Mini Transat: Zwei weitere Mastbrüche – Riechers versucht, am Podium dranzubleiben

In Lauerstellung

Das Mini Transat hat zwei weitere Material-Opfer zu beklagen. Jörg Riechers verliert den Anschluss zur Spitze, kann aber immer noch die Top-Drei schaffen.

Mini Transat

Julien Mizrachi mit Mastbruch vor der spanischen Küste auf Rang 23. © Mini Transat

Vor der vierten Nacht auf See ist die Flotte der Mini-Segler schon dezimiert worden. Nach dem ersten Mastbruch kurz nach dem Start sind nun zwei weitere dazu gekommen. Die Havaristen steuern jeweils La Coruna in Spanien an.

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Frédéric Guérin liegt bei den Protos auf Rang 16, als der Mast bricht. © Mini Transat

Derweil sind die beiden Spitzenboote der Flotte schon weit enteilt. Der Top-Favorit Ian Lipinski hat standesgemäß die Führung übernommen mit seinem überlegenen Plattbug “Griffon.fr”, aber Ervan Le Mené hält sich gut in seinem Kielwasser.

Jörg Riechers konnte allerdings nicht Schritt halten, obwohl es auf den ersten Meilen noch so aussah. Aber der Wind nahm schließlich deutlich zu und kam genau von hinten. Dabei zeigt sein neuer Plattbug “Lilienthal” erste Schwächen. Im Duell mit dem Franzosen Aurelien Poisson (“Teamwork”) konnte er nicht den gleichen direkten Weg steuern.

Er steuert nicht so tief, wie der Konkurrent. Das kann an dem verfügbaren Segelmaterial liegen oder auch an der vorherrschenden Welle, die seiner Neukonstruktion nicht so sehr behagt.

Riechers halst nach Norden und kann nicht so tief steuernm wie Poisson (hellgrün), der ihn dabei überholt.

So verliert er nach einer Halse gen Norden im direkten Vergleich deutlich an Distanz. Poisson liegt inzwischen auf Rang drei, Riechers ist auf Platz sieben zurückgefallen befindet sich aber noch in Lauerstellung. Dabei wird seine Kurslinie auf dem Tracker so gezeigt, als hätte er möglicherweise eine Verbotszone nicht vorschriftsmäßig umfahren. Ob es ein Messfehler ist?

Hat Richers die Verbot-Zone gekreuzt? Die rote Kurslinie deutet darauf hin, könnte aber ungenau sein.

Es ist nicht so einfach für die Einhandsegler auf den 6.50 Minis, die navigatorischen Aufgaben zu erledigen. Sie sind von den modernen Kontakt-Möglichkeiten ihrer Kollegen auf größeren Yachten ausgeschlossen, verfügen über keinen Plotter und müssen anhand der per Radio übermittelten Wetterinformationen auf Seekarten navigieren. So sind sie auch taktisch auf sich alleine gestellt. Es gilt einfach, das Bestmögliche aus Wetter und Boot herauszuholen.

Riechers (braun) bleibt dran als Siebter, Koster (pink) ist Vierter, aber Lipinski (blau) zieht unaufhaltsam davon.

Deshalb ist es so wichtig, sein Boot gut zu kennen, um die besten Steuer-Winkel und Segel-Kombinationen passend zu vorherrschendem Wind und Welle zu finden. Das trifft offenbar besonders für den Schweizer Simon Koster zu, der zu Beginn noch verhalten auf dem 16. Platz segelte, aber mit zunehmendem Rückenwind mächtig aufdrehte und inzwischen auf Platz vier vorgeprescht ist und sich in Schlagdistanz zu Rang zwei befindet.

In der Flotte der 56 Serienboote schlägt sich weiterhin Oliver Tessloff aus deutscher Sicht wacker (SR-Interview). Er ist von den drei deutschen Seglern als einziger mit einem Boot der neuesten Generation am Start und hält als 11. mit gut 30 Meilen Rückstand den Abstand zu den führenden Franzosen konstant.

Andreas Deubel hat mit seiner ungewöhnlichen Kurswahl nahe unter der spanischen Küste vom zeitweise 50. Platz bis auf 29 aufgeholt. Lina Rixgen kommt noch nicht richtig in Fahrt und segelt auf Platz 53.

Tracker Mini Transat

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Mini Transat: Zwei weitere Mastbrüche – Riechers versucht, am Podium dranzubleiben“

  1. avatar C.H. sagt:

    @SR: Könnt Ihr wieder auf Eurer homepage den Tracker einbinden und verlinken – das war immer so schön praktisch:-)

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  2. avatar Yachtie sagt:

    Do. 14:00

    Riechers fällt immer weiter zurück- Zwei Plätze hinter ihm segelt die 25-jährige Französin Charlotte Mery in einem Bertrant-Proto aus dem Jahre 2011 !!!!!!!

    Riechers versucht zur Zeit wieder einen Extremschlag in westlicher Richtung, wo etwas mehr Wind ist. Allerdings muss er später eine windärmere Zone queren. Ob der Extremschlag etwas bringt ist also derzeit noch offen.

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  3. avatar Yachtie sagt:

    Von dieser jungen Dame können sich die deutschen Teilnehmer eine Scheibe abschneiden:

    CLARISSE CREMER (27) (Pogo 3)

    z.Zt. Platz 3 bei den Serien-Minis. und noch vor Jörg Riechers mit seinem Proto platziert.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar Yachtie sagt:

      Aufgrund des Tracker-Updates Fr. 14:00 besteht für Clarisse jetzt sogar die Chance, die Führung bei den Serien-Minis zu übernehmen.
      .

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      • avatar Yachtie sagt:

        Fr. 17:00

        Clarisse hat es – wie von mir prognostiziert – geschafft und führt jetzt das Feld der Serien-Minis an.

        Sie wird sich auch wieder vor Jörg Riechers setzen, der in der Flaute kaum vom Fleck kommt.

        Respekt !!!

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        • avatar Yachtie sagt:

          Fr. 20:00

          Clarisse (Pogo 3) hat sich dank ihres genialen Gespürs für den richtigen Kurs wieder vor Jörg Riechers (Proto) positionieren können. Das Feld der Serieboote führt sie jetzt mit einem Vorsprung von 10 sm an.

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  4. avatar Yachtie sagt:

    https://www.youtube.com/watch?v=EkfMnwTMxGg

    In diesem Video sehen wir den führenden Ian Lipinski, dessen Speed überragend ist.
    .
    Raumschots setzt er beidseitig lange Spieren ein, um die Vorsegelholepunkte weit nach aussen zu verlagern.
    Dadurch steigert er die Vortriebskräfte seiner Vorsegel.

    Wird diese Technik auch von allen anderen Teilnehmern eingesetzt ?

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    • avatar Johannes Bahnsen sagt:

      Andi macht es auch so…

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    • avatar ChrisL sagt:

      Die sogenannten Outrigger wurden bei den Serienbooten nach dem Mini Transat 2015 verboten. Schade, sie haben nämlich wirklich einen Unterschied gemacht.

      Bei den Prototypen setzt wahrscheinlich die Hälfte der Boote Outrigger ein. Die Aufnahme an Deck muss relativ stabil sein, vor den Umbaumassnahmen haben einige wohl zurückgeschreckt.

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      • avatar Yachtie sagt:

        Danke Chris ! Alle Fragen werden von Dir sehr detailliert mit grösster Fachkompetenz beantwaortet.

        Dass die Outrigger aerodynamisch von Vorteil sind, ist klar. Werde mal darauf achten ob der Jörg sie auch verwendet.

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