Nacra17: Foiler-Verletzungen auf dem Olympia-Revier – Kohlhoffs “Hai-Unfall”

"Gruselige Erfahrung"

Nun ist es also wieder passiert. Die Verbindung der Worte “Hai”, “Segler”, “Olympia” führt zu Schlagzeilen. Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlhemmer haben mit ihrem Foiling Nacra17 vor Enoshima einen Crash erlebt.

Es war nur eine kurze Notiz auf ihrer Facebook-Seite. “Hai und Segelboot = keine gute Kombination. Wir sind auf dem Vorwindkurs in einen Hai gecrasht (oder er in uns). Eine ziemlich gruselige Erfahrung. Uns geht es gut, aber das Boot hat einen kleinen Kratzer, beim Hai sind wir uns nicht sicher.”

Das deutsche Duo auf Tragflächen. © Sailing Energy /WS

Die Nachrichten-Agentur SID stieg darauf ein, und schon macht eine schöne Schlagzeile die Runde: “Hai-Unfall im Olympiarevier” .

Da werden Erinnerungen wach. 1992 ärgerte sich Peter Bedei, der damalige Tornado-Bundestrainer, bei der Weltmeisterschaft im australischen Perth über die Nichtbeachtung der Medien. So berichtete er der FAZ über einen Hai-Angriff. Daraus wurde: “Hai-Biss ins Ruderblatt. Die Segler haben mit lauten Oink Oink-Rufen den Hai vertrieben.” Eine PR-Ente, aber die Aufmerksamkeit war gewonnen.

Schwert in den Rumpf gedrückt

Das ist dem besten deutschen Katamaran-Duo mit der Beschreibung ihres Vorfalles nicht zu unterstellen. Denn so unwahrscheinlich ist eine Kollision zwischen der schnellsten olympischen Bootsklasse und allem, was im Wasser schwimmt, nicht. Und bei bis zu 30 Knoten Speed sind die Auswirkungen groß.

Zwei Meter lang soll das Tier gewesen sein. “Wir haben es voll mit dem Schwert mitgenommen. Das Boot ist komplett abgestoppt und das Schwert hat sich etwas in den Rumpf gedrückt”, sagte Kohlhoff über den Trainingsunfall.

In der vergangenen Woche waren sie bei den Pre-Olympics nach einem Sieg im Medalrace starke Sechste geworden und haben ihren Status als eine der größten deutschen Medaillen-Hoffnungen im Segeln bestätigt. Nun hat der folgende Weltcup auf dem Olympiarevier begonnen

Das schwierigste Nacra17-Manöver: Abfallen nach der Luvtonne. © Sailing Energy /WS

Der Vorfall mit dem Hai sollte ihnen nicht so große Sorgen machen. Den Seglern ist bewusst, dass diese Meeresbewohner selbst bei Mittelmeer-Regatten auf dem Rennkurs auftauchen können. Ein gefährlicher Angriff wurde bisher noch nie bekannt. Andererseits sollte man mit exzessiven Kenter-Einlagen sein Schicksal aber wohl auch nicht herausfordern.

Blutende Wunde

Bedenklicher ist die offenbar steigende Verletzungsquote der Nacra17-Segler. Erst im Februar war es zu einem Unfall gekommen, bei dem der dänische Vorschoter Christian Peter Lübeck vom Ruder-Foil getroffen wurde. Zuvor hatte sich der Amerikaner Bora Gulari bei einem Nacra-Foil-Kontakt drei Finger schwer verletzt. Nun ist es am Sonntag in Japan zu einen weiteren Trainings-Vorfall gekommen.

Ein Beobachter berichtet, dass eine italienische Vorschoterin Cecilia Zorzi nach einer Kollision mit einem anderen Boot über Bord stürzte und dabei vom Ruder-Foil getroffen wurde. Es soll eine blutende Wunde am Schienbeinmuskel entstanden sein. Sie wurde von einem Coach auf seinem Motorboot erstversorgt und dann ins Krankenhaus gebracht. Nach drei Stunden konnte sie aber wieder entlassen werden und ist auch beim Weltcup wieder mit Steuermann Lorenzo Bressani am Start.

In dem Bericht heißt es auch, dass es in den vergangenen 20 Monaten beim italienischen Team der sechste Vorfall dieser Art war. Welche Art von Vorfällen in die Rechnung mit einbezogen werden, ist nicht klar. Aber seit die Olympia-Segler die Limits des Foilings ergründen ist es offensichtlich, dass die Verletzungsgefahr steigt.

Jüngster Vorfall ist der Seitenbandeinriss im Knie vom Olympia-Bronze-Gewinner Thomas Zajac aus Österreich. Er verletzte sich bereits in der ersten Wettfahrt der Pre-Olympics in Japan als Vorschoterin Barbara Matz in einem Manöver bei hohem Wellengang auf sein Knie geschleudert wurde. Er musste nun auch den Weltcup absagen und geht seitdem an Krücken.

Wie brutal es bei den Nacras zugehen kann, zeigt ein aktuelles Video des ehemaligen spanischen Tornado-Olympiasiegers Fernando Echávarri mit Vorschoterin Tara Pacheco:

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Nacra17: Foiler-Verletzungen auf dem Olympia-Revier – Kohlhoffs “Hai-Unfall”“

  1. avatar oh nass is sagt:

    Das Video ist wirklich beeindruckend.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

  2. avatar Jörg sagt:

    Bin irgendwie doch froh aus dieser Art von Veranstaltungen jetzt vernünftigerweise altersbedingt raus zu sein.
    Klar, gelegentlich hat es auch schon vorher schwere Unfälle gegeben. Das wissen wir aus eigener leidvoller Erfahrung.
    Das Foiling erhöht die Geschwindigkeiten beim Kat noch einmal dramatisch, führt zu mehr “Grenzsituationen der drohenden Unbeherrschbarkeit” und macht die Sportgeräte obendrein so “scharfkantig”. Das ist nicht ganz ohne…. .
    Wünsche Allen gute Besserung – auch dem Hai!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  3. avatar Wilfried sagt:

    Und was lehrt uns das Video. Man sollte nicht so lange nach hinten sehen sonst übersieht man die nächste Welle und es haut einen weg. Ich hoffe die Vorschoterin hat geschnimpft 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *