Nacra17 Worlds: Kohlhoff/Werner nach Kenterung im Medalrace starke Fünfte

Vom 29er in die Weltspitze

Paul Kohlhoff und Carolina Werner haben mit ihrem fünften Platz bei der Weltmeisterschaft der Nacra17 Katamarane Unglaubliches geschafft und einen wichtigen Schritt Richtung Olympia gemacht. So nebenbei wurden sie noch U24 Weltmeister.

Nacra 17 Worlds

Barfuß in der Ostsee. Das muss ein Australier sein. Und so ist es. © Laurens Morel

Das war dem jüngsten Team in der neuen Olympia-Klasse Nacra17 nicht zugetraut worden. In einem Feld, das vor hochkarätigen Namen nur so strotzt, sind der 20-jährige Steuermann und seine 21-jährige Vorschoterin nahe dran, tatsächlich die Olympia-Fahrkarte zu erobern.

Nacra 17

Paul Kohlhoff und Carolina Hansen bei der Leetonnenrundung. Bei diesen Bedingungen tragen die meisten Crew Helme. © Mogens Hansen

Bei der Weltmeisterschaft im dänischen Aarhus belegten sie Rang fünf und haben damit schon einen der vier offenen Rio-Startplätze für Deutschland gesichert. Ein großer Erfolg, der sogar noch besser hätte ausfallen können. Denn das Duo, das noch 2013 29er gesegelt war, kenterte im Medalrace.

Keine Angst vor Legenden

Zwei Plätze gingen dadurch verloren und zur möglichen Medaille fehlten nur sechs Punkte. Aber am Ende haben die Glücksgefühle überwogen, denn die Nachwuchs-Stars haben erst im März vergangenen Jahres ihre erste Regatta im Nacra17 zusammen gesegelt.

“Wir sind super happy, dass wir die oberste Priorität, den Nationenstartplatz für Deutschland zu sichern, erfüllten konnten. Wir freuen uns riesig über den Junioren-Weltmeistertitel, wissen aber gleichzeitig, dass wir weiter an unserer Konstanz arbeiten müssen“, sagt Paul Kohlhoff.

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Besson/Riou zum dritten Mal hintereinander Weltmeister. © Laurens Morel

Und dabei ist die Konkurrenz in der neuen Olympiaklasse extrem stark. Die Deutschen schlugen den Volvo Ocean Race Skipper und 49er Olympiasieger Iker Martinez (ESP, 9.), den zweifachen Tornado-Bronze-Gewinner Santiago Lange (ARG, 15.), Doppel-Olympia-Silber-Gewinner Darren Bundock (AUS, 16.), Volvo Ocean Race Sieger Franck Cammas (FRA, 22.), 470er Olympiasiegerin Sofia Bekatorou (GRE, 23.) und Tornado Olympiasieger Fernando Echávarri (ESP, 28.) um nur einige der Stars zu nennen.

Aber die beiden Kieler haben keine Angst vor den Segel-Legenden. Bei starkem Wind lieferten sie eine unglaublich konstante Serie ab ausschließlich mit Top Ten Plätzen im Feld der 65 Katamarane.

Schnellaufstieg in die Weltspitze

Niemand hatte zuvor denken können, dass dieser Schnellaufstieg in die Weltklasse möglich sein könnte. DSV und STG hatten wie bei der zweiten neuen Olympiaklasse 49erFX alles versucht, um möglichst schnell ein starkes deutsches Team in die Nacra Spitze zu bringen.

Nacra 17 Worlds

Die Überflieger aus Frankreich Besson/Riou. © Laurens Morel

Im Gegensatz zu den 49ern funktionierte das aber nicht. Die Altmeister Gäbler und Sach versuchten sich ebenso, wie Match Race Spezialistin Silke Halhbrock. Aber es schien kein Team in Sicht, dem man zutrauen konnte, die Qualifikation für 2016 schaffen zu können.

Anfang der aktuellen Saison kamen noch 49er Segler Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann dazu, die auf Anhieb in der Nacra Goldflotte punkten konnten. Ob sie den nötigen internen Druck aufgebaut haben, um Kohlhoff/Werner noch weiter nach vorne zu puschen? In Aarhus landeten sie noch auf Rang 31. Aber vor der ersten internen Qualifikation bei der EM 2015 in Barcelona zeigen auch sie eine starke aufsteigende Tendenz.

Selbstvertrauen durch Weltcup Ergebnis

Jedenfalls gaben Kohlhoff/Werner danach richtig Gas, und wurden zehnte beim World Cup in Hyères. Das hat offenbar das nötige Selbstvertrauen gegeben, das nötig ist, um in der Weltspitze mitzuhalten.

Nacra 17 Worlds

Hardcore Bedingungen auf der Oststee. © Laurens Morel

David Howlett, Head Coach des Deutschen Segler-Verbandes sagt: „Platz fünf und Junioren-Weltmeister – was für ein wunderbarer Erfolg für Paul Kohlhoff und Carolina Werner. Einen großen Anteil daran haben natürlich auch ihre Trainer Rigo de Nijs und Mark Bulkeley, die sie abwechselnd betreuen.

In Aarhus profitierten die Youngster zwar auch von den vielen ausgefallenen Rennen wegen zu starken Windes. So konnten nach der Qualifikation nur drei Finalrennen gesegelt und keines davon gestrichen werden. Aber da waren die beiden eben ganz stark.

Das Gesamtergebnis gibt auch keinen Anlass zu der Annahme, dass es sich um besonders unübliche Bedingungen handeln könnte. Denn den Franzosen Billy Besson und Marie Riou gelang es, die dritte Nacra 17 WM in Folge zu gewinnen. Sie siegten in sechs ihrer neun Rennen.

Topstars unter Top Drei

Auch das zweitplatzierte australische Duo Jason Waterhouse/Lisa Darmanin war schon WM 3. und die holländische Olympia-Silber Gewinnerin 2008 Mandy Mulder mit F18 Doppelweltmeister Coen de Koning belegte beim Weltcup 2015 in Hyères Platz zwei.

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Helme machen Sinn auf den Nacra 17 Kats bei Starkwind. © Laurens Morel

Die Olympiafahrkarte ist aber noch längst nicht gesichert. Am Ende einer dreiteiligen Qualifikationsserie müssen Kohlhoff/Werner unter den besten zehn Nationen plaziert sein. Und es gibt keine Nation die zwei Teams unter den Top Ten hat.

Aber schon jetzt haben die beiden Youngster so viel erreicht, wie es niemand von ihnen erwarten konnte. Schön, dass es solche Geschichten im deutschen Segelsport wieder gibt.

Ergebnisse Nacra 17 Worlds 2015

Nacra 17 Worlds

Carolijn Brouwer. Eben noch mit dem SCA Team um die Welt, nun für Belgien bei der WM. © Laurens Morel

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Nacra17 Worlds: Kohlhoff/Werner nach Kenterung im Medalrace starke Fünfte“

  1. avatar Holger sagt:

    Wir freuen uns alle total für Caro & Paul und diesen herausragenden Erfolg eines Teams hervorgegangen aus der jahrelangen konsequent modernen Aufbauarbeit in der 29er Klasse im KYC in Strande

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 1

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