Mixed Offshore EM: Premiere der neuen Olympia-Disziplin -Titel geht nach Österreich

"Ganz schön ruppig"

Lisa Berger und Christian Kargl haben die erste Europameisterschaft der neuen olympischen Segeldisziplin für 2024 “Doblehanded Mixed Offshore“ gewonnen. L30 meistert 40 Knoten-Bora.

Geteilte Meinungen über die Segelwahl. Österreich wählt unter Gennacker einen südlicheren Kurs zum Erfolg. © Eurosaf

Die Premiere der Olympia-Veranstaltung Zweihand-Mixed-Offshore für 2024 ist im Rahmen einer offiziellen Europameisterschaft über die Bühne gegangen. Sieben Nationen-Teams bewarben sich auf der 170 Meilen langen Rennstrecke von Venedig nach Triste um den Titel.

Gesegelt wurde mit der L30, dem 30 Fußer des 49er-Olympiamedaillen-Gewinners Rodion Luca aus der Ukraine (SR-Interview), der auch für die World Sailing Offshore WM 2020 ausgewählt worden ist. Die Schiffe wurden gegen eine Chartergebühr vom Veranstalter zur Verfügung gestellt und den Crews zugelost.

Die Luca30-Flotte von acht Booten war schnell ausgebucht. Die rund neun Meter langen Yachten sind 2100 kg schwer und haben eine Segelfläche von gut 100 m² am Wind, die mit einem 85 m² Gennaker vergrößert werden kann.

Bei dem Wetter – lieber nicht!

Es gibt Stimmen, die das Boot nicht für nicht geeignet halten, um den zu erwartenden Anforderungen der neuen Olympia-Disziplin zu entsprechen. Und die Briten Henry Bomby und Hannah Diamond machten angesichts der Wettervorhersage sogar kurzfristig einen Rückzieher. Ihre Begründung: „Die kleinen Boote sind zu schlecht ausgerüstet. Beim dem Wetter – lieber nicht!“

L30 in Aktion. So soll olympisches Langstreckensegeln in Zukunft aussehen. © Eurosaf

Dabei sollte das Urteil der Nacra17 Vize-Weltmeisterin und Volvo Ocean Race-Teilnehmerin Hannah Diamond (mit Vestas 11th Hour Racing) und auch Henry Bomby (zwei VOR-Etappen mit Turn The Tides on Plastic) Gewicht haben

Aber die verbliebenen sieben Teams aus Österreichern, Frankreich, Belgien, Australien, Italien, Spanien und den USA kämpften sich durch. Allen voran Lisa Berger und Christian Kargl aus Linz in Oberösterreich. Berger war die Initiatorin des Projektes, nachdem sie im Vorjahr ihre Gruppe beim „The Race – 1000 miles“ und den „One Design Business Sprint“ (Doublehanded über 130 Meilen gegen voll besetzte Teams) gewonnen hatte.

“Platz am Stockerl” erhofft

Sie suchte sich für die EM Christian Kargl als Partner den ersten und bisher einzige österreichischen Mini-Transat Teilnehmer. „Es ist eine echte Partnerschaft, die auf gegenseitigem Respekt aufgebaut ist“, sagt Kargl vor dem Rennen. „Da ist nicht einer der gute und der andere darf mitfahren, wie das bei anderen Teams oft der Fall ist.“ Sie galten vor dem Rennen nicht gerade als Favoriten, erhofften sich aber „einen Platz am Stockerl! Sonst brauche man so eine Regatta auch nicht mitfahren.”

Erfolgsduo aus Österreich. © Eurosaf

Nach einer Parade vorbei am Markusplatz in Venedig startete die kleine Flotte Richtung Trieste, wo mit der Barcolana die größte Regatta der Welt startet. Gleich zu Beginn teilte sich das Feld. Während das Hauptfeld den direkteren Weg zur 100 Seemeilen entfernten Bahnmarke, der kroatischen Insel Susak nahm, segelten Berger und Kargl gemeinsam mit den Belgiern weiter südlich. Ein Umweg in Richtung des angesagten Südwindes.

Der setzte dann in der ersten Nacht mit gut 30 Knoten ein. „Da war die Piste ganz schön ruppig“, kommentierte Berger den Ritt mit der Luca30, die bei der hohen Belastung  Wasser aufnahm.

