Mini Transat: Melwin Fink spricht über die Etappe – Christian Kargl auf Platz zwei im Ziel

"Es gab keinen Grund anzuhalten"

Melwin Fink hat sich nach seinem Coup auf der ersten Mini-Transat-Etappe zum Verlauf des Rennens und zu den Gründen für seine Entscheidung geäußert.

Der 19-jährige Melwin Fink feiert in Santa Cruz de la Palma seinen Erfolg bei der ersten Etappe der Mini-Transat EuroChef. In einem Interview mit den Veranstaltern sagt er: “Das ist sehr überraschend. So etwas hätte ich mir nie vorstellen können! Es gehörte viel Glück dazu und einige gute Entscheidungen. Auf jeden Fall war es schwer.”

Die Mini-Welt auf den Kopf gestellt. © Francois Denis

Er habe gezögert, dem Sturm zu trotzen, aber schließlich sei es gut gegangen. “In der Front herrschte ein Wind von 30 Knoten, die in Böen auf 40 Knoten anstieg, also genau wie im Wetterbriefing angegeben. Die erste Front in der Biskaya war härter.”

Viel darüber nachgedacht

Zur Kommunikation innerhalb der Flotte erklärt Fink:

“Nachdem ich die Wetterwarnung erhalten hatte, hörte ich ein Gespräch über UKW, aber ich verstand nicht, warum einige Skipper davon sprachen, 36 Stunden lang Schutz zu suchen. Ich dachte, es sei viel zu früh, um zu diesem Zeitpunkt an einen Stopp zu denken. Ich sprach mit Christian Kargl. Wir beschlossen, so weit wie möglich nach Süden zu fahren und dann zu entscheiden, ob wir in den Hafen einlaufen wollten oder nicht. Als wir weiterfuhren, stellten wir fest, dass die Bedingungen südlich von Porto, wie in der Wettervorhersage gesagt, beherrschbar waren. Daher gab es keinen Grund, anzuhalten.”

Freude über eine gute Ausgangsposition vor der Atlantik-Etappe. © Mini Transat

Es sei durchaus eine schwere Entscheidung gewesen. Ich habe viel darüber nachgedacht und hatte dann aber nie das Gefühl, dass ich ein großes Risiko eingehe. Bevor der Sturm eintraf, war mein Boot in einem perfekten Zustand, kein einziger Schaden, auch nicht nach dem ersten in der Biskaya. Dreißig Knoten, in Böen vierzig, das ist eine Menge, aber wir haben robuste Boote. Wir haben auch verschiedene Möglichkeiten, unsere Segelfläche zu verkleinern und viele Optionen, den Mast zu sichern. Meine einzige Sorge war es, dass ich ihn in den großen Wellen verlieren könnte. Aber es ist alles gut gegangen.”

Begrüßt von den Eltern. © Mini Transat

Vorher habe er mit einer solchen Ausgangslage nach der ersten Etappe nicht rechnen können. “Das wird für die zweite Etappe ein großer Vorteil sein, das ist sicher!” Er könne nicht glauben, was passiert ist. “Ich habe von den Top Ten geträumt, aber Platz ein 100 Meilen vor dem zweiten Boot, ist unglaublich! Jetzt ist der Druck für die zweite Etappe groß. Es s viele Vorwindbedingungen geben, also werden wir sehen, was passiert!”

Nicht verstanden?

Ouest France hat mit Tanguy Le Glatin gesprochen, der in Lorient viele der besten Mini-Skipper coacht und auch Melwin Fink 14 Tage lang betreute. Er lobt ihn als “guten Steuermann, der das Wasser sehr gut lesen kann und einen guten Sinn für die Navigation hat”. Er sei noch sehr jung, arbeite aber schon sehr strukturiert.

Ein konkretes sportliches Ziel für diese Mini-Transat habe es noch nicht gegeben. “Es ist seine erste Solo-Ozeanregatta. Er ist gerade dabei, neue Dinge zu entdecken, um sich auf die Ausgabe 2023 mit einem anderen Schiff vorzubereiten.”

Begrüßt von den Eltern. © Mini Transat

Auf die Frage, ob fehlende Erfahrung im Einhand-Offshore-Segeln zur Entscheidung zum Weitersegeln beigetragen habe, sagt Le Glatin:

“Ehrlich gesagt, glaube ich, dass Melwin die Ankündigung der Rennleitung nicht verstanden hat. Er spricht kein Französisch. Und auch wenn er sich besser als ich auf Englisch ausdrücken kann, beherrscht er diese Sprache nicht. Dies ist eine der Grenzen des Systems. Ich denke also, dass er sich nicht bewusst war, was passieren könnte. Wie ich schon sagte, er ist sehr jung.”

