Les Sables-Acores: Mini-Foiler beweist Überlegenheit – Burkes spannendes Podium-Finale

Der irre Flieger

Es gab schon einige Versuche, die Foiling-Technik bei den kleinen Mini-Transat-Yachten zu etablieren. Nun scheint es Tanguy Bouroullec geschafft zu haben. Er siegt überlegen beim ersten Härtetest der Saison.

Tanguy Bouroullec hat die erste große Regatta der Mini 6.50-Klasse gewonnen. Er nahm der Prototypen-Konkurrenz auf der dritten von 900 auf 500 Meilen verkürzten Etappe mehr als 30 Meilen ab. Das ist deshalb bemerkenswert, weil der Franzose damit die neue Überlegenheit seines Foilers dokumentiert und wohl eine neue Ära vielleicht für die gesamte Hochseeszene einleitet.

“Cerfrance” im Flugmodus. Das ganze Boot hebt sich aus dem Wasser. © Pogo Structures

Denn seine “Cerfrance” ist mit beweglichen Tragflächen ausgerüstet, die den Rumpf anders als bei den 60 Fuß IMOCAs vollständig aus dem Wasser heben. Bourroullec war als Vierter der Mini-Transat 2019 den Beweis dieser Technik noch schuldig geblieben – auch weil ihn ein Schaden am Vorstag-Beschlag einbremste. Aber seitdem hat er das Boot weiter optimiert.

Tanguy Bouroullec im September 2019 auf seinem Foiler. Das Luv-Foil wird hochgeschwenkt. © Pogo Structures

Dabei ist insbesondere seine Leistung bei Schwachwind auf den ersten beiden Etappen hervorzuheben. Längst ist klar, dass Foiler bei Flachwasser und starken Raumschotsbedingungen klar überlegen sind. Aber an der Kreuz, platt vor dem Laken oder eben bei Flaute bremsten die durchs Wasser schleifenden Tragflächen bislang enorm.

Das Leefoil von “Cerfrance” ist auch bei wenig Wind unter den Rumpf geklappt und scheint kaum zu bremsen. © Blanchard

Bouroullec ist es aber offenbar gelungen, diesen Nachteil mehr als auszugleichen. Bei Les Sables-Acores siegte im Feld der insgesamt 72 Mini 6.50 auch auf den beiden Flauten-Etappen. Er klappt die T-Foils weit hoch, und nutzt oft nur die Spitzen als zusätzliche Lateralfläche zum schmalen Neigekiel.

Bouroullec als überlegener Sieger im Ziel. © Breschi/SAS

Möglich wurde die Entwicklung insbesondere durch Bourroullec Vater Christian, den Werftchef der Pogo-Werft, die seit Jahren mit ihren Designs die Mini 6.50-Szene dominiert.  Er hatte sich zwar anfangs noch sehr zurückhaltend geäußert, als die ersten Meldungen vom Pogo-Einstieg in die Foiler-Entwicklung durchdrangen. Man solle so eine „Spielerei“ nicht allzu hoch bewerten. Aber er betonte: „Wir müssen einfach am Ball bleiben”. Denn eines sei sicher: “Foils werden uns alle noch eine ganze Zeit beschäftigen!“

Bouroullec hat den Beweis für die Überlegenheit der Foiler-Technik im Mini erbracht. © Breschi/SAS

Zumindest in der Mini-Klasse scheint Bourroullec nun nicht mehr zu schlagen zu sein. Und wenn seine Bedingungen passen, dann ohnehin nicht. Auf dem harten 280 Meilen langen Reach der dritten Etappe gen Süden nahm er dem zweitplatzierten Prototypen mehr als 22 Meilen ab.

Dieser Beweis der Stärke scheint ihm ersteinmal zu genügen. Für die nächsten Rennen gibt er das Steuer ab. Der Skipper heißt dann Ambrogio Beccaria ist 29 Jahre alt, kommt aus La Spezia in Italien und hat das vergangene Minitransat in der Serienwertung gewonnen. Er könnte mit dem neuen Geschoss die Szene über Jahre beherrschen.

