-Streit: Revolte gegen das ILCA-Dinghy – Europäer gründen eigene Klassenvereinigung

"Von besorgten Seglern"

Dieser Tage stand die Laserklasse mit ihren beiden Weltmeisterschaften vor Melbourne sportlich im Blickpunkt der Segelwelt. Dabei ging es fast unter, dass Philipp Buhl seinen Titel eigentlich nicht wirklich im Laser gewonnen hat, sondern erstmals unter dem Namen ILCA-Dinghy.

Dieser Kniff bei der Namen-Änderung scheint darauf hinzuweisen, das die Internationale Klassenvereinigung ILCA den Streit um die Namen- und Patent- und Produktions-Rechte zu ihren Gunsten entschieden hat. Schließlich hatte World Sailing offenbar kein Problem mit dem Streit-Status und bestätigte den Olympia-Status.

Philipp Buhl im ILCA-Dinghy bei der Laser-WM. © Tom West

Dabei regt sich  in der Klasse längst Widerstand. Besonders die Europäer sehen bei der Entwicklung schon seit längerer Zeit mit Bauchschmerzen zu. Die Ausbootung des dominierenden Herstellers Laser Performance wurde längst nicht von allen Beteiligten begrüßt.

Die ILCA agierte zwar mit Rückendeckung von World Sailing in Bezug auf das Wettbewerbsrecht und schrieb Produktionsbedingungen aus, die von mehreren Werften erfüllbar sein sollen. So wurden die Namen von neun Werften genannt, die in der Lage sein sollen, die aktuellen Onedesign-Anforderungen zu erfüllen. Aber Laser Performance war trotz Berwerbung nicht darunter. Und so nährte sich der Vorwurf, dass die Werft unter fadenscheinigen Begründungen aus dem Wettbewerb gedrängt werden sollte.

“Dumm oder böswillig”

Der renommierte italienische Lasersegler Alessandro Castelli tat seine Bedenken in einem offenen Brief kund. Darin heißt es: “Der Hauptgrund, warum ich seit vielen Jahren mit dem Laser statt in einer anderen Klasse segle, ist die streng, einheitliche Konstruktion. Ich möchte keine Probleme mit unterschiedlichem Material haben und mir das schnellste Produkt suchen müssen. Natürlich werden ILCA-Dinghies aus so vielen verschiedenen Produktionsstätten unterschiedliche Leistungen aufweisen –  und mit Sicherheit teurer werden. Wer das bestreitet, ist entweder dumm oder böswillig.

Ich segle auch Laser wegen seiner Einfachheit und Haltbarkeit. Und ich bin nicht daran interessiert, innovative Riggs mit innovativen Segeln zu nutzen, die mich einen halben Knoten schneller segeln lassen. Es gibt genügend andere Boote auf dem Markt, mit denen man viel höhere Geschwindigkeiten erreichen kann.

Die Radial-Flotte bei der ersten WM im ILCA-Dinghy. © Jon West

Ich hatte das Bedürfnis, diesen Brief zu schreiben, weil ich das Gefühl habe, dass eine Gruppe von Menschen unseren geliebten Laser zerstört und wir Lasersegler nichts tun, um ihn zu verteidigen. Die Maßnahmen der ILCA in den letzten zehn Monaten entsprechen in keinster Weise meinen Vorstellungen, wie es mit unserer Klasse weiter gehen sollte.”

Steigende Preise

Diese Meinungsäußerung spricht offenbar vielen Laser-Fans aus der Seele. Kritische Stimmen prangern schon jetzt steigende Preise an. So sei ein aus Australien importiertes klassenkonformes ILCA Dinghy für 9200 Dollar (ohne MWS) zu beziehen heißt es in einem meist gut informierten Blog. Das gleiche Boot stehe bei LaserPerformance USA für 7.350 US-Dollar in der Liste. Die Laser “Club Edition” von LP ohne legalen ILCA-Sticker werde für 5.399 Dollar verkauft.

Es ist nicht klar, wie sich die Preise entwickeln werden. In der aktuellen Situation dürfte sich aber jeder potenzielle Laser-Käufer zweimal überlegen, ob er sich ein neues Boot zulegt.

Denn die Situation hat sich noch längst  nicht entspannt. Im Gegenteil. Nun tut sich für die Internationale Klassenvereinigung ILCA eine neue Front auf. Denn die Europäer, die sich lange Zeit um eine interne Lösung des Streits bemüht haben, gründen eine eigene Klassenvereinigung.

The Laser Class statt ILCA

Sie nennt sich The Laser Class (TLC). Man sei “eine Klasse für Segler, von Seglern”, heißt es auf der neuen Website. “Willkommen bei The Laser Class, gegründet von Seglern, die der Wunsch vereint, den Laser zu retten und die ursprüngliche Laserklasse als Welt-Organisation wieder aufzubauen. Sie soll ihre Mitglieder gut repräsentieren und ihr dienen”, so ließt sich die Begründung für diesen radikalen Schritt.

“Wir haben viele Entscheidungen gesehen, die die Prinzipien des “One Design”-Status untergraben, indem willkürlich Gebühren für Rümpfe und Ausrüstungsteile erhoben worden sind. Dadurch erhöhen sich die Kosten für die Segler erheblich. Wohin gehen diese Gelder, und wer profitiert von ihnen?”

Inzwischen sei die Konstruktion von neuen Lasern bereits verändert worden, so dass die rund 200.000 Boote auf der Welt das Onedesign-Kriterium nicht mehr erfüllen. Dabei kritisiert TLC insbesondere den Transparenz-Mangel. “Wir mussten etwas tun, um die Klasse zu retten”, heißt es bei der neuen Organisation mit dem Schweizer Heini Wellmann an der Spitze, der selber lange Zeit ILCA-Präsident war. Ihm zur Seite steht Landsmann Beat Heinz als Interim Executive Secretary, seit vielen Jahren aktiver Lasersegler, und ein neunköpfiges Interim Advisory Gremium.

Aufruf zur neuen Mitgliedschaft

Man wolle in diesem Jahr noch bei World Sailing eine Anerkennung als Klassenvereinigung beantragen und selber ein Verfahren zur Zulassung von Laser-Herstellern einleiten um die Anforderungen an den Olympia-Status zu erfüllen.

Dabei hofft TLC auf eine schnelle Akzeptanz unter den Laserseglern, ruft zum Beitritt auf und lockt mit einer zweijährigen kostenfreien Mitgliedschaft.

Die Zeichen stehen also weiterhin auf Sturm. Und die Lage wird immer verworrener. Sicher kann der aktuelles Status-Quo in einer Olympiaklasse nicht funktionieren. Eine Teilung in zwei Verbände dürfte kaum möglich sein. World Sailing hat dem Treiben offenbar zu lange tatenlos zugesehen. Nun muss sich etwas bewegen. Bevor die Klasse den Bach runter geht, sollte ein Machtwort gesprochen werden.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Laser-Streit: Revolte gegen das ILCA-Dinghy – Europäer gründen eigene Klassenvereinigung“

  1. avatar jorgo sagt:

    Das ist ja fürchterlich!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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