Miami World Cup: Gold für Heil/Plößel – Vier deutsche Boote im Finale

Das 49er-Wunder

Vier deutsche Teams einer Nation in einem World Cup Finale, das gab es noch nie. Die deutschen 49er sind eine Macht. Heil/Plößel machten den Sack zu. Warum sie so stark sind.

Am Anfang musste man die Aussagen von Erik Heil und Thomas Plößel zur Harmonie bei der neuen offenen, sich gegenseitig befruchtenden Trainingspartnerschaft mit Justus Schmidt und Max Böhme für gängige Phrasen halten. Geschickt gestreut, weil Medien so etwas hören wollen. Schließlich gibt es so etwas im Segeln nicht. Nur eine Crew qualifiziert sich pro Nation für Olympia. Schön blöd, wer den Gegnern seine Tricks verrät.

Erik Heil und Thomas Plößel

Erik Heil und Thomas Plößel melden sich zurück an der Spitze. © Pedro Martinez/Sailing Energy

In Deutschland und auch überall anderswo hackt man normalerweise aufeinander rum, je näher die Olympiaqualifikation kommt. Man sucht sich lieber internationale Trainingspartner, protestiert gegeneinander, verklagt sich sogar oder den Seglerverband.

Aber die beiden 49er-Duos haben selbst die aufreibende Zeit der Qualifikation als Freunde überstanden. Sie sind noch enger zusammen gerückt. Starke Ergebnisse lieferten die Glaubwürdigkeit zur Harmonie-These. Freundschaft und Offenheit macht schnell. Heil/Plößel gewannen Olympia-Bronze und Schmidt/Böhme 2015 den EM-Titel. Im vergangenen Winter wohnten und studierten sie zusammen, oder tauschten sogar die Vorschoter.

Korpsgeist im 49er-Team

Sie rutschten während der selbst auferlegten Pause in der Weltrangliste auf die Plätze 28 (Schmidt) und 39 (Heil). Nun sind sie wieder da. Beide Teams schafften es auf Anhieb ins Medalrace und Heil/Plößel gewannen schließlich überlegen. Was viel wichtiger ist: Der Korpsgeist hat sich offenbar auf die Nachrücker übertragen.

Fischer/Graf, die überraschenden WM-Dritten des Vorjahres gewannen das Medalrace, Meggendorfer/Spranger stießen mit Rang vier als Weltranglisten-26. erstmals in die Weltspitze vor, und auch Carstensen/Frigge (18.) zeigten sich zeitweise weit vorne.

Erik Heil und Thomas Plößel übernahmen erst ab der Mitte der Regatta das Kommando. Drei mutige Startkreuzen über die extreme rechte Seite mit zwei Steuerbord-Starts führten zu Rennsiegen und einem soliden Vorsprung vor dem Medalrace. Bei einem Sieg der Briten Fletcher/Bithell, Weltmeister 2017, hätte ihnen Platz sechs ausgereicht. Silber war schon sicher.

Eine gute Vorgabe, um das ungewohnte Match Race im Medalrace zu üben. Solche Gelegenheiten sind selten und im Training ohne echten Druck schwer zu simulieren. Im 49er sind Duelle ohnehin schwer zu initiieren. Die Beschleunigung der Skiffs ist größer als bei anderen Boote und der Abdeckungskegel bei hohem Speed kleiner.

Match Race mit den Briten

Heil/Plößel suchen dennoch den engen Kontakt. Sie rutschen ins Lee des erfahrenen britischen Steuermanns, der schon 12 Jahre im 49er segelt, drehen dann ab und versuchen nach einer großen Schleife noch einmal im zweiten Anlauf einen Penalty zu erwirken. “Das hat nicht geklappt, aber wir kamen doch noch ganz gut weg”, sagt Erik Heil nach dem Rennen.

Die Deutschen müssen ohne Fahrt wenden, und starten als letztes Boot. Aber offenbar üben sie so viel Druck aus, dass sie die Briten in einen Frühstart zwingen. Sogar fünf Boote starten zu früh, und nur Fletcher/Bithill segeln hinter die Linie zurück. Die übrigen vier Boote werden disqualifiziert, darunter Schmidt/Böhme. So haben Heil/Plößel Gold schon sicher. Schlechter als Sechste können sie in dem Rennen nicht mehr werden.

Damit haben sich die Rio-Bronze-Gewinner nach ihrer Pause eindrucksvoll in der Klasse zurückgemeldet. Die Überflieger Burling/Tuke, zwei weitere starke Kiwi-Teams wie auch eine polnisches Spitzencrew waren zwar nicht am Start, aber es war wertvoll, sich im für die Skiffsegler neuen Format mit vielen Booten an einem Start statt der bisher üblichen Kurzrennen mit 25 Booten zu behaupten.

Die Kiwis dominierten bei ihrem parallel ausgetragenen 49er-Comeback in der Heimat zwar wie üblich die einheimische Konkurrenz, aber wenn sie dann mal international im großen Feld starten, dürfte das auch für sie eine Umstellung bedeuten.

49er FX Absturz

Es gab einmal eine Zeit, da waren auch die deutschen 49er Frauen breit aufgestellt. Gleich fünf Teams bewarben sich um den Olympiaplatz in Rio als schließlich Victoria Jurczok und Anika Lorenz das Ticket lösten. In Miami waren jetzt nur noch die Olympionikinnen am Start – Lutz/Beucke ließen den Weltcup aus, die übrigen Frauencrews haben ihre Karrieren beendet.

Jurczok Lorenz zeigten in Miami, dass auch sie im Winter durchaus effektiv trainiert haben, und segelten lange Zeit um die Medaillenplätze. Aber zwei Frühstarts hintereinander zeigen, wie brutal das neue Format ist. Bei nur einem Streicher und der vollen Punktzahl von 36 fielen die Berlinerinnen weit zurück. Danach folgten noch zwei schlechte Plätze und in Nullkommanix fielen sie von Rang drei auf 18 zurück. „Wir hatten bis zum Schlusstag Medaillen-Potenzial, dann aber waren wir zu langsam und auch auf der falschen Seite“, erklärte Steuerfrau Vicky Jurczok.

Ergebnisse 49er

Ergebnisse 49er FX

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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