Ocean Race: Acht Etappen, aber wo geht es hin? – Zwei Jugendteams in den Startlöchern

IMOCA-Dilemma

Die Ankündigung des Volvo Ocean Race Nachfolgers war mit Spannung erwartet worden, aber die entscheidenden Fragen sind noch nicht beantwortet worden.

Für die Pressekonferenz des Ocean Races war sogar ein Live-Stream eingerichtet. So konnte man darauf hoffen, dass etwas Licht ins Dunkel strahlen würde und einige brennende Fragen beantwortet werden würden. Wie soll der Kurs aussehen, welche Häfen werden angelaufen, wie werden die neuen Crew-Regeln definiert?

IMOCA (l.) versus Volvo65 beim nächsten Ocean Race © Martinez/Gitana
© Stichelbaut/Dongfeng

Auf diese Informationen warten insbesondere die potenziellen Teilnehmer. Denn davon hängt stark das Budget ab und die Konkurrenzfähgkeit bestehender Designs. Wenn zum Beispiel in den arabischen Golf gekreuzt werden muss, oder gleich viermal die flauen Doldrums gequert werden müssen, um einen Abstecher nach China zu unternehmen, dann hat das große Auswirkungen für die Designer.

Sobald sich die Flauten- oder Kreuzanteile erhöhen, verändert sich die Form der potenziell siegbringenden Konstruktion. Das hätte besonders für die Foiler dramatische Konsequenzen. Die zurzeit neun Neubauten der IMOCA-Klasse sind für den Highspeed-Nonstop-Kurs um die Welt optimiert, aber auf einem Kurs wie beim vergangenen Volvo Ocean Race wären sie wohl chancenlos im Vergleich zu den Booten, die genau auf die abzusegelnde Route und die zu erwartenden Bedingungen zugeschnitten sind.

Einfach nur den Kurs absegeln?

Das war bei der vergangenen Onedesign-Flotte der VO65 naturgemäß kein Problem, aber mit der nun offenen Design-Regel der IMOCA kommt das Dilemma zum Tragen. Es war eine nette Idee, die Einhand-Foiler auch für das Etappen-Rennen mit Crew ins Spiel zu bringen, wenn man sie wirklich für beide führenden Ocean-Veranstaltungen nutzen kann. Aber in der Realität wird das nicht passieren, wenn man einen größeren Anspruch hat, als einfach nur den Kurs abzusegeln. Schließlich sieht eine Yacht für eine Fünfer Crew, die per Hand gesteuert wird auch anders aus, als ein Einhand-Rennyacht optimiert für den Autopilot-Modus.

Dongfeng

Dongfeng segelte am schnellsten um den Planeten. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Xabi Fernandez geht davon aus, dass die Ausgaben für ein IMOCA-Projekt beim Ocean Race mit 25 Millionen Euro fast das Dreifache betragen im Vergleich zu den VO65. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass die Veranstalter in Alicante noch keine ernsthaften Anmeldungen präsentieren konnten.

Johan Salén, Geschäftsführer der neuen Ocean-Race-Organisation, ließ zwar Großes erwarten als er in Alicante das Wort ergriff und äußerte: “Dies ist ein großer Moment für das Ocean Race.” Aber dann folgten doch wenige Fakten.

Zwei VO65 Projekte

Immerhin scheint die Onedesign-Idee mit den VO65, die als Jugendklasse parallel zu den IMOCA um die Welt segeln soll, zu funktionieren. Zwei Teams wurden vorgestellt. Die Mirpuri Stiftung, die beim vergangenen Rennen hinter dem Team Turn the Tide on Plastic stand, will erneut ein Team um die Welt segeln lassen und möglicherweise auch mit einem IMOCA an den Start gehen. Außerdem stellt die junge Neuseeländerin Bianca Cook, die auf Turn the Tide segelte, zusammen mit dem erfahrenen Tony Rae ein Kiwi Team für ein VO65-Projekt auf die Beine.

Erste Yacht der neuen IMOCA-Generation. “Charal” hebt ab. © Yvan Zedda

Der Veranstalter ließ immerhin wissen, dass neun Etappenhäfen angesegelt werden sollen. Ein Stopp sei schon sicher mit Newport in Rhode Island/USA.

Auch Boris Herrmann will versuchen, nach der Vendée Globe das Volvo Ocean Race zu stemmen. Das ist aus seiner Sicht ein logischer Schritt. Man mag nur hoffen, dass die  neue Foiler-Generation nicht den großen Schritt macht, den viele erwarten. Bei der vergangenen Vendée Globe und der Route du Rhum gehörte sein Schiff aus dem Gitana-Rennstall auf dem Papier zu den drei Schnellsten. Aber nun dürften gleich neun Neubauten a la “Charal” die Hierarchie in der Klasse deutlich verändern.

Aber auch Herrmann ist nicht untätig. Er optimiert fortlaufend sein Schiff mit dem internationalen Team.

So gehört er für das 2000 Meilen Einhand-Rennen Bermuda 1000, das am 8. Mai startet, zu den Favoriten. Es führt von Douarnenez um die Azoren und den Fastnet-Felsen zurück nach Frankreich zum Ziel in Brest. 18 Skipper haben gemeldet, und die Generation der Neubauten ist noch nicht am Start.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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