Mini-Fastnet: Zweihand auf Mini 6.50 zum legendären Felsen – Rang 11 für Deubel/Bogacki

Reine Nervensache

Ziemlich nervenaufreibend. So könnte man die Bedingungen beim Mini-Klassiker von Douarnenez zum Fastnet-Rock vor Irland bezeichnen. Meist schwache, drehende Winde, komplizierte Strömungen. Ein Regattabericht

Andreas Deubel ist früh dran. Denn eigentlich will der 37-jährige Hamburger erst 2017 bei der Mini-Transat  teilnehmen. Aber seine Qualifikationsregatten hat er schon jetzt „in der Tasche“ – nächstes Jahr dann noch die 1.000 Seemeilen nonstop solo auf dem Atlantik, und alle Quali-Hürden wären genommen.

Seine vorerst letzte Regatta auf dem Atlantik war das Mini-Fastnet, ein mittlerweile legendärer Kurs vom französischen Douarnenez (wo auch die Mini-Transat startet) durch den Ärmelkanal zur Englischen Südwestspitze Wolf Rock, von dort durch die Irische See zum berühmt-berüchtigten Fastnet-Felsen und wieder zurück nach Douarnenez.

Für viele diesjährige Mini-Transat-Teilnehmer ist die Mini-Fastnet eine der letzten Möglichkeiten, zu den notwendigen Regatta-Qualifikationsseemeilen zu kommen und den „Stand der Dinge“ im Konkurrenzumfeld zu überprüfen. Entsprechend stark besetzt war das Feld – bei den Protos wie auch in Deubels Klasse, den Serienbooten.

Für die Zweihand-Regatta holte sich Deubel den 505-Spitzensegler Morten Bogacki auf seine „Nacira“, der die Mini Fastnet gemeinsam mit seinem Vater bereits im letzten Jahr im Mittelfeld beendete.

Fastnet Rock, Mini Fastnet,

Das isser, der Felsen der Begierden: Stundenlanges Aufkreuzen für einen Turm im Nebel © deubel

Das war doch nicht nötig!

Kann man sich einen schöneren Beginn einer Regatta vorstellen? Andreas und Morten beendeten den Prolog mal eben schnell als Zweite! Gut, der Fehlstart hätte nicht sein müssen, aber eigentlich lagen ja beim Schuss noch viele andere ebenfalls hinter der Linie. Also wurde weiter gesegelt, es geht ja um nichts bei diesen Aufwärmveranstaltungen einen Tag vor dem Start zur echten Regatta. Doch Selbstvertrauen gibt das, und zwar reichlich. Boot schnell, Crew voll auf der Höhe… das muss ja was werden!

Entsprechend enttäuscht war man an Bord der „819“, als man nach einem „gar nicht mal so schlechten Start“ erstmal von zwei Protos in Luv und Lee in die Mangel genommen wurde. „Wir mussten weg, nach rechts rüber“ beschreibt Deubel. Aber so schlecht war das gar nicht. Die rechte Seite schien deutlich bevorteilt. Der Wind legte auf 22 Knoten zu, unter einem Reff wurde eine rustikale Kreuz entlang der Küste gesegelt. Schade nur: „Wir waren doch nicht so weit vorne, wie wir das eigentlich geplant hatten,“ beschreibt Deubel später. „Aber der Abstand war gering – das wird schon!“

Erste knifflige Passage: Der „Chenal du Four“. In die Enge kreuzten sie bei Einbruch der ersten Nacht, das Feld hatte sich wieder ein wenig zusammengeschoben. Da Plotter und Charts bei den Minis nicht erlaubt sind, wurde mit Karte „auf Tiefenlinie“ gefahren. „Ab fünf Meter Wassertiefe macht es dann ziemlich viel Sinn, zu wenden,“ beschreibt Deubel die Situation trocken. „Und plötzlich schaut dann mittendrin noch ein Stein aus dem Wasser – man sollte also schon ziemlich genau auf die Karte gucken!“

Die Abstände werden größer

Nach der Chenal-Passage setzten sich die Favoriten zum ersten Mal deutlich von den „anderen“ ab – zu denen nun auch die „819“ der Deutschen zählte. „Die Spitze des Feldes segelte bei immer schwächeren Winden nochmals deutlich unter Land, bevor sie nach links abbogen, um den Ärmelkanal zu queren. Mit einer weit ausholenden „Banane“ holten sie mehr Speed aus ihrem Boot, als alle, die weiter innen kreuzten.“