Melwin Fink © Mini Transat

Tatsächlich stehen auch unter den Franzosen die Kommunikationsprobleme auf den Booten in der Kritik. Nach den Ankündigungen des Wettfahrtleiters über Mittelwelle seien missverständliche Angaben durch den Äther geschwirrt. Ging es bezüglich des Stopps um „Muss“ oder „Soll“? Die 15-köpfige einigermaßen zusammenliegende Führungsgruppe – 13 Franzosen, ein Italiener, ein Belgier – habe sich per Funk ausgetauscht und dann das gemeinsame Einlaufen in den Hafen besprochen. Dabei wurden die Informationen wie beim Stille-Post-Spiel je nach Funk-Reichweite von Boot zu Boot übermittelt.

Fink feiert seine Ankunft. © Mini Transat

Übersetzungen auf Englisch gab es nur teilweise von den Crews der Begleitboote. Sieben Yachten mischen sich bei dieser Etappe unter das Feld und dienten auch als Sicherheitsnetz für etwaige Notfälle. Dabei handelt es sich oft um Fahrtenyachten mit Familiencrews. Einige liefen wegen der Sturmvorhersage früher als die Segler in einen Hafen ein.

Ohne Schäden durchgekommen. © Mini Transat

Melwin Fink geht bisher allerdings nicht auf ein mögliches Kommunikationsproblem ein. In einer Chatgruppe bekräftig er sein Unverständnis darüber, 36 Stunden vor dem Sturm Schutz suchen zu wollen. Die Bedingungen seien nicht schlimm gewesen. Die Diskussionen unter den Seglern habe er als “Herden-Getue” wahrgenommen. Es gehe nicht um Solidarität, sondern darum, als erster ins Ziel zu kommen.

Christian Kargl als Zweiter

Der Österreicher Christian Kargl ist inzwischen als Zweiter ins Ziel gekommen. Auch er profitierte von der Entwicklung der Etappe, indem er nur einen kurzen Stopp in einem südlicheren Hafen eingelegt hatte. Er schob sich von Rang 16 auf 2. Im ersten Interview nach dem Zieleinlauf erklärt er:

“Ab dem zweiten Tag auf der Rennstrecke hatte ich keinen SSB-Funk mehr, da die Anlage Wasser aufgenommen hatte. Daher wusste ich nicht, dass ich am Ende der Etappe auf dem zweiten Platz lag. Das ist eine schöne Überraschung!

Es war kein einfaches Rennen. Nach Kap Finisterre und der Unwetterwarnung waren alle ziemlich nervös, und es gab eine Reihe von Diskussionen über UKW über die schlechten Bedingungen, die auf uns zukamen.

Christian Kargl © Mini Transat

Ich versuchte, einen Platz in einem Yachthafen zu finden, bekam aber keine Bestätigung. Also wartete ich eine Weile und unterhielt mich dann mit Melwin (Fink), der mir sagte, dass das Wetter südlich von Porto besser zu bewältigen sein würde. Jeder von uns beschloss, seinen Weg fortzusetzen und dann die Situation nach dem nächsten Wetterbericht zu überprüfen.

Christian Kargl freut sich über Platz zwei auf der ersten Mini-Etappe. © Mini Transat

Zu diesem Zeitpunkt wurde uns bestätigt, dass der Wind abnimmt, je weiter wir den Atlantik hinunterfahren, und so sagten wir: “Auf geht’s!” Danach hatte ich einen Elektronik-Blackout und hatte kein Licht, kein Echolot, gar nichts… Daraufhin beschloss ich, in Viana do Castelo in Portugal anzulegen. Das war für mich die sicherere Option.

Ich habe einen 15-stündigen Boxenstopp eingelegt, um das Schlimmste von vorne abzuwarten und bin dann so schnell wie möglich wieder auf die Rennstrecke zurückgekehrt. Es ist toll, Zweiter zu werden, vor allem mit einem solchen Vorsprung vor dem dritten Boot und dem Rest der Flotte. Ich weiß nicht, wie sich die Dinge in der zweiten Etappe entwickeln werden, aber eines ist sicher: In der Zwischenzeit habe ich einiges an meinem Boot zu reparieren!”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Mini Transat: Melwin Fink spricht über die Etappe – Christian Kargl auf Platz zwei im Ziel“

  1. avatar excom0 sagt:

    Das bringt ja viel Klarheit in die Welpenschutz Diskussion.
    Also, finde ich.
    Rainer

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  2. avatar Rolf Winterhalter sagt:

    Sag ich doch ! Das mit dem Französisch ist nich einfach. ##🤣

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