Match Race: Das Ende des Multihull-Wahnsinns – Chinesen kaufen Duell-Weltmeisterschaft

Comeback der Segel-Duelle

Im Zuge der America’s Cup-Veränderungen vom Mono- zum Multihull erfolgte auch derselbe Wechsel auf der Match Race Tour. Nun drehen die Chinesen die Entwicklung wieder zurück.

Ainslie, Bruni, Bermuda

Prestigereichstes Match Race der Welt. Gold Cup Finale in der Bermuda Bucht. © onEdition

Die Match-Race-Disziplin war immer eng an den America’s Cup gebunden, die wichtigste Renn-Veranstaltung im Segelsport. Da der Cup im Duell-Modus ausgesegelt wird, gehörte es für die besten Segler des Planeten zu den wichtigsten Aufgaben, sich in diesem Format fortzubilden. Der Marktwert definierte sich über das Ranking in der Weltrangliste.

Aber das hat sich längst geändert, seit Larry Ellison im Besitz der Kanne war und Russel Coutts seine Vision von einer maximal publikumswirksamen Segelsport-Veranstaltung realisieren durfte. Sein Konzept beinhaltete Raumschots-Starts, um die frühen Vorentscheidungen beim Match Race zu verhindern. Oft ist ein klassisches Duell nach dem vierminütigen Taktieren und Manövrieren in der Vorstart-Box schon früh entschieden.

Diese Überlegungen waren nicht falsch. Und der America’s Cup in Bermuda gehört zu den spannendsten der Geschichte mit den meisten Überholmanövern nach dem Start. Doch die Zeichen stehen auf Neustart seit die Kiwis die Kanne zurückgeholt haben. Die Coutts-Änderungen sind weitgehend obsolet.

Spezielle Kunst des Vorstart-Duells

Es wird wieder mit Monohulls gegen den Wind gestartet – die zwar fliegen können, aber es wohl im Prestart nicht dürfen – und die spezielle Kunst des Vorstart-Duells bekommt wieder eine größere Bedeutung. Deshalb sitzt die alte Profi-Riege wieder fester im Sattel. American Eagle CEO und Taktiker Terry Hutchinson hat seinen alten Steuermann Dean Barker zurück geholt, Francesco Bruni und James Spithill sind wieder bei Luna Rossa vereint und Ben Ainslie gilt bei den Briten als Meister des Duells. Nur die Neuseeländer setzen bisher wohl wieder auf ihre Jungspunde Burling und Tuke, die wenig Erfahrung beim Kreiseln in der Startbox haben. Ob es eine Schwäche wird?

Besonders für sie mag sich eine interessante Entwicklung im internationalen Segelsport als Chance ergeben. Denn offenbar passt sich die World Match Racing Tour (WMRT) der neuen Entwicklung an. Die 2000 gestartete vom Welt-Seglerverband World Sailing unterstützte führende Rennserie im Duell-Segeln wird offenbar an die chinesische Firma CShine verkauft, die schon 2017 WMRT-Finale in Shenzhen organisiert hat.

World Match RAce Tour

Highspeed-Duell bei bis zu 25 Knoten Speed. © Dan Ljungsvik/WMRT

Dabei wurde noch mit den M32 Katamaranen gesegelt, mit denen das schwedische Unternehmen Aston Harald AB den Anschluss an den America’s Cup wieder herstellen wollte. Den Schweden gelang eine spektakuläre Saison 2016 als zahlreiche Profis vom spektakulären 1-Millionen-Dollar-Preisgeld für den Sieger angelockt wurden. Der Neuseeländer Phil Robertson und seine Crew sackten die Börse schließlich nach einem spannenden Starkwind-Finale in Marstrand ein.

Aber danach ging es eher schleppend weiter. Die Schere zum America’s Cup öffnete sich wieder, weil die AC50 Kats immer stabiler auf Tragflächen segelten. Dafür wurden von den Crews spezielle Fähigkeiten verlangt, die man auf den M32 Multis nicht lernt, und so traten auch die aktuellen America’s Cup-Stars nicht im WMRT-Zirkus auf. Ziel verfehlt.

Ainslie übt lieber das Foilen

In der Folge verlor die Multihull-World-Match-Race-Tour an Bedeutung. Ben Ainslie, der sich mit seinem Team auf den nächsten America’s Cup vorbereitet, setzt lieber auf die GC32 Tour, wo er das Tragflächen-segeln üben kann.  Luna Rossa und die Amerikaner segeln die TP52-Tour mit den großen Monohulls, die sich im Vergleich zu den aktuellen Foilern als Low Tech darstellen. Ziel ist es, beim Crewbuilding und der On-Board-Team-Kommunikation weiter zu kommen.

Die Schweden sind mit ihrer Vision, eine lukrative Match-Race-Liga mit den besten America’s Cup-Profis an den Start zu bringen, jedenfalls gescheitert. So versuchen nun die Chinesen ihr Glück, indem sie wieder zum alten Format der Monohull-Duelle zurückkehren. Offenbar wird nicht einmal die Saison 2018 zuende gesegelt wie geplant. Das November-Finale in China ist abgesagt. Möglicherweise wird kein WM-Titel vergeben.

Die Tour soll nun zu ihren Wurzeln zurückkehren. Wie früher sollen die Veranstalter von Duell-Regatten bei den Events jeweils eigene Flotten stellen. Ob das noch zeitgemäß ist, muss sich zeigen. Niemand weiß, wie viel Potenzial noch in der Match-Race-Disziplin steckt. In den vergangenen Jahren haben sich viele gute Segler davon abgewandt. Die Weltrangliste, die durch ein bewährtes System lange Zeit das einzige wirklich funktionierende internationale Ranking darstellte, verlor immer mehr an Bedeutung. Vielleicht auch, weil die Wertschätzung durch den America’s Cup fehlte. Das mag sich nun wieder ändern. Vielleicht haben die Chinesen dabei ein besseres Händchen als ihre Vorgänger.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Match Race: Das Ende des Multihull-Wahnsinns – Chinesen kaufen Duell-Weltmeisterschaft“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Interessante, gute Entwicklung. Zu Zeiten der nicht-foilenden Monos war das Matchracen interessanter, finde ich. Legenden wie Dennis Conner, Iain Murray, John Bertrand, Jochen Schümann, Chris Dickson, Ted Turner und wie sie alle hiessen waren da auf Augenhöhe auf ihren 12ern und mit der America’s Cup Class.

    Ob das nun mit Booten wie dem Experimental von Ainslie wieder so oder ähnlich wird, bleibt abzuwarten. Es wird sicher wieder taktischer, aber auch schneller und gefährlicher. Alles Attribute, die Zuschauerinteresse versprechen.

    Bin mal gespannt, ob es wieder Nächte vor dem Laptop geben wird……

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  2. avatar Bendix sagt:

    Spannende Entwicklung, interessanter Text.

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  3. avatar A-Cat sagt:

    Multihullwahnsinn???!!! Seriösität hat noch keinem geschadet. Wenn die Bleieimer so viel besser sind gibts doch keinen Grund für Minderwertigkeitskomplexe?

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