Mit einem Anlieger am Wind über 80 Seemeilen, das wird auf den kleinen, eigentlich auf Reachkurse ausgelegten 6,50-Meter-Pötten schnell zur Nervensache. „Irgendwann hatten wir keine Ahnung mehr, ob wir eigentlich schnell oder langsam unterwegs waren. Mal zog der eine an, und der andere fiel zurück. Dann wieder umgekehrt.“

Überhaupt wurde deutlich, dass auch innerhalb der Serienklasse klare Präferenzen der einzelnen Marken auszumachen sind. „Unsere Nacira ist etwas breiter ausgelegt als etwa die Pogo 2. So mussten wir unser Boot am Wind immer etwas mehr krängen, als die anderen. Das heißt auch: alles Gewicht richtig platzieren, Wasserkanister nach vorne und so weiter. Es gab viel zu tun.“

Fastnet Rock, Mini 6.50

Andreas Deubel vor Fastnet – freut sich schon auf tagelange Reachkurse Richtung Frankreich… © deubel

Eingeparkt und rumgedümpelt

Und dann kam die Flaute, direkt vor dem Wolf Rock, vor der südwestlichen Landspitze Englands. „Wir parkten abends um neun Uhr ein. Drei vier Stunden Öl. Interessanterweise haben wir da mit unseren schnellen Leichtwind-Nacira wieder drei Meilen auf die anderen aufgeholt. Ausgleichende Gerechtigkeit nennt man sowas!“ Jeder kleine Windstrich wurde ausgenutzt: „Die meisten segelten mit Code 5 oder Code 0, aber wir sind einfach mal mit der Genua ein Stück höher gefahren und haben den Code 0 wieder ausgerollt, sind mit Speed tiefer runter gefahren… und haben dann von vorne damit begonnen!“

Dabei nahmen sich die beiden noch die Zeit, über Funk ein Geburtstagsständchen für den deutschen Kollegen Björn Freels zu singen. Der Mini-Transat-Teilnehmer von 2011 war auf der Pogo 2 „732“ von Chris Lückermann dabei.

Fastnet Rock, Mini 6.50

Routing © deubel

„Die schwimmen nur bei uns!“

Es folgten schwierige Passagen in unmittelbarer Nähe des Verkehrstrennungsgebietes, für 25 Seemeilen brauchten die Minis sechs bis sieben Stunden bei weiterhin flauen Winden. „Code 0, Code 5 oder Medium Spi, also die etwas radialer geschnittenen Segel waren angesagt. Aber wir hätten schon gerne etwas mehr Druck in der Luft gehabt!”

Worauf ein Erlebnis folgte, das der Seemann gemeinhin als den einzig wahren „Glücksbringer“ auf den Meeren bezeichnet: Die Begegnung mit einer großen Delphinschule. „Wir hatten wirklich das Gefühl, als würden die Meeressäuger nur mit uns schwimmen, uns ganz persönliches Glück wünschen!“ erinnert sich Deubel. Was sich übrigens zunächst auch bewahrheiten sollte. „Wir holten in den darauf folgenden Stunden wunderbar auf, brachten uns wieder näher an die Spitzengruppe heran, kassierten auch Dominik Lenk und Nina Rixgens auf ihrem Proto 342.“

Fastnet Rock, Mini 6.50

Delfine begleiten den Mini 6.50 Richtung Irland © deubel

Irgendwas wussten die anderen besser

Alles in Butter also? „Unser Glücksgefühl, wieder im vorderen Geschehen zu sein, bekam dann nach ein paar Stunden aber gleich wieder einen Dämpfer: irgendwas haben die Top-Leute besser gewusst als wir, jedenfalls segelten die ersten zwölf Boote extrem tief unter Land , bekamen kurz darauf beim Linksabbieger Richtung Irland den richtigen Strom ab und die entscheidenden kleinen Winddrücker, während wir anderen, die sich eher links hielten, erneut in einer Flaute festsaßen!“ 20 Seemeilen Vorsprung in ein paar Stunden machte der simple Umstand aus, dass die Spitze des Feldes schlicht in einem anderen Wettersystem segelte.

