Mixed Offshore Olympia: World Sailings Liste der 26 möglichen Zweihand-Yacht-Typen

"Kein Wettrüsten"

Wie World Sailing verhindern will, dass sich nur die reichen Nationen die olympische Zweihand Offshore Mixed Disziplin 2024 leisten können.

Nach der überraschenden Olympia-Entscheidung zugunsten einer Offshore Mixed Disziplin für 2024 bei den Segelspielen, die vor Marseille ausgetragen werden, haben die interessierten Parteien fieberhaft auf Definitionen gewartet, wie sich der Weltseglerverband diese neue Disziplin vorstellt.

JPK 10.10

Die JPK 10.10 ist eine der möglichen Offshore-Olympia-Typen. © JPK

Es war klar, dass diesmal nicht wie bisher üblich einfach ein Bootstyp bestimmt werden kann, mit dem dann später um Edelmetall gesegelt wird. Das in Frage kommende Material übersteigt teilweise deutlich die 100.000 Euro Marke. Ein solches erforderliches Budget würde die Prinzipien des olympischen Segelns verletzen und den Kreis der möglichen Teilnehmer-Länder deutlich einschränken.

Nun sickert in internationalen Medien langsam durch, wie sich der Weltverband dieses Problems annehmen möchte. So kursiert eine Liste mit möglichen Bootstypen, welche die Anforderungen der neuen olympischen Disziplin erfüllen.

Dehler 30 One Design

Bleibombe und schmale Alu-Finne. Die Dehler30 steht auf der potenziellen Olympia-Liste. © Dehler

Darauf stehen gleich 26 Yachten, alte und neue Designs.

Die definierten Vorgaben:
– Nicht foilender Einrumpfer mit einem Deckslayout, das zum Segeln mit kleiner Crew geeignet ist
– Länge: 6 bis 10 Meter
– Gute Allround-Leistungsfähigkeit im Windfenster zwischen 4 und 40 Knoten
– Passende Segelgarderobe für alle Bedingungen
– Die Yachten müssen zur Verfügung gestellt werden können

Das erprobte Match-Race-Prinzip

Das oberste Prinzip formuliert die Arbeitsgruppe von World Sailing deutlich in dem Vorschlag, den sie auf der nächsten Konferenz seinen Mitglieder-Verbänden machen will: “Das Mixed Two Person Keelboat Offshore Event muss eine Veranstaltung sein, die darauf abzielt, die Offshore-Segelfähigkeiten der Athleten zu testen, und sollte kein Wettrüsten in Bezug auf die Ausrüstung zulassen.”

Deshalb lehnt sich die Organisation wie erwartet an das Prinzip der weltweiten Match-Race-Serie an, wo jeweils der Veranstalter das Yachten-Material für Dreier- bis Sechser-Crews stellt.

Mixed Offshore Olympia, Liste

Die Liste der 26 in Frage kommenden Yacht-Typen für Mixed Offshore Olympia 2024.

Anders als für London 2012, als das Eliott Kielboot früh für das Frauen-Match-Race ausgewählt wurde und dann nach den Spielen fast wieder vollkommen von der internationalen Bildfläche verschwand, soll diesmal die Entscheidung lange herausgezöert werden.

Nachhaltiges Finanzierungsmodell

Erst 2023 ein Jahr vor Olympia sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Dann hofft man beim Weltverband darauf, dass dem Organisationskommittee für Paris 2024 ein nachhaltiges Finanzierungsmodell mit der potenziellen Werft gelingt, die das Material bereitstellt. Zu diesem Zweck werde es eine offene Ausschreibung geben.

Spätestens nach dieser Entscheidung werden Olympia-Aspiranten auf dem neuen Bootstyp segeln müssen, wenn sie im Kampf um die Medaillen eine Chance haben wollen. Ob die neuen Olympia-Yachten dann auch den weniger vermögenden Ländern zur Verfügung gestellt werden, ist noch nicht bekannt.

