Mixed Olympia Offshore: Zehnte Segelmedaille in Gefahr – Schlüssige Alternativen gesucht

"Harter Schlag"

Die für einen großen Teil der Segelszene schockierende Nachricht über das fast sichere Aus der olympischen Offshore-Disziplin führt zu hektischer Betriebsamkeit bei den Funktionären. Alternativvorschläge werden gesucht.

Dehler20 OD im Mixed Doublehanded Modus. © Dehler

World-Sailing-Chef David Graham hat beim jüngsten Online-Meeting bei einem Medien-Briefing zugegeben, dass es eine “reale Möglichkeit” besteht, dass der Segelsport seine zehnte Medaillen-Disziplin in Paris 2024 verliert.

Das könne passieren, wenn es nicht gelingt, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine geeignete Alternative zum in der Kritik stehenden Mixed Offshore Event vorzuschlagen.

Der Verband versuche nach wie vor, die Bedenken gegenüber der neuen Disziplin bezüglich geringer Sicherheit, hoher Übertragungskosten und fehlenden Test-Event als Weltmeisterschaft – geplant 2020 beim Middle Sea Race aber ausgefallen wegen Corona – auszuräumen. Und Graham sagt: “Das Offshore Event ist absolut unsere bevorzugte Wahl.”  Aber er weist darauf hin, dass der Plan B ernsthaft ausgearbeitet werden muss. „Es gibt noch keine offizielle Entscheidung des IOC, aber einen Fingerzeig und eine Marschrichtung, um im Falle einer Ablehnung der Disziplin Mixed Offshore die zehnte Segelmedaille in Paris 2024 dennoch sichern zu können.“

Frauenquote 50 Prozent

Nur wenige glauben noch daran, dass es mit der Offshore-Disziplin etwas werden kann, seit das IOC den Weltseglerverband formell dazu aufgefordert hat, eine andere Veranstaltung vorzuschlagen. In einem Brief setzte es eine Frist bis zum 26. Mai, um Alternativen zu präsentieren.

Nun hat World Sailing seine Mitgliedsverbände inklusive der Nationalen Segelverbände, Klassenvereinigungen, Ausschussvorsitzenden und das World Sailing Präsidium aufgerufen bis zum 24. April Vorschläge einzureichen. “Die Verantwortung von World Sailing ist es, das zu liefern, was die Gemeinschaft entschieden hat”, sagte Graham. Der Zeitplan ist eng, da die Verbände viel mit der Vorbereitung für die aktuellen, schwierigen Olympischen Spiele in Japan zu tun haben. Aber am 30. April sollen die Vorschläge veröffentlicht werden. Am 10. und 11. Mai werden sie im zuständigen World Sailing Gremium diskutiert, um am 14. Mai dem übergeordneten Council bei dessen Mid Year Meeting eine Empfehlung abgeben zu können.

Die Auswahl ist kompliziert. Man kann zum Beislpiel die geschasste Finn-Klasse nicht einfach wieder einsetzen, weil anders als zuvor die Frauenquote 2024 erstmals exakt bei 50 Prozent liegen muss. Desalb haben sich etwa die Finn Dinghys mit den Europes zusammengetan, um eine gemixte Doppelwertung für die zehnte Medaille vorzuschlagen.

470er Mixed Disziplin wieder aufsplitten?

Die Vorschläge zur alternativen Disziplin müssen bestimmten Kriterien folgen. In einer DSV-Mitteilung heißt es:

  • Sie muss der Olympischen Agenda 2020+5 entsprechen
  • Das 50:50-Verhältnis der Geschlechter muss gewahrt werden, sowohl bei den Disziplinen als auch bei den teilnehmenden Athletinnen und Athleten. Das heißt, der Vorschlag muss entweder eine neue Mixed-Disziplin umfassen oder bestehende Mixed-Disziplinen in Frauen- und Männer-Disziplinen aufteilen.
  • Sie muss universell und leicht zugänglich sein.
  • Sie sollte bei einer World Sailing-Weltmeisterschaft bereits getestet worden sein.
  • Keine höheren Kosten und größere Komplexität als in Tokio 2020.
  • Bestehende Infrastruktur soll genutzt werden können

Beim DSV heißt es weiter: “Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, eine der für 2024 bestätigten Mixed-Disziplinen in eine Männer- und Frauendisziplin aufzusplitten. Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagt,  “eine neue Mixed-Disziplin könnte alle Verbände vor zusätzliche große Herausforderungen stellen, gerade vor dem Hintergrund der zur Verfügung stehenden Zeit und den anstehenden Olympischen Spielen in Tokio 2020.” Das deutet darauf hin, dass der DSV befürwortet, etwa die neue 470er Mixed-Disziplin wie gehabt für beide Geschlechter stattfinden zu lassen.

„Der DSV hat sich bereits frühzeitig mit den Trainingsmaßnahmen mit dem Offshore-Trainer Tim Kröger gut auf den Weg in Richtung Marseille 2024 gemacht und arbeitet mit perspektivreichen Seglerinnen und Seglern zusammen“, so Stegenwalner. „Sollte das IOC Mixed Offshore nicht als eine olympische Disziplin bestätigen, wäre es für diese Projektgruppe natürlich ein ziemlicher Schlag.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Mixed Olympia Offshore: Zehnte Segelmedaille in Gefahr – Schlüssige Alternativen gesucht“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Olympisches Segeln ist doch völliger Mumpitz, denn wen ausser uns Segler interessiert das denn? Und es ist ja nicht so, dass wir alle ohne Olympia nicht mehr Regatta segeln würden. Also macht es schön einfach

    Für die Ratio:
    – Surfen M & W
    – Laser M & W
    – 49er / FX: M & W

    Für das Herz:
    – Finn (muss allerdings günstiger werden)
    – Starboot

    Mehr nicht.

  2. avatar pl_ditschke sagt:

    eSailing 🙂

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