Südkurs zum Erfolg

Aber bei der ersten Wendemarke Susak lag das österreichische Duo schon vorne. „Ich glaube, wir sind zweite“, ließ Christian Kargl über Facebook wissen, war sich aber nicht sicher. „Wir haben fast kein Internet und das Tracking lädt nicht!“

Teilweise hartes Wetter auf dem Rennkurs. © Eurosaf

Der Wind ließ dann aber nach, und drehte nach Nord. Bei sehr schwachem Wind ging es eher mühsam weiter. Die Franzosen, Australier und Belgier kamen auf und die Führung wechselte zwischendurch einige Male. Während die Konkurrenz ihr Glück etwas westlicher suchte, hielten die Österreicher ihren Bug etwas weiter in den Kvarner, der Bucht vor Rijeka, und konnten einen Vorsprung von ein bis zwei Meilen heraussegeln.

Nach der Passage von Umag und dem Leuchtfeuer Savudria ging es weiter nach Piran und Izola, dem Trainingsrevier vieler Österreicher, in dem sich Kargl praktisch zu Hause fühlt. „Da kann fast nichts mehr passieren“, schätzte er die letzten 15 Meilen ein.

Bora mit 40 Knoten

Der gefürchtete Wind „Bora“ mit Spitzen bis zu 40 Knoten zeigte den Teams aber, dass es auch in Landnähe richtig blasen kann. Berger und Kargl bargen das Großsegel und segelten nur noch mit der Fock. „Das hat vollkommen gereicht!“ Sie bewältigten schließlich die 170 Meilen in 36 Stunden und 30 Minuten auf dem ersten Platz 26 Minuten vor den Belgiern mit Class40-Segler Jonas Gerckens und Australien mit Liz Wardley, der dreimaligen Volvo Ocean Race Teilnehmerin. Sie kamen nur fünf Minuten vor den Franzosen ins Ziel mit 470er Vize-Weltmeister und Figaro-Profi Pierre Leboucher.

Österreich vor Belgien und Frankreich in der EM-Wertung Figaro-Profi Pierre Leboucher r.) war enttäuscht© Eurosaf

„Wir bedanken uns bei allen, die uns unterstützt haben”, freuen sich Berger und Kargl. “Es ist etwas ganz besonderes, als Österreicher gegen Volvo-Ocean-Segler und Olympiasieger zu matchen. Nun haben wir den Titel für Österreich geholt. Wir sind super, super glücklich!“

Die Europameisterschaft soll für das Duo kein einmaliges Erlebnis bleiben. „Wir segeln weiter in Richtung Olympia 2024! Man wird sehen, was die Zukunft bringt, mit welchen Booten in Paris gesegelt wird u.s.w.“ Parallel dazu bereitet sich Kargl auf das Minitransat 2021 vor. Spätestens 2023 möchte auch Berger bei dieser Regatta dabei sein.

Final Results
1st > TEAM AUSTRIA > Lisa Berger / Christian Kargl > GOLD
Arrival time 02:00 am

2nd > TEAM BELGIUM > Sophie Faguet / Jonas Gerckens > SILVER
Arrival time 02:26 am

3rd > TEAM AUSTRALIA > Liz Wardley / Alberto Sonino > BRONZE
Arrival time 02:43 am

4th > TEAM FRANCE > Mathilde Geron / Pierre Leboucher
Arrival time 02:48 am

5th > TEAM SPAIN > Ana Santamaria / Guillermo Altadill
Arrival time 03:07 am

6th > TEAM USA > Barbara Karpinska / Peter Beker
Arrival time 04:57 am

7th > TEAM ITALY > Giovanna Valsecchi / Andrea Pendibene
Arrival time 08:29 am

4 Kommentare zu „Mixed Offshore EM: Premiere der neuen Olympia-Disziplin -Titel geht nach Österreich“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Was hat das jetzt für eine Aussagekraft? Nur 8 Boote / Mannschaften waren zugelassen. Soll das Feld bei Olympia auch so klein sein? Gab es vorher eine Quali?
    “Die Luca30 Flotte von 8 Booten war schnell ausgebucht” klingt weniger nach Quali sondern mehr nach schnell melden.

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  2. avatar herr zettpunkt sagt:

    Das ist ja toll…. Schnarch.

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  3. avatar a sailor sagt:

    Würde mich Mal interessieren wie hoch die Chartergebühr für den Spass war und wie das Versichert ist, Mal so eben einen geplatzten Spie oder ev. abgerissene Ruderblatt (gab’s ja schon auf einer L30) zu zahlen kann den Spass ja schon vermiesen. Schätze mal sailing.org hält sich da als Ausrichter eher zurück…

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  4. Könnt Ihr vielleicht generell etwas mehr zu diesem Format bringen. Wo ist es möglich an die Startplätze zu kommen? Wann sind die Events? Welcher Quali Modus gilt in DLand? Wie geht das bis 2014?
    Das Format ist echt super für die “ältere” Olympische Generation. Wollte Roland Gäbler nicht auch melden 🙂 ?
    Gerne mehr dazu.
    Grüße
    Oliver

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