L30, Rodion

Die L30 im Regatta-Modus. © Paval Zmey / L30 One Design

Bis dahin bleibt den Teams nur das Segeln auf einem möglichst ähnlichen Boot, um die Anforderungen des Mixed-Offshore-Segelns auf hoher See zu üben. Entschieden werden Hochsee-Regatten aber insbesondere über den Durchschnitt-Speed, den die Crews über eine lange Zeit generieren können. Und der wird beim Onedesign-Segeln über den ganz speziellen Trimm des Materials erreicht.

Lernen der Trimm-Tricks

Wie groß die Unterschiede auch bei Einheitsyachten sein können, hat das vergangene Volvo Ocean Race gezeigt. Die Teams Mapfre und Dongfeng hatten am Anfang einen deutlichen Vorsprung, da sie Erfahrungen und Daten beim vorherigen Rennen sammeln konnten. Insbesondere das spät gestartete Brunel Team segelte auf den ersten Etappen hinterher, und konnte erst später die Trimm-Tricks der anderen umsetzen.

Es hat lange gedauert, bis Brunel bei 40 Knoten Wind der Chef im Ring des Volvo Ocean Races sein konnte. © Ainhoa Sanchez /VOR

Für einen ambitionierten Seglerverband lohnt es sich dementsprechend, früh die Wahl der Olympia-Yacht zu antizipieren, und seinem potenziellen Team viel Segelzeit damit zu organisieren. Möglicherweise kommt man darauf, sich einen Großteil der 26 Typen zu besorgen und segeln zu lassen. Wer am Ende bei dieser Vorbereitung das glücklichere Händchen hat, dürfte mit einem großen Vorteil bei den Olympischen Offshore-Mixed-Wettbewerbe haben.

14 bis 20 Teams sollen für die Regatta in Marseille in Frage kommen. Die Flotte soll nach einem speziellen kontinentalen Qualifikationssystem formiert werden. Dabei steht offenbar in Frage, ob die Plätze wie bisher üblich überwiegend nach der Leistung auf der globalen Ebene vergeben werden. Sicher ist, dass die Segler aus Kontinenten, die ihre Qualifikationen auf dem Bootstyp abhalten, der dann später auch gewählt wird, einen großen sportlichen Vorsprung haben.

So richtig stimmig scheint das Konzept noch nicht zu sein. Man wird sehen, was sich die Delegierten des Weltseglerverbandes in diesem Zusammenhang noch ausdenkt. Ob die neue Disziplin am Ende den Abschied des Finn Dinghies vergessen machen kann, scheint immer noch fraglich.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Mixed Offshore Olympia: World Sailings Liste der 26 möglichen Zweihand-Yacht-Typen“

  1. Lustige Zusammenstellung. So ist eine Pogo40s3/JPK40/… um Größenordnungen größer (als die 10m) und teurer als alle anderen genannten Schiff und – so viel ich weiß – gibt es noch nicht mal mehr die Formen für das Schiff (Pogo40s3).

    Für die JPKs und wohl auch Ofcet gilt ein anderes Extrem – da werden sicher nicht genügend Schiffe gebaut werden können, da die Werft (JPK) ja auf Jahre ausgelastet ist. Die Italias sind eher Verrechnungswunder aber als Offshore-Einheitsklasse ??

    Bleiben vor allem Dehler, L30, Fareast, Sunfast … oder Mini

    Also ich denke, dass ein ClasseMini ( egal welcher Typ ) dem Ideal am nächsten kommt, da davon sehr viele und sehr ähnliche Schiffe bereits am Markt sind, Athleten genügend Trainingsmöglichkeiten (innerhalb der Klasse) finden und die Flotte vergleichsweise preiswert aufgebaut werden kann.

    40kn auf einer kleinen J oder auch SSC27 wäre nicht so mein Ding …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 0

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