Nach weiteren 150 Seemeilen war die Differenz zwischen den ersten Serien-Minis, die Fastnet vor Irland rundeten und der „819“ bereits auf vier Stunden angewachsen. Doch es sollte noch schlimmer kommen: „Als die Führenden gegen 14 Uhr den Fastnet-Rock umrundeten, konnten sie mit 11-12 Knoten Bootsgeschwindigkeit straigt on Richtung Frankreich fahren. Auf einem schönen Reacher mit Medium Spi bei 22-25 Knoten Wind… es muss traumhaft gewesen sein!“

Pro Stunde fuhr die Spitzengruppe 5-6 Knoten schneller, während Deubel und Bogacki im Mittelfeld mit 5 Knoten Spitzengeschwindigkeit noch gegen Strom und Wind ankreuzen mussten. „Sechs Stunden für 15 Seemeilen bei 22-27 Knoten Windstärke, eine wilde Kreuzerei. Bekloppte Wendewinkel von 120 Grad, weil dich der Strom immer wieder wegtreibt und du denkst, du kommst nie an!“

Fastnet Rock, Mini 6.50

Schnelles Schiff: Deubels Nacira Mini wurde bei der letzten Transat drittes Serienboot mit Simon Koster © martinez/deubel

60 Seemeilen Rückstand!

Irgendwann war der legendäre Felsen dann doch gerundet. „Alles lag im Nebel, wir haben kaum was gesehen. Aber wir freuten uns sowieso nur noch auf den Rückweg“. Also hoch den Medium Spi und losgebrettert, den Führenden hinterher. 11-12 Knoten Speed, alles schien perfekt – doch schon 15 Minuten später war der Spaß vorbei: Der Wind flaute abermals auf unter 10 Knoten ab, es war zum Haareraufen. Die Spitze der Serien-Minis, auch ein Nacira, immer noch im Glitsch unterwegs, hatte da schon einen Vorsprung von 60 Seemeilen herausgefahren!

Für Deubel und Bogacki folgten 250 Seemeilen kreuzen vor dem Wind, da der Wind platt von hinten, aus Nordwesten kam und zudem immer schwächer wurde.

Die Querung des Ärmelkanals war dabei erneut kein Problem. Andreas Deubel: „Wer auf der Elbe segeln lernte, den schockt der Verkehr hier überhaupt nicht. Wir mussten ja kein einziges Mal einen Tanker anfunken, wenn wir bei Flaute nur schleppend voran kamen!“

Fastnet Rock, Mini 6.50

505er-Champ und Mini-Enthusiast Morten Bogacki war Co-Skipper auf Deubels “Nacira” © deubel

Zwei Tage brauchte die beiden zurück nach Douarnenez. Einen Tag und eine Nacht lang fuhren sie bei 150 Grad Windeinfallwinkel, Rüssel leicht nach Luv, Groß relativ weit offen, bei leicht „fliegendem“ Spi, etwa gleich schnell wie Etienne Bertrand mit seinem neuen Proto-Plattbug „894“. Bis der dann in einem spitzeren Winkel bis zum Ziel schlappe zwei Stunden Vorsprung rausholte.

Die letzten 15 Seemeilen rutschten sie in zwei Stunden mit einem Speed von bis zu 12 Knoten ab, bis sie schließlich nach 5:07:30 Tagen als 11. Serien-Mini ins Ziel kamen. Wo sie eine kleine, große Geste der Mini-Gemeinde erwartete: Wohl wissend, dass man nach so einem Törn auf alles Lust hat, bloß nicht auf Segelrollen und Bootklarieren, hüpften gleich nach Ankunft drei Ministen an Bord, drückten Morten und Andreas Bier und Wein in die Hand und schickten sie zum Barbecue. „Wir kümmern uns um Euer Boot“. Kann man als Mini-Fastnet-Finisher mehr erwarten?

Nachtrag:

Dominik Lenk und Nina Rixgens mussten kurz vor Fastnet Rock abdrehen, weil ihr Steuerbord-Ruder brach.

Chris Lückermann und Björn Freels kamen nach 5:14:28 Tagen ins Ziel.

Simon Koster gab auf seinem nagelneuen “Frosch-Proto” nach 2,5 Stunden wegen eines gebrochenen Kielbolzens auf

Website Andreas Deubel

Tracker Mini Fastnethttp://yb.tl/minifastnet2015

Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *