Moth Worlds: Slingsby mit 13 Siegen in 14 Rennen – Philipp Buhls Vorstoß in die Foil-Elite

Aufstieg in der Hackordnung

Ex Laser-Champ Tom Slingsby fliegt in einer anderen Welt und dominiert die Moth WM am Gardasee nach Belieben. Die bestbezahlten Segelprofis haben ihr Spiefeld gefunden und Philipp Buhl hält immer besser mit.

Philipp Buhl hat Spaß. © martina orsini

Am Ende platzt der Knoten. Philipp Buhl klopft bei der Moth-Weltmeisterschaft mit den finalen Plätzen 6/7 in der Weltspitze an und schiebt sich auf Rang 16 vor. Ein starkes Ergebnis im Feld der 140 Flieger. Und nicht mehr weit weg von den absoluten Superstars der Foiler-Szene, die aktuell die wichtigsten Jobs im Profisegeln innehaben.

Slingsby der Dominator. © martina orsini

Tom Slingsby etwa, der mit Australien die beiden vergangenen SailGP-Events gewann und auf dem Gardasee vor Malcesine seine unglaubliche WM-Serie von 2019 wiederholte mit nur einem Ausrutscher (2.) und 13 Siegen.

Alles unter Kontrolle bei der Halse. © martina orsini

Oder der zweitplatzierte Landsmann Iain Jensen, ebenfalls Olympiasieger an der 49er-Vorschot von Nathan Outteridge (Platz 8), der längst zu Ben Ainslies Stammpersonal beim America’s Cup und Sail GP gehört. Auch Bronze-Gewinner Paul Goodison ist bestens im Foil Geschäft als Laser-Olympiasieger und Wing Trimmer beim American Magic Team sowie SailGP Ersatzmann für Ainslie.

Francesco Bruni © martina orsini

Kyle Langford als Vierter war Oracle Wing-Trimmer und erledigt diesen Job nun für Slingsby beim SailGP. Der Fünfte Francesco Bruni ist Steuermann bei Luna Rossa und segelt für das japanische SailGP-Team. Und der sechstplatzierte Neuseeländer Phil Robertson steuert das spanische SailGP-Team.

Phil Robertson in ungewohnter Position beim Einhandsegeln. © martina orsini

Selten waren sich die internationalen Segelprofis so einig, dass ihr individueller Marktwert über die Leistung in der Moth-Klasse bestimmt wird. Während früher die Weltrangliste im Match Race die Hackordnung bestimmte und ein wichtiger Anhaltspunkt für die Dotierung der Segel-Gage war, ist es nun die Hierarchie mit dem kleinen Flieger. Wer das Foilen mit der Motte beherrscht, dem wird auch der Umgang mit einem AC75-Cupper oder F50-Katamaran zugetraut.

49er Olympiasieger Dylan Fletcher. © martina orsini

So ist es kein Wunder, dass auch immer mehr Olympioniken den Motten-Showdown suchen. Bestes Beispiel ist der Italiener Ruggero Tita. Der überlegene Olympiasieger im Nacra17 raste mit der Moth auf WM-Platz sieben. 49er-Gold-Gewinner Dylan Fletcher (GBR) wurde 10. Mit dem Australier Will Ryan startete ein weiterer aktueller Olympiasieger (470er-Vorschoter von Matthew Belcher). Seine Foiler-Karriere hat aber gerade erst begonnen (56.)

Buhl nach der Foil-Wende. © martina orsini

Da ist Philipp Buhl schon weiter. Er verfügt zwar nicht wie ein Teil der Konkurrenz über den techischen Hintergrund eines America’s Cup Teams, kann aber immer besser bei den Großen mithalten. Dabei schaden seine Laser-Fitness und das Gewicht sicher nicht, denn auch Moth-Segler müssen ausreiten und setzen die Hebelkraft in Speed um.

Buhl in Nöten© martina orsini

Slingsby, Goodison und Bruni als ehemalige Laser-Champs zeigen, dass es funktioniert. Allerdings spielt die Hardware in der Konstruktionsklasse immer noch eine übergeordnete Rolle. So führt etwa Ruggero Tita (29) Gewicht im Flügel mit und kann dieses am Wind durch die Luvkrängung effektiv einsetzen.

Vor dem Wind mit dem Decksweeper-Segel. © martina orsini

Buhl zeigte mit seinem Finale beim starken Nordwind am Morgen, dass er bei diesen Bedingungen schon zu den besten der Welt gehört. Am Vortag bei leichter Ora dagegen fuhr er seine beiden Streicher ein.

Falsche Richtung. © martina orsini

Mit seiner Exocet Moth aus England die dort für gut 26.000 Euro verkauft wird, ist der Laser-Weltmeister technisch auf der Höhe. Aber die Besten scheinen schon einen Schritt weiter gegangen zu sein. Die ersten Sechs benutzten Material von Paul Bieker, der von 2003 bis 2017 im Design-Team für Oracle Team USA gearbeitet hat. Seine Bieker-Moth ist für rund 27.000 Euro auf dem Markt und hat insbesondere durch neue, effektivere Foil-Shapes offensichtlich einen Sprung nach vorne gemacht.

Die drei Besten. Slingsby, Jensen und Goodison. © martina orsini

Buhls Bilanz: “Es war schön, die Veranstaltung mit einem 6. und einem 7. Platz bei etwas stärkerer Morgenbrise zu beenden. Das hat eine Menge Spaß gemacht. Ich hatte auf ein Top-10-Ergebnis bei dieser Weltmeisterschaft gehofft. Das Potenzial war sicherlich da. Aber ich konnte in den 15 Motten-Sessions vor der WM nicht ganz das volle Vertrauen in meine Manöver bekommen. Das führte zu einigen Kompromissen bei meinen Startpositionen und meiner Strategie und war entscheidend.

Ich habe diese Manöver vorher so oft wie möglich geübt, aber die Qualität der Flotte erlaubte es mir dieses Jahr nicht, schnell genug aufzuholen. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht, mit diesem Boot in dieser Flotte zu segeln, in der es so viele tolle und erfahrene Segler gibt – ehemalige Olympiasieger, aktuelle Olympiasieger, Segel-GP-Segler und viele Weltmeister aus verschiedenen Klassen. Das ist einfach einzigartig in der Mottenklasse.”

Ergebnisse Moth Worlds 2021

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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