Mann über Bord Manöver: Segler eingesammelt mit einer Kuh-Wende – oder Q-Wende?

Schneller Schlenker

Bei dem Auftakt der 44Cup-Serie im slowenischen Portorož ist es zu einem genialen Manöver gekommen, nachdem ein Crewmitglied über Bord gegangen war. Es wurde von einer Drohne aufgenommen.

Auf der RC44 Aleph ist ein Segler über Bord gegangen. Das Mann-über-Bord-Manöver wird eingeleitet. © DRONEProject

Es sieht mühelos, fast spielerisch aus, was Hugues Lepic da am Steuer macht. Der 55-jährige französische Inhaber der Investment-Firma Aleph befindet sich im 44Cup-Auftakt-Rennen gegen sieben Yachten, als auf einem Kreuzkurs ein Crewmitglied in der Folge eines Winschkurbel-Bruchs über Bord geht.

Er dreht seinen 44-Fuß Onedesign-Racer, der einmal von Russell Coutts erfunden wurde, in eine schnelle Halse, kommt hoch am Wind wieder aus dem Manöver und lässt den Mann im Wasser von seiner Crew bergen. Nachmachen ist für Normalo-Segler wohl schwierig. Der Speed beim leichten Aufschießer ist noch relativ hoch. Da werden ziemlich starke Arme benötigt, um den Mann aus dem Wasser zu wuchten.

Nun ist nicht zu erkennen, ob bei diesem geistesgegenwärtigen schnellen Schlenker Lepics erfahrener italienischer Profi-Taktiker Michele Ivaldi spontan in das Rad greift, aber wie auch immer, das Ergebnis ist beeindruckend. Im Manöver wird noch ein gegnerisches Boot zur Wende gezwungen und schließlich setzt das Aleph-Team kaum gebremst sein Rennen fort.

Am Ende des Tages gelingt dem Team noch ein Sieg und nach drei Rennen rangiert es sogar auf Platz zwei.

Zuletzt traf sich der kleine 44Cup-Rennzirkus im November 2019. Russell Coutts hatte das Schiff 2005 zusammen mit dem Designer Andrej Justin entworfen und zeitweise segelten die besten Skipper der Welt in dieser streng kontrollierten One-Design-Klasse. Die Initialen des Initiators RC wurden allerdings inzwischen aus dem Klassen-Namen gestrichen.

Die 44Cup-Flotte in Portoroz kurz vor der Luvtonne. © Martinez Studio

Enge Matches unter Gennaker. © Martinez Studio

Die Regeln sehen nun zwingend vor, dass die Eigner steuern und Profi-Crews die Arbeit an Bord erledigen. Immer noch sind einige der klingendsten Namen als Taktiker aktiv. Bezahlt wird die Show von den Eignern selbst. In Portorož sind der Slowene Igor Lah (Ceeref) und der Russe Vladimir Prosikhin (Nika) die Ausrichter.

P.S. Handelt es sich bei dem Manöver nun um eine Q- oder Kuh-Wende?  Der Unterschied wird hier beschrieben. Demnach wäre es wohl eine Kuh-Wende, weil am Anfang und Ende jeweils der Kreuzkurs anliegt. Bei der Q-Wende wird offenbar vorher und nachher raumschots gesegelt. Wie solch ein Manöver völlig in die Hose gehen kann, haben wir schon mal hier dokumentiert.

 

Die Teams beim 44Cup

ALEPH RACING (FRA17)
Owner: Hugues Lepic (FRA)
Tactician: Michele Ivaldi (ITA)

ARTEMIS RACING (SWE44)
Owner: Torbjorn Tornqvist (SWE)
Tactician: Andy Horton (USA)

ATOM TAVATUY (RUS 21)
Owner: Pavel Kuznetsov (RUS)
Tactician: Evgeny Neugodnikov (RUS)

CHARISMA (MON 69)
Owner: Nico Poons (NED)
Tactician: Hamish Pepper (NZL)

PENINSULA RACING (GBR 1)
Owner: John Bassadone (GBR)
Tactician: Ed Baird (USA)

TEAM AQUA (GBR 2041)
Owner: Chris Bake (NZL)
Tactician: Cameron Appleton (NZL)

TEAM CEEREF (SLO 11)
Owner: Igor Lah (SLO)
Tactician: Adrian Stead (GBR)

TEAM NIKA (RUS 10)
Owner: Vladimir Prosikhin (RUS)
Tactician: Manu Weiller (ESP)

Ergebnisse nach drei Rennen:

1.  Team Nika 1 3 4 – 8
2.  Aleph Racing 5 6 1 – 12
3.  Team CEEREF 6 1 5 – 12
4.  Peninsula Racing 2 8 3 – 13
5.  Atom Tavatuy 8 4 2 – 14
6.  Team Aqua 4 2 7 (2) – 15
7.  Artemis Racing 3 5 8 – 16
8.  Charisma 7 7 6 – 20

Event Website 44Cup

2021 Regattaplan:

19 – 23 May – 44Cup Portoroz, Slovenia
30 June – 4 July – 44Cup Marstrand, Sweden
11 – 15 August – 44Cup Cowes, UK
6 – 10 October – 44Cup Scarlino, Italy
17 – 21 November – 44Cup Calero Marinas, Puerto Calero, Lanzarote

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Mann über Bord Manöver: Segler eingesammelt mit einer Kuh-Wende – oder Q-Wende?“

  1. avatar Helm sagt:

    War ne Halse ….

    • avatar Harrie Jasses sagt:

      Wie das bei einer Kuh-Wende scheinbar so ist. Ich zumindest wusste das noch nicht und fand sowohl die verlinkte PDF Datei als auch den Artikel interessant.

  2. avatar Hark sagt:

    Eine Q wende geht anders top Reaktion !und an Zeit kaum zu unterbieten

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    • avatar Harrie Jasses sagt:

      Manchmal verstehe ich dieses Nörgeln hier wirklich nicht. In diesem Fall weiß ich nicht einmal was der Kommentator eigentlich sagen möchte..

  3. avatar Christoph sagt:

    Wer beim Segelschein aufgepasst hat weiß dass eine Q-Wende wegen der höheren Sicherheit der gestressten Crew eine Wende vollführt und keine Halse.

  4. avatar eku sagt:

    Die hier angesprochene Wende/Halse hat (siehe verlinkte Datei im Artikel) nichts mit dem zu tum was heute aktuell ist. Offensichtlich war das Manöver auf der Segelyacht aber abs richtig.
    Das mit der etwas seltsamen Art der Bezeichnung einer Wende kommt aus der Zeit der Rah-Segler.
    Es ist sicherlich plausibel, dass ein Rahsegler selbst mit großer Masse und Trägheit nur bedingt “durch den Wind” gehen kann. Da stehen die Rahsegel einfach irgendwann immer vierkant zum Wind,
    Deshalb sind die damals nicht durch den Wind gegangen, sondern sind abgefallen – gehalst – angeluft und waren auf dem anderen Bug. Kompliziert und braucht echt viel Raum. Nach allem was man lesen kann aber wohl die einzige Möglichkeit bei viel Wind.

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