Mini Transat: Jörg Riechers lüftet das Plattbug-Geheimnis von “Teamwork Evolution”

"Ich würde keinen Tennisplatz auf dem Wasser bauen"

Das Geheimnis des hässlichen, schnellen Plattbugs von David Raison ist der Kiel. © Loris Von Siebenthal

Wohin geht der Trend in der Mini Klasse? Nachdem David Raison mit seinem revolutionären Design “Teamwork Evolution” das Transat gewonnen hatte wurde ich oft gefragt, ob in Zukunft alle Minis so aussehen werden. Eine gute Frage, die ich mir auch selbst gestellt habe. Würde ein zukünftiger Mini auch so aussehen wie ein Tennisplatz auf dem Wasser?

Ich glaube eher nicht. Es ist nicht nur der Bug, der “Magnum” so schnell macht. Hinter dem Boot stecken jede Menge weiterer sehr guter Ideen. Zunächst ist der Kiel zu nennen. Das Schiff verfügt über eine komplizierte Mechanik, mit deren Hilfe sich der Kiel, wenn er „voll gekanted“  also nach Luv geschwenkt ist, von den erlaubten 2 Metern Tiefgang auf 2,30 Meter verlängert. Dadurch erhöht sich der aufrichtende Moment, das Boot hat mehr Power.

Der Plattbug-Mini "TeamWork Evolution" zeigt raumschots seine Schokoladenseite. © Loris von Siebenthal/My Image

Der Kielkopf wird im Rumpf über einen Bogen aus Karbon geschwenkt, der die Form einer Parabel hat. Dadurch fährt der Kiel immer weiter aus, je mehr die Bombe nach Luv gezogen wird.

Um diese Konstruktion herum ist der Rest des Bootes konzipiert worden. Damit der Mini bei voll geschwenkten Kiel nicht weiter als 10° nach Luv krängt, wie es die Vermessungsformel erfordert, braucht er eine große Formstabilität. Diese wird durch die fast vertikalen Bordwände und eine breite Wasserlinie erreicht.

Dafür bietet sich ein Scow Bug natürlich an. Dadurch hat das Boot einen weiteren Vorteil. Die Wasserlinie bleibt fast symetrisch, wenn es krängt. So können auch die asymmetrischen Schwerter effektiver arbeiten.

Der Kielschwenk-Mechanismus auf "mare.de". Per Seilzug wird der Kielkopf nach Lee gezogen und die Bobe unter dem Rumpf nach Luv geneigt. © Riechers

Damit ist einer der Hauptnachteile eines Minis eliminiert. Denn durch die sehr große Breite von 3m bei nur 6,50 Länge haben diese Schiffe die Tendenz „auf den Bug zu fallen“ wenn sie krängen. Dadurch wird die Wasserlinie sehr asymmetrisch, und das ist logischer Weise weniger schnell.

David Raison hat die gesamte Konstruktion mit einem sehr gut dimensionierten in Längsrichtung verstellbaren Flügelmast kombiniert. Der bringt ordentlich Segelfläche auch an der Kreuz, die das Boot durch das hohe Aufrichtende Moment auch tragen kann. Fertig ist ein Boot, welches an der Kreuz und auf Reachingkursen zurzeit unschlagbar ist.

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8 Kommentare zu „Mini Transat: Jörg Riechers lüftet das Plattbug-Geheimnis von “Teamwork Evolution”“

  1. avatar Sven sagt:

    für den Laien mal wirklich gut erklärt,

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 19 Daumen runter 0

  2. avatar Manfred sagt:

    Jörg,
    Danke für den tollen Artikel.
    Sei mir nicht böse, aber die Konfiguration aus Deinem 4. Absatz erinnert mich doch stark an die LISTANG. Der Super Entwurf von Karl Feltz, der die 1/4 Tonner WM gewonnen hatte und dann bei der 1/2 Tonner WM Zweiter wurde, wenn ich das richtig erinnere. (kann jemand helfen?) Zur Verlängerung auf 1/2 ton war da hinten nur irgendwas dran gefummelt worden. Komischerweise genauso gewöhnungsbedürftig (und ich finde es heute noch hässlich) wie die “Teamwork Evolution”. Aber die Rumpflinien (ohne Backdeck) waren seiner Zeit weit voraus oder parallel mit den Farr und Whiting Rissen entwickelt worden.
    Smooth Sailing!

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  3. avatar T.K. sagt:

    Vielen dank für den tollen Artikel

    Nach diesem Artikel bin ich mir umso sicherer , dass zukünftige Sieger beim Minitransat auf diese Art von Platform setzen müssen und werden! Erscheint auch logisch bei dem Längen-Breitenverhältnis. man wundert sich schon eher warum da keiner früher drauf gekommen ist.

    Wenn Jörg nächstes Jahr gewinnen will, dann muss er auf dieses (zugegeben hässliche) Konzept setzen!

    Bei grösseren Schiffen sieht das ggf. anders aus, da dort ein anderes Längen/Breitenverhältnis herrscht.

    Es lebe el Gurki!

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  4. avatar Wilfried sagt:

    ich finde den Beitrag von Jörg sehr gut und schlüssig erklärt. Nicht klar ist mir wieso der dann den Schluss zieht, dass sein nächstes Boot nicht so aussehen würde. Er legt doch ziemlich eindeutig klar, dass die Designvorzüge – größerer Hebelarm, parallele Wasserlinie- nur mit dem Plattbug erreichbar sind oder gibt es noch ein Möglichkeit bei dem Längenlimit den Auftrieb am Bug und die parallele Wasserlinie zu erzielen?

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  5. avatar Stumpf sagt:

    mehr davon

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  6. avatar Seglermann sagt:

    … und ich finde das Teil nun gar nicht sooo häßlich.

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  7. Pingback: The Science of Speed - BBC Doku | Yachtblick

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