Burke peilt Podium an

Die Serien-Minis haben derweil noch gut 50 Meilen vor dem Bug. Nach wie vor läuft es für den jungen Deutschen Lennart Burke (21) ausgezeichnet. Er liegt auf Rang fünf und kann sich weiter Hoffnungen auf einen Podiumsplatz in der Gesamtwertung machen.

Der Sieg ist außer Reichweite, da der Gesamtführende Léo Debiesse erneut ganz vorne liegt. Er liefert sich ein Duell mit Jean-Marie Jezequel. Und der kann Burke in der Addition der Zeiten von den drei Etappen sehr gefährlich werden, da sein Rückstand kaum unter einer Stunde betrug. Burke liegt zurzeit 11 Meilen dahinter.

Er hatte besonders auf dem harten Raumgang schwer zu kämpfen. Da raste Jezequel mit seinem Serien-Plattbug Maxi 650 zeitweise 1,5 Knoten schneller als die Pogo-Konkurrenz über den Parcours. Als Burke kurrzeitig sogar die virtuelle Führung der Serienflotte übernommen hatte, lag Jezequel noch gleichauf. Aber auf den nächsten 150 Meilen im Vollglitsch verlor der Stralsunder 15 Meilen auf den Konkurrenten.

Auf der aktuellen Leichtwind-Kreuz Richtung Ile d’Yeu macht “Vorpommern” aber langsam wieder Boden gut, und es fehlen nur noch 12 Meilen zur Spitze. Die Strömung wird wohl wieder eine große Rolle spielen und entscheiden, ob ein Angriff auf Gesamtplatz zwei noch möglich ist. Immerhin liegt der bisherige Zweitplatzierte Quentin Riché als 19. der aktuellen Etappe so weit zurück, dass Burke die gut sieben Minuten Rückstand locker aufholen dürfte.

“Das Härteste – ich liebe es”

Ein starkes Comeback gelang auch Christian Kargl, der ebenfalls einen Maxi Scow segelt. Der anfangs zeitweise hinter Rang 30 geführte Österreicher nutzte die Reachbedingungen ebenso wie die Markengefährten und raste bis auf Rang neun nach vorne.

Auch Melwin Fink (17) liefert nach wie vor eine starke Mini-Premiere ab. Mit dem aktuellen 17. Platz könnte er es noch in die Topp 20 schaffen. In einem ausführlichen Bericht für seinem Schaumburg-Lippischen Seglerverein am Steinhuder Meer  beschreibt er die Schwierigkeiten der ersten beiden Etappen:

“Diese zweite Etappe war das Härteste, was ich bisher machen durfte. Es ist so unfassbar anstrengend 24 Stunden am Tag alles zu geben, jeden Segelwechsel mitzumachen. Das Boot immer perfekt zu trimmen und das Gewicht optimal zu positionieren. Außerdem konnte ich nicht einmal vernünftig schlafen, sondern musste nach spätestens 20 Minuten wieder hoch, um alles zu kontrollieren. Unfassbar anstrengend, aber im Hafen ist wieder alles vergessen und man erinnert sich nur an die schönen Dinge, z.B. die schöne Natur. Man sieht unfassbar schöne Mond- und Sonnenaufgänge. Ebenso die Sternenhimmel sind unbeschreiblich schön. Ständig wird man von Delphinen begleitet oder sieht Thunfische durch die Luft springen. Es ist schon ein sehr extremer Sport, aber ich liebe es.”

Lina Rixgens liegt mit ihrer “Avanade” im Feld der aktuell segelnden 49 Serienminis auf dem 33. Platz. Die Entscheidung über den Zieleinlauf fällt wohl erst am späten Abend.

Tracker Les Sables Acores

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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