Mini-Transat: 6 neue deutsche Initiativen – Lennart Burke (21) segelt für Vorpommern

Youngster wollen über den Teich

Schwesterherz tauft Lennarts Boot © burke

Nach der Mini-Transat ist vor der Mini-Transat: Neue, vielversprechende Projekte, jetzt auch aus der deutschen Mini-Szene.

Die Mini-Transat-Klasse entwickelt sich auch in deutschen Landen immer mehr zum ultimativen Ziel von Hochseeseglern. Bei der vergangenen insgesamt 4000 Meilen langen Langstrecke bezwang zwar nur Morten Bogacki den großen Teich im kleinen Boot, aber er scheint mehr und mehr deutsche Segler zu inspirieren. 

Insbesondere der hohe Anteil sehr junger Segler ist überraschend. Sie machen es der 18-jährigen Violette Dorange nach, die erst im Opti den Ärmelkanal bezwang und 2019 bei ihrer Mini-Premiere einen höchst ehrbaren Rang 16 in der Serienwertung schaffte.

So segelte um Weihnachten 2019 der erst 17-jährige Melwin Fink seine 1.000 Solo-Nonstop-Qualifikationsmeilen auf einer Pogo 3 bravourös von Gran Canaria bis Madeira und zurück. Kurz zuvor hatte Fink sein Boot von Hendrik Witzmann erworben, der nach der ersten Etappe (eben zu den Kanaren) die Transat-Teilnahme 2019 vor dem großen Sprung über den Atlantik wegen einer Verletzung im Knie aufgeben musste. 

Rixgens will vorne mitsegeln

Auch Lina Rixgens zählt mit ihren 26 Jahren zu den jungen Seglerinnen, auch wenn sie bereits zum zweiten Mal bei der Mini-Transat teilnehmen wird. Ihr neues Projekt beinhaltet einen nagelneue Plattbug-Serienmini (Wevo-Werft). Sponsor-spezifisch sehr gut aufgestellt, will Lina bei der nächsten Mini-Transat richtig was „reißen“. Alle Fans dürfen jetzt schon auf die ersten Quali-Regatten von Lina gegen die internationale Konkurrenz gespannt sein. 

Marc Siewert (22), der ehemalige Jugend-Trainer vom Hamburger Segel-Club, hat sich gerade auch dazu bekann, es 2021 wissen zu wollen. Dabei segelt er schon seit 2019 seinen Proto Mini 614 und hat mit 1390 Regatta-Meilen schon nahezu die gesamte Race-Qualifikation für das Mini Transat 2021 absolviert. Aber erst zu Beginn des Jahres 2020 verkündete er offiziell, den großen Schlag wagen zu wollen.

Oliver Korte ist mit 38 Jahren schon fast der Oldie der deutschen Mini-Flotte. Er skippert seit dem vergangenen Jahr einen neuen Vector-Plattbug und will 2020 die Quali-Meilen für den Atlantik sammeln.

Michael Liebl vor seinem Mini am Starnberger See. © Dr. Volker Göbner

Längst noch nicht so weit ist Michael Liebl, Teammanager der Segel-Bundesligamannschaft vom Münchner Yacht-Club, der selber 2009 den Deutschen Meister-Titel im H-Boot gewann. Der 55-jährige Unternehmer hat beim MYC aber schon seinen neu erworbenen Mini 6.50 vorgestellt, mit dem er 2023 das große Abenteuer starten will.

Segelmeilen „wie ein Salzbuckel“

Die größte Aufmerksamkeit generiert aber gerade der erst 21 Jahre alte Lennart Burke, der bereits reichlich Ozeanmeilen im Kielwasser hat. 2018 – 2019 erfüllte er sich einen Kindheitstraum und segelte mit einem Freund  auf einer IW 31„einfach mal um den Atlantik“ – wie er auch das Projekt nannte. 2019 schaffte er es, bei seiner ersten Offshore Regatta (SummerHeat Double) gleich auf Rang 1 und beim Silverrudder wurde er Dritter. 

21 Jahre jung: Lennart Burke © burke

Seine seglerischen Sporen verdiente sich Burke auf der Melges 24, wo er als Teammanager und Steuermann des „Laika Segelkombinats“ seit 2014 für Aufmerksamkeit sorgte. 2017 startete die Crew bei der WM in Helsinki, 2018 war sie bei der Europameisterschaft in Italien dabei. 

Erster Versuch fiel ins Wasser

Anfang 2019 wurde dann Burkes erster Mini-Coup bekannt gegeben. Bei einem Bewerbungsverfahren, das vom Trans Ocean Verein ausgeschrieben und durchgeführt wurde, setzte er sich gegen alle Konkurrenten für den Platz auf einem nagelneuen Vector Plattbug Mini durch, den der Trans Ocean Verein für die Mini-Transat 2021 zur Verfügung stellte. Das mit reichlich Presserummel inszeniert Image-Projekt (u.a. Schirmherrschaft Boris Herrmann) scheiterte jedoch, da dem TO nach aufwändigen Reparatur- und Instandsetzungsausgaben am Vector das Geld ausging. 

