Luise Wanser und Anastasiya Winkel nachträglich disqualifiziert

Schock an Land: Trapezweste zu schwer

Riesenärger nach erfolgreichem Olympiaauftakt für Luise Wanser und Anastasiya Winkel im 470er: Die Trapezweste der Vorschoterin war beim Kontrollwiegen 260 Gramm zu schwer. Die Hamburgerinnen wurden disqualifiziert, sind statt Gesamtvierte auf dem Wasser nun plötzlich ganz hinten.

Seglerisch war ihre Premiere bei rauen Bedingungen vollauf gelungen. Als Neunte und Fünfte hatten Wanser und Winkel ihre olympische Feuertaufe mehr als bravourös bestanden. Die Ernüchterung folgte zurück an Land, wo das Technische Komitee einen Protest einreichte. Bei der Kontrolle der Ausrüstung nach den Rennen wurden die Trapezwesten gewogen – und bei der Deutschen mit geeichter Waage für zu schwer befunden.

Anastasiya Winkel im 470er-Trapez vor der Steuerfrau Luise Wanser: Nach den starken Rennen erfolgte die Disqualifikation, weil die Trapezweste der Vorschoterin zu schwer war. © Sailing Energy / World Sailing

Exakt 3.260 Gramm zeigte das Instrument für Winkels Weste. Und diese darf laut 470er-Klassenregel C3.2.(a) höchstens drei Kilogramm wiegen, 1 kg mehr als in der allgemeinen Wettsegelregel RRS 50.1(b) vorgeschrieben. Ansonsten würden Aktive bei Starkwind Gewichtswesten anlegen, um den Trimmeffekt im Trapez zu verbessern. Das Prozedere beim Wiegen ist im Anhang H genau geregelt. Die Weste muss vollständig in Wasser getränkt werden, bevor sie auf einem Kleiderbügel eine Minute lang abtropft.

Definiert ist auch, dass alle zusätzlichen Teile, wie zum Beispiel Verstärkungen zum Schutz der Lendenwirbel mitzuwiegen sind. Ob dieses Pad das Mehrgewicht ausgelöst hat bzw. beim Probewiegen zuhause vergessen wurde, oder eine andere verhängnisvolle Messungenauigkeit gegeben haben könnte, ist unklar. Die Trapezweste zählt zum persönlichen Equipment, für die jede Teilnehmerin selbst verantwortlich ist. Sie wird nicht offiziell vermessen und gestempelt, wie zum Beispiel die Segel.

In jedem Fall will der DSV für seine Athletin kämpfen und am Donnerstag einen Antrag auf Wiedereröffnung des Falls mit einer Anhörung stellen, teilte am Abend DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner im Olympiahafen von Enoshima mit. Unterstützt wird die Crew des German Sailing Teams von ihrem Regelberater Craig Mitchell. Dazu bleibt nach Bekanntgabe der Entscheidung 24 Stunden Zeit.

Was auf dem Wasser kaum einen Unterschied gemacht haben dürfte, wurde von der Jury mit größter Härte bestraft. Ein Verstoß gegen die Regel 50.1(b), die Gewicht der Kleidung und Ausrüstung festlegt, führt zwingend zur Disqualifikation. Die Ahnung eines Verstoßes gegen eine Klassenregel ist dagegen Ermessenssache der Jury und könnte auch bei einer Verwarnung bleiben. Eine Disqualifikation kann das Team nach drei Wettfahrten streichen. Aber die zweite würde mit 22 Punkten zu Buche schlagen.

Wie die Crew diesen Schock verkraften kann, wird sich ab 5.05 Uhr deutscher Zeit zeigen, wenn das dritte Rennen auf dem Programm steht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird bis dahin noch nicht entschieden sein, ob der Fall nochmal aufgerollt wird. Das gleiche Schicksal ereilte die Argentinierinnen Maria Belen Tavella und Lourdes Hartkopf, die allerdings auf dem Wasser nur Gesamt-17. wurden. Die Weste der Vorschoterin wog 3.190 Gramm. In jedem Fall ist es eine große Belastung für die jungen Sportlerinnen.

Ein Kommentar „Luise Wanser und Anastasiya Winkel nachträglich disqualifiziert“

  1. avatar Jonas sagt:

    Ist ja nun kein Weltuntergang, niemand ist gestorben oder verletzt. Die Meßprozedure ist kompilziert, es sind viele Punkte zu beachten. Am Ende hatten sie ihre Teile nicht lange genug oder nicht vollständig im Wasser. Wer weiß.

    3kg ist doch schwer nur für ein reines Trapez. Ich glaube das Limit wird hier ausgenutzt, um doch eine Art Ausreitgewicht neben dem Vorschoter selbst zu haben. Wenn man da übertrieben hat, hat man halt Pech gehabt. Es gibt ja noch mehr Durchgänge.

    Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf. Also Fehler bereinigen und Kopf hoch!

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