Mein verrücktestes Rennerlebnis: „Dampfnudelregatta“ mit dem 18 Footer am Otterstädter Altrhein

Kleiner Mann ganz groß

Stefan Gieser (9) an der 18-Footer-Pinne auf dem Otterstädter Altrhein. © Gieser

Rrrrratsch! Arghhh, dieses Geräusch ist hässlich und tut in den Ohren weh. Es stammt vom reißenden Gennaker, der  sich irgendwo oben im Rigg verhangen hat. Bootseigner Werner brüllt: „Mist! Vorsichtig runter mit dem Ding!!“ So schnell ich kann, stopfe ich das raschelnde Segeltuch in die Gennakertasche.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn auf einem 18-Footer hat das bunte Tuch 75 Quadratmeter, es ist selbst unter regulären Bedingungen schwer zu bändigen. Wenn dann noch der Wind von vorne weht und hinten am Großsegel die Latten 20 cm herausstechen, ist das Desaster vorprogrammiert.

Reizvolles Revier…für Naturfreunde

Nun gut, wir sind selber schuld. Es ist schon eine ausgesprochene Schnapsidee, mit einem 18- Footer an der „Dampfnudelregatta“ teilzunehmen. Denn diese herbstliche Absegelregatta wird auf dem Otterstädter Altrhein ausgetragen, einem Rheinnebenarm nahe Mannheim. Dieses Revier ist zwar reizvoll – aber eigentlich nur für Angler und andere Naturfreunde.

Über weite Strecken ist der von hohen Bäumen gesäumte Altrhein gerade mal 30 m breit. Nur bei der „Läwwerworschtinsel“, wie die Pfälzer das wurstförmige Eiland am südlichen Ende des Flussgebiets nennen, weitet sich das Gewässer auf maximal zweihundert Meter segelbare Breite aus. Weil der Wind die Insel umspült, weht der Wind bei der Umrundung erst achterlich, um dann plötzlich um 180 Grad umzuschlagen. Kein Wunder, dass da der Gennaker kollabiert.

Auch bei Flaute schnell unterwegs. 18-Footer im Dampfnudel-Yardstickrennen. © Gieser

Doch fangen wir ganz von vorne an, bei Werner aus Heidelberg, dem wohl verrücktesten Skiffsegler Deutschlands, über den nicht nur 18-Footer-Segler bändeweise Anekdoten zu erzählen wissen. Ob bei den 14-Footern oder den 29ern, er ist bekannt wie ein bunter Hund, als einer der Pioniere des  Skiffsegelns in Deutschland mit einem bemerkenswerten Ehrgeiz.

Werner hatte zeitweise einen gewissen Verschleiß an Vorschotern, was mir hin und wieder das Vergnügen einbrachte, als Crew aushelfen zu dürfen. Wo immer man mit Werner unterwegs ist, hat man viel Spaß und ganz sicher was zu erzählen. Deshalb willigte ich gern in das Unternehmen ein, die Dampfnudelregatta mitzusegeln. Eigentlich total sinnlos, denn daran nehmen nur Häuserlschiffe wie Variantas oder allenfalls 420er teil, und es gibt nicht einmal eine Yardstickverrechnung.

Die “Highlight” mit Canting Keel müssen wir schlagen

Aber in diesem Jahr ist die spektakuläre „Highlight“ dabei. Diese 9 m lange High-Tech-Yacht hat einen Canting-Kiel, einer der ersten in Deutschland, und gilt als Nonplusultra des Kielbootdesigns. Die „Highlight“ gehört ehemaligen Skiff-Segelfreunden von Werner, und deshalb ist klar: „Die müssen wir schlagen!“

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Christian Stock

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3 Kommentare zu „Mein verrücktestes Rennerlebnis: „Dampfnudelregatta“ mit dem 18 Footer am Otterstädter Altrhein“

  1. avatar Holger sagt:

    Die Story hätte aber in Lautschrift im Dialekt us Heidelbersch geschrieben sein müssen……..!!!

    Mittlerweile ist der kleine Stefan größer als Werner und hat als 29er Testpilot mit unseren 2 29ern
    jeden Abend bei der Opti IDJüM die heissen Opti Segler/innen auf der Strande Bucht zum breit vor Freude grinsen gebracht beim wieder anlanden nach dem segeln……Stefan hatte da jeden Abend gut zu tun Testsegelkandidaten

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  2. avatar tiefenrausch sagt:

    Superbericht! Mehr davon! Was ist dagegen schon ein Mastbruch beim VOC?
    Hier kämpfen die wahren Helden, selbst mit dem Hochdeutsch!
    Ahoi

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

  3. avatar Udo sagt:

    Besonders die kniffligen Reviere sind eine gute Schule fürs Regattasegeln. Auf dem Otterstädter Altrhein haben übrigens auch die 49er Bronzemedaillen-Gewinner von Peking 2008 Segeln gelernt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

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