Notausrüstung: Notrigg nicht mehr nötig – Yves Parlier rüstet Vendée-Skipper mit Drachen aus

Rettungsschirm

Wenn irgendwo  im Nirgendwo auf See die Palme von oben kommt, sind Segler hilflos. Oft müssen sie sich abbergen lassen. Der legendäre Yves Parlier hat ein Gegenmittel entwickelt.

Bei der vergangenen Vendée Globe kamen 11 von 29 Yachten nicht ins Ziel. Es wäre ein Wunder, wenn es bei neunten Auflage der Regatta seit 1989 eine deutlich bessere Quote gäbe.  Schiffe werden ihre Kiele verlieren, Foils und Ruder abbrechen, Strukturprobleme aufweisen, mit Energie-Ausfällen ausscheiden.

Das alles sind Schäden, die das Regatta-Resultat nachhaltig beeinträchtigen. Besonders schwierig wird es aber, wenn das Rigg verloren geht. Wenn mitten im Nirgendwo eine Segelyacht keinen Antrieb mehr hat, kann es besonders gefährlich werden. Oder teuer, weil die Yacht nicht mehr in Sicherheit gebracht werden kann und auf einen Schlepp angewiesen ist.

Der Drachen im Einsatz auf einem Sportboot. © LibertyKite

In einer solchen Situation werden Skipper erfinderisch. Sie basteln sich Notriggs, mit denen sie einen Hafen erreichen können. Die legendärste aller Vendée-Globe-Stories zu diesem Thema hat Yves Parlier abgeliefert. Der heute 59-Jährige führte vor fast 20 Jahren die Regatta im Southern Ocean an, als der Mast in drei Teile brach. Mit einem Notrigg schleppte er sich zur Stewart-Insel vor Neuseeland und bastelte sich dort in zehn Tagen ein neues Rigg, mit dem er die Regatta sogar abschließen konnte.

Dieses Erlebnis hat ihn inspiriert, sich mit einem einfachereren Rettungssegel zu befassen, das keinen stabilen Mast erfordert. Seit 2007 beschäftigt er sich mit Kitesystemen. Er gründete die Firma LibertyKite und suchte auch nach Möglichkeiten, die in der Berufschifffahrt eingesetzt werden können.

LibertyKites auf einem IMOCA ohne Mast. © LibertyKite

2017 brachte er eine Version für Sportboote auf den Markt, und diese soll jetzt so ausgereift zu sein, dass sie auch für die Cruiser-Szene attraktiv scheint. Wenn sich aktuelle Vendée Globe-Skipper davon überzeugen lassen, LibertyKites mit auf die Runde um die Welt zu nehmen, ist das jedenfalls ein gutes Zeichen.

Im Video oben treten Damien Seguin und Mitfavorit Thomas Ruyant als Kunden auf. Der Drachen soll sich für das Ziehen von Sportbooten zwischen 4 und 18 Metern eignen und auch bei Motorschäden helfen. Eine Person kann ihn setzen, damit manövrieren und bergen. Besondere Kenntnisse im Kitesurfen sollen nicht nötig sein.

Parlier verkauft zwei Schirmgrößen im online Shop. Der 10 qm Kite kostet 1450 Euro, für 20 qm muss man 1950 Euro zahlen.

Tipp: André Mayer

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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