Mini-Transat-Rückblick: Björn Freels über das Reißen von Segeln, Brechen des Bugspriets und die Freude des Ankommens

"Ständige Alarmbereitschaft"

Achtung! Welle, von hinten. Abschussrampe für "Rikki Tikki". © B. Freels

Der Mini Transat-Segler Björn Freels hat nach dem Interview mit SR noch einmal die Geschichte des größten Abenteuers seines Lebens aufgeschrieben. Dabei wird noch einmal deutlich, wie sehr die Atlantik-Überquerung auf einem 6,50 Meter kurzen Mini Körper und Geist beim Einhandsegeln fordern.

Freels schreibt von “Missgeschicken, mit unangenehmen Folgen.” Zum Beispiel als sich das Vorsegel um das Vorstag dreht. “Der Autopilot fällt auf einer Welle etwas zu weit ab, der Spinnaker verliert im Windschatten des Großsegels den Druck, bekommt stattdessen Fahrtwind von vorne ab, drückt sich zwischen Vorstag und Mast hindurch und beginnt sich schließlich um das Vorstag zu wickeln.

Ich schalte zu langsam, kann den Vorgang nicht mehr rückgängig machen, die Eieruhr, die der Spi nun vorne bildet, verfestigt sich immer mehr. Per Handsteuerung versuche ich das rote Segel dazu zu bewegen, sich wieder in die Gegenrichtung zu drehen und vom Drahtseil zu lösen. Vergeblich.

Schöner Moment beim Atlantik-Abenteuer. Die Sonne geht im Kielwasser von "Rikki Tikki" unter. © B. Freels

Stattdessen muss ich zusehen, wie etliche Konkurrenten meinen Weg kreuzen und mich überholen. Als ich endlich auf dem Vorschiff den Spi mühsam vom Vorstag  wickele, taucht der Spibaum in eine Welle ein und wird langsam vor meinen Augen vom Wasserdruck verbogen und aus seiner Befestigung am Bugkorb gerissen.

Etwa zwei Stunden später bin ich wieder im Rennen, der rote Spi wird nun von meinem zweiten Spibaum gehalten, den ich eigentlich als Ersatzteil für die das Material beanspruchenden Reachingkurse zwischen dem Äquator und Brasilien vorgesehen hatte.

Mitten in der zweiten Nacht, keine 48 Stunden nach dem Start, werde ich erneut unsanft ausgebremst. Das Boot läuft aus dem Ruder, legt sich stark auf die Seite, wovon ich aufwache. Eigentlich eine Routinesache, keine Besonderheit, ich gehe an Deck, öffne die Segel etwas. Der Wind hat aufgefrischt auf 5-6 Beaufort, einige Stunden zuvor hatte ich deshalb auf den Medium Spinnaker gewechselt.

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Carsten Kemmling

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