Meister der Meister: Hamburger Heimteam Gurgel gewinnt knappes Finale

Rechts geht die Post ab

Max Gurgel gewinnt mit seinem Team die Meisterschaft der Meister vor den Crews um Philipp Buhl und Lars Bähr. Wir verpatzten das Halbfinale.

Meister der Meister

Die MdM Flotte auf der Alster. © Pepe Hartmann

Es gibt diese Tage, da zieht man sich nach dem Segeln in der Umkleidekabine um, und plötzlich rutschen vom Spintdach ein paar Großbäume und knallen gegen die Birne. Hallo?! Muss doch nicht sein. Ohnehin wallt gerade der Ärger hoch über die verpasste Chance bei der Meisterschaft der Meister.

Dieses verflixte Halbfinale. Neun Teams sind noch im Rennen, in Dreier-Rennen wird um den Finaleinzug der besten drei gesegelt. Nur der Sieger kommt weiter. Ersten von zwei Läufen gewonnen, jetzt müssen wir nur noch vor Lars Bähr und seinem Team, den H-Boot Meistern dieses Jahres bleiben. Ein schönes Match Race Szenario.

Aber der Berliner segelte selber schon in einer Match Race Meister Crew, wie auch Mitsegler Urs Wihlfahrt. Außerdem gehörte Bähr einmal zu den hoffnungsvollsten deutschen Tornado Talenten und ersegelt regelmäßig in der Platu Spitzenpositionen.

Gurgel

Die Gurgel Brüder Max (r.) und Karl (l.) mit Thorben Strube. © Pepe Hartmann

Nach einem schönen Kämpfchen vor dem Start liegen wir vielversprechend. Bähr muss wegwenden, aber wir können nicht folgen. Janika Puls, die Europe Meisterin mit 505er Weltmeister Leon Oehme blockiert geschickt unsere Wende, wir müssen nach links, links, links… und rechts geht die Post ab.

Herzschlag-Finale

Plötzlich liegen wir hinten. Auch noch an der letzten Luvtonne ganz knapp. Puls führt und wäre mit diesem Ergebnis weiter. Ein Herzschlag-Finale. Angriff mit einem Jibe-Set, Bähr geht mit. Fast rutschen wir drüber, die Bundesliga Steuerfrau vom Lübecker Yacht Club bleibt rechts am Steg ziemlich stehen.

Wir beiden anderen verbeißen uns in ein Halsen-Duell, ist Puls die lachende Dritte? 3/1 würde reichen. Sie schafft es nicht. Und wir auch nicht. Etwa zehn Zentimeter fehlen auf der Ziellinie. Die Bähr Truppe kommt mit 2/1 gegenüber unseren 1/2 Platzierungen weiter. Ein tolles, aufregendes, knappes Rennen.

Genauso verlaufen die anderen. Besonders die Gruppe A hat es in sich. Im zweiten Lauf scheinen alle drei Mitfavoriten Buhl, Schadewaldt und Hunger zu früh über der Linie zu sein. Die Einzelrückruf-Flagge wird gehisst. Hunger segelt spät zurück, bereinigt, soll es aber gar nicht gewesen sein. Auf dem Startschiff bleibt das weiße Fähnchen mit dem blauen Kreuz oben. Nun dreht auch Schadewaldt um. Offenbar ist er tatsächlich der Frühstarter. Sein Laser Kollege vorne bleibt unbehelligt und sichert sich den Platz im Finale.

Ein Handbreit an den Steg heran

Inzwischen hat sich der Steg am HSC wie gewohnt mit Zuschauern gefüllt auch wenn nur noch 22 Teams an die Alster gekommen sind im Gegensatz zu 31 im Vorjahr. Die Sonne scheint, und die J/70, mit denen erstmals die MdM gesegelt wird steuern teilweise bis auf eine Handbreite an den Steg heran.

Das Revier vor dem Atlantik Hotel zeigt wieder seine Einzigartigkeit bei der Präsentation von Segelsport. Hier soll auch das Bundesliga-Finale am kommenden Wochenende ausgesegelt werden.

Den ersten Lauf gewinnt das Gurgel Team. Nun ist das unübersichtliche Rennformat in den Triple Race Modus umgeschaltet. Nur das Siegerteam erhält jeweils einen Punkt. Wer zuerst zwei Punkte hat, gewinnt. Im zweiten Lauf kann also die Entscheidung fallen.

Plötzlich ein Pfiff

An der Luvtonne wird es eng. Der Wind ist plötzlich weg. Die Schiffe driften unter Gennaker. Gurgel und Buhl beharken sich, eine Lücke an der Tonne tut sich auf, Gurgel versucht sie zu schließen, kann aber nicht abfallen, weil er nicht mehr am Heck von Buhl vorbei kommt. Bähr sticht hinein, hat Platz halst sofort und hätte damit dieses Rennen im Sack. Aber ein Pfiff holt ihn in die Realität zurück. Penalty. “Das war schon ziemlich komisch”, ärgert sich Bähr.

