Melges 32 WM: Champagner-Segeln vor Sardinien – Deutsche Liga-Segler gegen Italo-Profis

Schnelle "Amateure"

Die Melges 32 Klasse rückt immer mehr in den Fokus deutscher Segler, seit Christian Schwörer vom Bodensee im vergangenen Jahr die italienischen Profi-Teams bei der WM besiegte. Nun zeigen zwei Teams mit Liga-Hintergrund bei der aktuellen WM, dass sie bei den Großen mitspielen können.

Jan Jasper Wagner war der dominierende Steuermann der vergangenen Segel-Bundesliga-Saison. Dreimal trat er an, dreimal gewann er, und der Verein Seglerhaus am Wannsee wurde erstmals Deutscher Meister. Wagner hatte nach 14 Jahren im 470er und zweieinhalb Olympia-Kampagnen, bei denen er zweimal nur knapp scheiterte (Platz 9 WM 2013), Mitte 2018 die Olympia-Karriere beendet– und  sich auf die Liga konzentrierte. Nun ist er noch einen Schritt weiter gegangen. Er mischt als Steuermann von “Homanit” die Melges 32-Klasse auf. Nach drei Rennen am ersten WM-Tag liegt das Amateur-Team auf Platz zwei (Ergebnisse). Bei der Vorregatta verpasste es auf Rang vier knapp das Podium.

Mit an Bord sind einige der besten Liga-Segler. Maximilian Stein vom Yacht-Club Langenargen, der vor zehn Jahren als Laser 4.7 Europameister sein Talent bewies und inzwischen als Segel-Coach auch international arbeitet, hält die Fäden bei dem Melges 32-Projekt zusammen. Gordon Nickel, langjähriger Liga-Steuermann für die SKWB und in dieser Saison für den FSC, trimmt das Großsegel. Maximilian Hiebler, langjähriger Liga-Erfolgs-Taktiker für den Bayrischen Yacht-Club und Champions-League-Qualifier-Sieger in St. Petersburg 2019, gibt den Weg vor. Insgesamt neun Segler gehören zur Crew. Darunter ein Holländer, ein Österreicher und ein Italiener.

“Homanit” mit Jan Jasper Wagner am Steuer nach dem WM-Auftakt auf Rang zwei. © MWL

Das Team startet bei der WM als eines von nur dreien in der Amateur-Wertung. Ein zweites steuert der Hamburger Max Augustin, der ebenfalls viel Know How in der Liga gesammelt hat für den Blankeneser Segel-Club und den Mühlenberger Segel-Club. Die Crew seiner “Heat” wird unter anderem von den Heitzig-Brüdern komplettiert, die regelmäßig für den NRV Liga segeln, wie auch Julian Stückl zweifacher Deutscher Liga-Meister mit dem Deutschen Touring Yacht-Club.

Die Hamburger “Heat” von Max Augustin beim Gennaker-Glitsch© MWL/Diemer

Die “Heat”-Crew besteht aber schon länger und war mit ihrer Farr 30 2018 schon deutscher Seesegel-Meister und 2019 Vize bei der ORC-EM. Mit dem Einstieg in die von Profis dominierte Melges32-Klasse erfährt ihr Projekt ein ambitioniertes Upgrade.

Schon jetzt zeigen die Bilder aus Sardininen, dass es sich zu lohnen scheint. Zusammen genießen die deutschen Newcomer gerade einige der besten Segeltage ihres Lebens. Die Melges 32 Flotte ist zwar nicht mehr ganz das, was sie mal war, als 2009 der erste WM-Titel unter 29 Booten ausgesegelt wurde und neben den Italienern auch die Amerikaner das Spielfeld dominierten. Aber unter den aktuell 12 WM-Crews sind immer noch starke Profi-Teams vertreten.

Die WM-Flotte der Melges 32 vor Sardinien. © MWL

Allen voran das von Titelverteidiger Christian Schwörer, der seit Jahren auf “La Pericolosa” ein schlagkräftiges italienisches Team um die beiden Briten Nic Asher und Elliot Willis – ehemals zwei der weltbesten 470er-Segler – zusammengeschweißt hat. Schwörer zeigte mit dem Sieg bei der Vorregatta (Ergebnis) in Villasimius bei Cagliari auf Sardinien, dass er nichts verlernt hat. Der Start in die WM-Serie mit 8/11/3 ist aber noch ausbaufähig.

Die Weltmeister um Christian Schwörer vor Sardinien:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *