Ocean Race: 25 Millionen für eine IMOCA-Kampagne – Bekking bevorzugt VO65

"IMOCA lässt sich schwer verkaufen"

Das Wort des Holländers Bouwe Bekking (55) hat nicht erst nach Bronze mit Brunel bei seinem achten Volvo Ocean Race Gewicht. Er kritisiert die aktuelle Entwicklung wie auch die America’s-Cup-Ambitionen seines Landes.

Ein sichtlich angeschlagener Bouwe Bekking lässt sich nicht die Sieger-Zigarre am Kap Hoorn nehmen. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

Bouwe Bekking war spät dran mit der Vorbereitung zum vergangenen Volvo Ocean Race. Und trotz – oder gerade wegen – der jungen America’s Cup-Sieger Kyle Langford und Peter Burling an Bord, kam sein gelber Renner nicht in Fahrt. Die Regatta drohte für den alten Haudegen zu einem Desaster zu werden.

Aber das Onedesign-Prinzip der VO65-Yachten ermöglichte die Aufholjagd. Das Brunel-Team zog aus Trimm-, Technik- und Strategie-Analysen die richtigen Schlüsse und legte nach der Hälfte des Rennens die beste Serie hin mit 1/2/1/1. Im dramatischen letzten Rennen wäre sogar der Gesamtsieg drin gewesen, aber Rang vier reichte nicht aus.

Brunel ist bei 40 Knoten Wind der Chef im Ring. © Ainhoa Sanchez /VOR

Nun wird Bekking auch als logischer Teilnehmer für die nächste Auflage gesehen. Aber so richtig begeistert ist er von der neuen Entwicklung nicht. In einem Interview mit dem französischen Journalisten Pierre-Yves Lautrou antwortet er auf die Frage, ob er 2020 noch einmal dabei sein werde:

“Bei mir ändert sich nichts. Es ist ein fantastisches Rennen. Ich liebe es einfach, da draußen zu sein. Körperlich bin ich immer noch stark genug, aber es ist verdammt schwer, rechtzeitig ein ausreichendes Budget zu bekommen. Am liebsten würde ich morgen anfangen. Aber die Finanzierung ist der schwierige Teil. Wenn wir nicht wirklich wissen, wie das Boot aussehen muss, um die bisher unbekannte Route erfolgreich zu segeln, ist es sehr schwierig das bei Sponsoren zu verkaufen.”

24 bis 25 Millionen Euro

Brunel sei mit dem vergangenen Rennen sehr zufrieden gewesen, und sie würden es auch wieder machen, aber es gebe eben noch zu viele Unbekannte in der Rechnung.  Die große Frage: Geht man mit einem IMOCA oder VO65 an den Start? “Der IMOCA ist deutlich teurer. Die Boote selbst sind teuer und dann kann man drei Sätze Tragflächen bauen, also zwei zusätzliche, das kostet viel Geld. Ich denke man benötigt 24 bis 25 Millionen Euro.”

Er scheint wenig Hoffnung zu haben, ein solches Budget zusammen zu bekommen. Zumal die America’s-Cup-Initiative in Holland Gelder bindet. Der ehemalige Volvo-Ocean-Race-Gegner Simeon Tienpont (AkzoNobel) versucht die Niederländer an den Cup-Start zu bringen.

Volvo Ocean Race

Der Brunel VO65 unter Vollzeug. © Sam Greenfield/Volvo Ocean Race

Bekking urteilt hart: “Ich würde sie nicht sponsern, wenn ich ein Unternehmen hätte. Es ist viel Geld, die man für eine nur kurzzeitige Außendarstellung erhält.  Dabei besteht auch noch die Gefahr, dass man in der ersten Runde ausscheidet. Außerdem sind sie spät dran.”

Wenn das Protokoll eingehalten werde, könnten sie im Oktober sogar disqualifiziert werden, weil sie bis dahin eigentlich zwingend mit einem eigenen Boot bei der ersten Vorregatta teilnehmen müssten. Das kann dann aber noch nicht fertig sein. Die Meldung kann nur im Falle einer Protokoll-Änderung valide bleiben. Die Zustimmung insbesondere von Luna Rossa ist aber offen. “Ich hoffe nur, dass sie nicht das Geld von Sponsoren verbrennen”, sagt Bekking.

Vier Männer und eine Frau

Für das Ocean Race sieht aber auch große Probleme, an den Start zu kommen. “Die Regeln sind hart. Auf den IMOCA segeln vier Männer und eine Frau. Bei den VO65 sind es zehn Leute, sieben müssen unter 30 sein und zwei unter 26. Es sind zwei völlig unterschiedliche Spiele. Die IMOCA gehst du mit erfahrenen Leuten, die das Rennen schon einmal gemacht haben, auf dem 65er sind es Youngster.”

Sponsoren werden fragen, warum man für die Teilnahme mit einem IMOCA gut das Doppelte zahlen muss als mit einem VO65. Und sie werden nach den Siegchancen fragen.
“Für den 65er können wir ehrlich sagen: ‘Wir haben eine sehr gute Gewinnchance, weil wir alle das gleiche Boot haben’.”

Das gelte für den IMOCA nicht. “Es besteht die Chance, dass man ein langsames Design erwischt. Dann kann das Rennen sehr lang werden.” Außerdem sei die Gefahr von Bruch auf den neuen IMOCAs größer als bei den schon zweimal um die Welt gesegelten VO65. “Wenn man ehrlich zum Sponsor ist, wird die IMOCA-Option schwerer zu verkaufen sein.”

 

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Ocean Race: 25 Millionen für eine IMOCA-Kampagne – Bekking bevorzugt VO65“

  1. avatar Meilenfresser sagt:

    Kluger Mann!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

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