Nacra 17 Analyse: Vorwind geht es nur mit Doppeltrapez

Kinderkrankheiten

Maximilian Said war beim Palma Weltcup an der Vorschot von Charlotte Müller (18, 4. Deutsche Jungdmeisterschaft im 29er 2012) bester deutscher Nacra 17 Segler als 23. Er erklärt die neue Technik mit den gebogenen Schwertern.

Charlotte Müller und Maximilian Said im Nacra 17

Charlotte Müller und Maximilian Said mit gutem Start in der Nacra 17 Flotte. © MartinezStudio SofiaMapfre

Aller Anfang ist schwer! Diese Weisheit mag altbacken klingen und doch sind die ersten Schritte meist diejenigen mit dem meisten Energieaufwand. Sei es der neue Job, die neue Seminararbeit an der Uni, das Entwerfen eines Artikels oder eben der Einstieg in eine neue olympische Bootsklasse.

34 Boote aus 14 Nationen sind trotz aller im Vorfeld kolportierten Probleme vor Mallorca zum ersten europäischen Rennen dieser jungen Klasse angetreten. Und obwohl die Hälfte der Flotte mit Problemen an Beschlägen der Ruderanlage (als Konsequenz wurden Verstärkungen aus Epoxy eingeklebt), dem Herunterklappen und Verschließen der Ruderblätter oder strukturellen Schäden an Schwertkästen und Rümpfen befallen wurde, konnten alle die Serie auch beenden.

Kräfte falsch eingeschätzt

Nacra 17

Große Kräfte entstehen an Ruderblättern und gebogenen Schwertern beim Nacra 17. © MartinezStudio SofiaMapfre

All diese Probleme kann man wohl als Kinderkrankheiten bezeichnen, die allesamt vom Klassenlehrer Nacra mit wahnsinnigem Aufwand bekämpft werden. Es ist offensichtlich, dass die Kräfte am Reißbrett nicht realistisch genug eingeschätzt wurden. Dabei ist im Laufe der Woche klar geworden, welche Ansprüche an Material und auch Besatzung, sowohl jetzt als auch in Zukunft, gestellt werden.

Erste große Erkenntnis: Downwind stehen sowohl Steuermann als auch Vorschoter im Trapez. Dieses Detail wurde seit den Trials in Santander diskutiert, die eigentliche Überraschung war wohl nur, dass bei allen Bedingungen, die wir während der Regatta hatten, in diesem Modus die besten Geschwindigkeiten erzielt wurden.

Narca 17 Start

34 Nacra 17 waren vor Palma am Start. Die Deutschen konnten vorne noch nicht mithalten. © MartinezStudio SofiaMapfre

Diese Technik erfordert viel Übung, vor allem vom Steuermann der ungewohnten Kräften am Ruder und Körper ausgesetzt wird. Charlotte und ich, die spontan zueinander gefunden haben, waren nach ein paar kläglichen Versuchen im Training dazu noch nicht in der Lage. Wir konnten wohl aber durch unser leichtes Mannschaftsgewicht fehlenden Speed durch mehr Tiefe ausgleichen. Andere Teams, die das Doppltrapezen nicht beherrschten, waren hoffnungslos unterlegen.

Schwerter mit maximalem Lift

Bedingt durch ihre Form gewinnt die Einstellung der Schwerter an Bedeutung. Allerdings sind in diesem Bereich bisher keine klaren Trimm-Einstellungen, nur leichte Trends, beobachtet durch alle Leistungsstufen der Flotte, zu erkennen. Sowohl für Up- als auch Downwind gibt es mehrere Varianten die Sinn machen und einige Einstellungen die schlichtweg langsam sind.

Doppeltrapez Nacra 17

Doppeltrapez auch vor dem Wind ist auf dem Nacra 17 schnell. © MartinezStudio SofiaMapfre

Durch das kürzen der Schwerter und das Umstellen einiger Produktionsschritte kann auf allen Kursen mit maximalem „Lift“ gefahren werden, nicht ein einziges Schwert wurde während der Regatta zerbrochen. Umso wichtiger ist es also, hier einen richtigen Trimm zu finden.

DER ordnende Faktor in der Ergebnisliste war dann auch die verbrachte Zeit der einzelnen Teams mit dem neuen Material im speziellen und dem Segeln von Katamaranen im allgemeinen. Die Zeitspanne der Auslieferungen der Boote, die in Palma angetreten sind, liegt zwischen Dezember 2012 und dem 20. März 2013.

Topteams mit Wissensvorsprung

Daraus lässt sich schon ein gewisser Wissensvorsprung der Top-Teams ableiten die allesamt bis zu sechsmal mehr Zeit auf dem Nacra verbringen konnten als wir. Genau bei diesen Booten treten jetzt aber die ersten Krankheiten auf, uns bleibt also der ein oder andere verlorene Segeltag aufgrund von Reparaturen erspart.

Die neue olympische Multihull Mixed Klasse

Die neue olympische Multihull Mixed Klasse ist physisch extrem anspruchsvoll. © MartinezStudio SofiaMapfre

Die Marschroute für die kommenden Monate ist klar. Es gilt, die nächste Stufe im Bootshandling zu erreichen und einen Grundtrimm zu entwickeln. In diesen Bereichen haben wir in Palma die meisten Meter verloren. Startverhalten und Am-Wind Speed waren zumeist durchaus konkurrenzfähig. Die entstandenen Lücken werden wir durch Trainingsfleiß schließen.

Während ich diesen Text schreibe, steht unser Boot schon am Strand von Hyères und wartet darauf bei idealen Bedingungen gesegelt zu werden. Diesmal werde ich mit Lisa Rattemeyer an den Start gehen. Es gilt nach wie vor: Das Boot ist unfassbar toll zu segeln, sehr physisch für einen Katamaran.

Ergebnisse SAR Sofia Mapfre World Cup

Eventseite SAR Sofia Mapfre World Cup

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Maximilian Said

... berichtete direkt von den Trials der neuen Olympia-Klassen für 2016 aus Santander/ESP. Max segelt seit drei Jahren im internationalen F18 Regattazirkus und gehört zum deutschem Nachwuchs mit Perspektive, vielleicht sogar mit Kampagnen Ambitionen.
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3 Kommentare zu „Nacra 17 Analyse: Vorwind geht es nur mit Doppeltrapez“

  1. avatar Christian sagt:

    Tolle Analyse aus erster Hand! Für sowas lieben wir Segelreporter & seine Community.

    Wen man sich vergegenwärtigt, dass Charlotte und Maximilian im Klassement von Palma nicht weit entfernt vom Olympiamedaillengewinner und Vollprofi Iker Martinez liegen, dann nötigt das schon Respekt ab. Und die Gewinner-Teams aus NED und FRA kommen aus Ländern, wo sehr intensiv und auf hohem Niveau Kat gesegelt wird. Dass insbesondere die erst 18-jährige Charlotte als Kat- Novizin gar nicht schlecht aussah im Vergleich, ist schön anzusehen. Weiter so!

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  2. avatar Thorsten sagt:

    Schöner Bericht ! Danke dir Max !

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  3. avatar abcdcat sagt:

    Kann mich Thorsten und Christian nur anschließen! Max, wie wäre es mit einem “Blog”?

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