Mini Transat 6.50 Rückblick: Björn Freels über Bruch, Biskaya, Bier und Blitze

"Das Ankommen - ein unbeschreiblicher Moment"

Vielen anderen brach ein Ruder einfach weg. Wir hatten teilweise extrem kabbeligen Seegang, und wenn eine große Welle die Ruder seitlich trifft, treten da enorme Kräfte auf.

Ich hätte später dann auch  beinahe Ruder-Probleme bekommen. Mit viel Glück habe ich mitten auf dem Atlantik entdeckt, dass der Sicherungssplint an einem Ruder abgebrochen war und sich einer der Befestigungsbolzen  nach oben gearbeit hatte . Er war kurz davor sich zu lösen. Dann wäre mein Backbordruder wohl aufgrund der Hebelkräfte aus dem Heck gebrochen.

Über sonstige Schäden:

Am 2.Tag der zweiten Etappe habe ich gleich im Morgengrauen den Spi ums Vorstag gewickelt – das zweite Mal in meinem Leben! Ich musste aufs Vordeck, der Spibaum tauchte dann irgendwann ins Wasser und brach.

Einen Tag später zerriss mir einer der Spinnaker, irreparabel.  Da ist mir klar geworden, dass ich eigentlich ziemlich blauäugig in diese zweite Etappe gegangen  bin und fing an, regelmäßig alles zu checken.

Immer wieder entdeckt man Schäkel, die bei der Dauerbelastung verbogen oder  aufgegangen sind. Mein Windmesser hing am Ende zur Seite weg und zeigte falsche Werte an , weil sich eine Mutter auf der Stützplatte einfach komplett gelöst hatte– oder man findet eben abgebrochene Sicherungssplinte. Alles in allem hatte ich reichlich Glück, dass bei dieser dauernden Belastung nicht mehr zu Bruch ging!

Über Einsamkeit:

Von meinem 1000-Meilen-Qualifier wusste ich, dass man da draußen sehr alleine sein kann.  Auf der zweiten Etappe habe ich sehr schnell Sicht- und Funkkontakt zu den anderen Minis verloren.  Auf offener See sieht man einen Mini höchstens auf eine Entfernung von 2-3 sm.

Während der ersten 3-4 Tage hatte ich noch Funkkontakt zu den Begleitbooten und anderen Minis. Vor den Kapverden hörte ich zum letzten Mal einen Mitsegler über Funk. Danach war da nichts mehr außer ein paar kurzen Gesprächen mit Frachtschiffen und zwei, drei Positionsreports an die Begleitschiffe. Das war vor allem gegen Ende der Reise hart.

Über Grenzen:

Auf dem Ozean gibt es Momente, in denen man sich sehr sehr klein fühlt. Das ganze Spektrum der  Natur und vor allem der Naturgewalt wird einem aufgezeigt – von nervenaufreibenden Flauten bis zu  furchteinflößenden Sturmböen.

Ich war ein paar Mal völlig fertig mit den Nerven, vor allem in den Doldrums: Schlagende Segel in der Flaute  und dann wieder  innerhalb kurzer Zeit  Wolkentürme mit Squalls bis 45 Knoten. Da musste ich  manchmal einen Urschrei loslassen um etwas Spannung abzubauen.

Ein Kommentar „Mini Transat 6.50 Rückblick: Björn Freels über Bruch, Biskaya, Bier und Blitze“

  1. avatar hanseatic sagt:

    Da hatte einer einen Traum – hat ihn unter harten Bedingungen wahr werden lassen und dabei noch eine großartige Leistung abgeliefert – und das ganz ohne eine einzige Nürnberger Rostbratwurst an Bord 😉 ! Chapeau Björn! Buch folgt hoffentlich!!!? Wie sollen die Oberfranken denn sonst mal einen Blick über den Rand des Baggersees hinaus werfen können… 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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