Eigentlich sollte es ja ein Plattbug sein, mit dem Lennart ursprünglich bei der Mini-Transat teilnehmen wollte © fahl

Eigentlich dachte man damals bedauernd in der Mini-Szene, dass dies wohl das Ende der Mini-Fahnenstange für den jungen Lennart Burke sein dürfte. Denn erfahrungsgemäß verhalten sich deutsche Sponsoren eher schüchtern, wenn es um die Unterstützung von Hochseeregatta-Projekten geht. Die zudem noch nicht einmal in deutschen Landen veranstaltet werden. 

Enthusiastisch zum Vorstand

Doch Lennart Burke zeigte Chuzpe und Kampfgeist. „Aufgeben kam nicht in Frage,“ erinnert er sich im Gespräch mit SR. „Ich hab’ mir lange überlegt, ob es überhaupt Sinn machen kann, wenn ich mich als junger Segler an große nationale oder internationale Konzerne wende. Schließlich bin ich die Sache anders herum angegangen und habe mich an potentielle Sponsoren aus meiner Region gewendet.“ 

Das Resultat dieser letztendlich ja gar nicht so abwegigen Herangehensweise ist knallrot, 6,50 m kurz, trägt den Seriennamen „Pogo 3“ und hat die letzte Mini-Transat bravourös gewonnen.

© burke

Was auch den größten Optimisten unter den deutschen Ministen als ziemlich abwegig erschien, schaffte Lennart Burke mit einem enthusiastisch geführten Gespräch: vorgestern wurde sein Mini von seiner jüngeren Schwester getauft. In großen Lettern prangt auf dem roten Rumpf der Name des Hauptsponsors „Sparkasse Vorpommern“. 

Noch nicht alles finanziert

Lennart Burke: „Mir war die Sparkasse als potentieller Sponsor eingefallen, weil sie unserem Melges24-Team 2018 bei der Finanzierung eines neuen Bootes geholfen hatte. Als ich dann um ein Gespräch bat, kam ich gleich Ende August zu einem wirklich coolen Austausch mit dem Vorsitzenden zusammen. Eine Stunde hatte ich Zeit, und schon nach wenigen Sätzen war man im Vorstand Feuer und Flamme für mein Projekt Mini-Transat 2021.“ 

In relativ kurzer Zeit entschied sich daraufhin die Sparkasse Vorpommern für ein Sponsorship (Offizielle jährliche Ausgaben für Sportsponsorships per anno: 1 Million Euro für ca. 600 Projekte), so dass Lennart Burke bereits beim Etappenstopp der Mini-Transat 2019 auf Gran Canaria einen Deal mit Ambrogio Beccaria machen konnte. Der hatte sein Boot schon mal vor dem späteren Sieg bei der Mini-Transat-Serienwertung zum Verkauf angeboten. 

„Die Sparkasse Vorpommern bezahlte das Boot und die Versicherung,“ berichtet Lennart Burke höchst erfreut. „Aber neue Segel und Ersatzteile etc. müssen noch anderweitig gekauft werden. Mein Projekt ist also noch nicht zu 100 Prozent finanziell abgesichert. Was meinem Optimismus aber keinen Abbruch tut!“ 

Sportlicher Weitblick

Doch nicht nur in Sachen Finanzen ist Lennart Burke gut aufgestellt. Auch sportlich zeigt der 21-Jährige Weitblick. So wurde er ins legendäre Trainingsteam rund um Tanguy Leglatin in der „Base“ in Lorient/Bretagne aufgenommen. Dort wurden nahezu alle späteren Mini-Transat-Sieger in die Mangel genommen und entsprechend gut vorbereitet. 

Coole Kampagne © burke

Und als Co-Skipper – fürs Training und für Zweihand-Regatten – nahm er Oliver Tessloff im doppelten Wortsinne ins Boot. Der Mini-Transat-Finisher schaffte 2017 mit Rang 16 das seit Jahrzehnten beste deutsche Ergebnis in der heiß umkämpften Serienwertung und siegte u.a. mit Maurice Oster bei der Baltic 500 in der Mini-Wertung – in Abwesenheit Burkes ausgerechnet auf dessen erwähnten TO-Plattbug „Mex“. 

„Jetzt brenne ich erstmal darauf, das Boot zu segeln, segeln und nochmals zu segeln!“ freut sich Burke. „Vorher wird die „Vorpommern“ bei der „boot“ in Düsseldorf ausgestellt. Dort werde ich mit Lina Rixgens und dem Prototypen-Drittplatzierten der letzten Mini-Transat Morten Bogacki einige Vorträge halten.“ Es stimmt also auch in Sachen PR bei Lennart Burke. 

Und apropos Medien: Der NDR wird in loser Folge über das Projekt „Mini Spaka Vorpommern“ berichten. Schon heute Abend ist um 19:30 Uhr ein Beitrag im Nordmagazin vorgesehen. 

3 Kommentare zu „Mini-Transat: 6 neue deutsche Initiativen – Lennart Burke (21) segelt für Vorpommern“

  1. avatar pl_post005 sagt:

    Rang 13. – nicht 16.
    s’il vous plaît 😉

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  2. avatar breizh sagt:

    Das klingt ja sehr spannend. Ein bunter Haufen mit unterschiedlichen Ambitionen. Da wird es ja auch genug für SR zu berichten geben.
    Wie sieht es denn eigentlich bei Oliver Tessloff aus? Peilt er auch die nächste Mini Transat an?

    P.S. Ein Mini im MYC ist eine ungewöhnliche Vorstellung. 😆

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