Aber mit Platz drei ist er am Ende sehr zufrieden. Schließlich ging die Vorqualifikation etwas mühsam los, als das Team in Führung liegend an der Luvtonne hängen blieb. Erst der Weg über die Hoffnungsrunde ermöglichte eine zweite Chance.

Für das Heimteam vom HSC, das in dieser Saison zum wiederholten Male Seesegel-Meister (ORC 3 + 4) wurde, und vor einem Jahr bei der MdM auf Platz drei landete, ist der Titelgewinn eine besondere Genugtuung. Denn die Bundesliga Saison verlief holprig. Die Gurgels verpassten als Mitfavoriten knapp den Aufstieg in die erste Liga bei der April Relegation in Glücksburg und auch nach der Saison in der zweiten Liga konnten sie am Bodensee überraschend den direkten Aufstieg noch nicht klar machen.

Nun wollen sie die letzte Chance am 8./9.11. auf der Alster nutzen wenn auf dem Heimrevier an gleicher Stelle die Nummer 4./5./6. der zweiten Liga gegen 13./14./15. der ersten Liga um die drei verbliebenen Erstliga-Plätze segeln. “Dafür war das ein tolles Training”, sagt Gurgel.

Starke Lasersegler

Auch Philipp Buhl ist zufrieden mit Platz zwei, denn er musste kurzfristig auf die 49er Europameister Heil/Plößel unter anderem wegen Krankheit verzichten. Aber er schlug sich sehr gut auf dem ungewohnten Sportgerät mit den ex Laser-Seglern Michael Zittlau und Oltmann Thyen.

Beste Noten bekam auch die Laser Radial Europameisterin  Svenja Weger, die mit der Laser Kollegin Chiara Steinmüller und Luisa Schumann antrat. Es war sogar mehr drin als Platz fünf. Erst knapp vor der Ziellinie wurden die Frauen im Halbfinale vom Gurgel Team überholt.

Weger hatte alle Hoffnungsrunden mitgenommen und schließlich überlegen die letzte Chance beim Night Race genutzt. Dort war unter anderem Jörg Riechers nach zahlreichen Penalties auf der Strecke geblieben.

Respekt für ihre Klasse erarbeitete sich besonders die Familiencrew um Ixylon Meisterin Bärbel Claus, die in ihrem Hoffnungslauf Frank Schönfeldt und die zweifache 470er Weltmeisterin (93, 94) Ines Pingel (geb. Bohn) und jetzige Piraten Meisterin aus dem Wettbewerb kickte und 11. wurde von 21 Teams.

Außerdem machten die jungen 420er Brüder Studt Eindruck auf Rang 10 wie auch die FD-Meister Schäfers/König, die jeweils mit ihren Platzierungen das gute Niveau in ihren Klassen dokumentierten.

Ergebnis 35. YACHT Meisterschaft der Meister 2014

1. Max Gurgel/Karl Gurgel/Thorben Strube (IDM Seesegeln ORC 3 + 4)

2. Philipp Buhl/Michael Zittlau/Oltmann Thyen (Wild Card, WM-Vierter Laser)

3. Lars Bähr/Dino Grobe/Urs Wihlfahrt (IDM H-Boot)

4. Carsten Kemmling/Klaus Lahme/Klaas Höpcke (DM Deutsche Segel-Bundesliga)

5. Svenja Weger/Chiara Steinmüller/Luisa Schumann (EM Laser Radial)

6. Wolfgang Hunger/Julian Ramm/Oliver Lewin (IDM 505er)

7. Tobias Schadewaldt/Max Böhme/Justus Schmidt (DM Laser)

8. Kai Schäfers/Kilian König/Johannes Brack (IDM Flying Dutchman)

9. Janika Puls/Leon Oehme/Hanno Weimar (DM Europe W)

10. Tjorben Studt/Hjalte Studt/Alexander Jansen (DM 420er)

11. Bärbel Claus/Stefan Claus/Johanna Claus (IDM Ixylon)

12. Martin Menzner/Frank Lichte/Mika Rolfs (GO J/22 + J/80)

13. Ines Pingel/Thomas Heldt/Stefan Mädicke (IDM Pirat)

14. Jörg Riechers/Henning Sohn/Florian Weser (WC Night Cup)

15. Frank Schönfeldt/Till Krüger/Matthias Grüning (DM Conger/Varianta)

16. Pauline Liebig/Daniel Schrodin/Dirk Leutheuser (EM Laser Radial W)

17. Jens Hannemann/Jens Göritz/Tom Schönfeld (IDM Hobie 16)

18. Arnd Fingerhut/Julian Stricker/Peter Zoernack (IDM Dyas)

19. Finn Heeg/Stefan Rumpf/Jan Woortmann (IDM Nacra 17)

20. Thomas Grote/Kai Wolfram/Alexander Gentsch (IDM 15qm JK)

21. Hubert Merkelbach/Markus Koy/Claas Lehmann (EM Starboot)

22. Jasper Steffens/Tom Lennart/Linov Scheel (DM 29er)

Ergebnisse der Vorrunde am Samstag

Finalergebnisse vom Sonntag

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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