Ocean Race: Bald startet das nächste IMOCA-Rennen – Mit welchen Vendée Globe-Skippern?

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

Die letzten Vendée Globe-Teilnehmer sind noch nicht im Ziel, da starten schon die nächsten IMOCA-Projekte – diesmal mit (kleiner) Crew. The Ocean Race wirft seinen Schatten voraus.

Nicolas Troussel war einer der ersten prominenten Ausfälle bei der Vendée Globe. Vor seinem Mastbruch zeigte er, warum er trotz der kürzesten Vorbereitungszeit aller Teilnehmer – seine CORUM L’Épargne lief erst im Mai vom Stapel – zum Kreis der Geheimfavoriten zählte. Er segelte stabil in der Spitzengruppe. Das neue Design des Argentiniers Juan Kouyoumdjian funktionierte.

Corum l’Epargne der aktuell jüngste IMOCA will nun auch im Crewmodus segeln. © Eloi Stichelbaut / polaRYSE / Corum l’Epargne

Aber schon nach einer Woche kam das Aus. Die Sensoren für die Lastmessungen beim Onedesign-Rigg sollen nicht richtig funktioniert haben, munkelt man in der Szene. Troussel landete auf den Kapverden.

Seitdem hatte Troussel ausreichend Zeit, sich Gedanken über das folgende Programm zu machen. Nun hat er bekannt gegeben, mit dem CORUM L’Épargne Sailing Team bei der ersten Auflage des The Ocean Race Europe teilzunehmen. Das Rennen soll alle vier Jahre jeweils im Vorjahr des Ocean Races um die Welt stattfinden. Es führt über fünf Etappen von der französischen Atlantikküste ins Mittelmeer.

Bisher hielt sich die Euphorie in Grenzen

Zum Startzeitpunkt heißt es bisher nicht mehr als “Frühjahr”. Ende Mai oder Anfang Juni soll es wohl so weit sein. Aber lassen sich genügend Teams darauf ein? Die Onedesigns der VO65-Klasse sind eingeladen wie auch erstmals die IMOCAs. Deshalb wird mit Spannung erwartet, wer schließlich im Crewmodus an der Startlinie erscheint. Ob der Aufmerksamkeitsschwung für der Vendée Globe auch für The Ocean Race genutzt werden kann?

Bisher hielt sich die Euphorie der Spitzen-Skipper eher in Grenzen. Alex Thomson hat längst seine Abneigung für das Rennen kund getan. Von den aktuellen VG-Teilnehmern stehen bisher Thomas Ruyant mit Namen auf der IMOCA-Liste und Boris Herrmanns Malizia-Team. Aber der Deutsche hatte zuletzt auffällig selten über The Ocean Race gesprochen. Für das Europa-Rennen hätte er vorerst wohl auch kein eigenes Boot zur Verfügung. Jérémie Beyou (Charal) hatte sich immerhin vor der Vendée Globe positiv über eine Teilnahme beim Ocean Race Europe geäußert.

Beim Offshore Team gehört Phillip Kasüske (2. v. r.) weiter fest zum Team von Skipper Robert Stanjek (3. v. r.) und Teammanager Jens Kuphal (rechts. Foto: OTG

14 Teams stehen bisher auf der IMOCA-Liste des auf den Herbst 2022 verschobenen Hauptevents. Aber das muss noch nicht viel heißen. Der veröffentlichte Name besagt nur, dass jeweils 5000 Euro bezahlt wurden, um von der Organisation Zugang zu wichtigen Informationen zu bekommen. Darunter befindet sich auch das Offshore Team Germany um Skipper Robert Stanjek.

Neuer Rennstil im Crewmodus

Die Ankündigung von Corum, beim Ocean Race Europe mitzumachen, ist nun ein wichtiges Zeichen für den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Sie war zuletzt auch durch den wegen Corona ins Stocken geratenen Sponsor-Markt, unter Druck geraten war.

Nun sagt Skipper Nicolas Troussel zweifacher Sieger bei der Solitaire du Figaro: “Das ist eine schöne neue Herausforderung für uns. Bei dem Rennen im Crew-Modus werden wir einen neuen Rennstil kennenlernen. Es passt für die diesjährige Rennsaison gut in unseren Kalender.”

Nicolas Troussel (46) – zweimaliger Figaro-Sieger. © VG 2020

Bisher ist nicht klar, ob sich gerade die neuen für den Vendée-Globe-Kurs spezialisierten Rennmaschinen auch für The Ocean Race eignen. Denn auf den neun Etappen um die Welt soll bis zu 60 Prozent der Gesamtstrecke am Wind gesegelt werden. Das mag den neuen Foilern nicht unbedingt schmecken.

“Es wird interessant sein, das Boot in einer Konfiguration mit voller Crewstärke zu segeln”, sagte Troussel. “Wir müssen immer noch lernen, wie man das volle Potenzial des Bootes ausschöpft.” CORUM L’Épargne lief erst im Mai 2020 nach einem Jahr Bauzeit vom Stapel. Kaum einer in der Szene glaubte, dass Troussel noch rechtzeitig an die Startlinie käme. Aber der unter der Regie von Vendée-Globe-Sieger Michel Desjoyeau entstandene IMOCA sorgte schließlich mit vielen innovativen Elementen und einem von Kennern als spektakulär bezeichneten 3DI-Segelsatz von North Sails für Aufsehen.

Umbau auf Radsteuerung

Es ist zu vermuten, dass ein auf die Vendée Globe spezialisiertes IMOCA-Design nicht auch das Ocean Race gewinnen kann. Das favorisierte 11th Hour Racing Team um den US-Skipper Charlie Enright beschäftigt sich deshalb schon seit einiger Zeit mit einem Neubau für die Regatta. Es hat Alex Thomson alte Hugo Boss gekauft und ausgiebig getestet, um schließlich die richtigen Schlüsse für das Design zu ziehen.

Der neue IMOCA-Foil bei der alten Hugo Boss mit kleinem Flügelchen für bessere Amwind-Eigenschaften. © 11th Hour Racing

Dabei soll der neue 60Fußer mehr Höhe auf der Kreuz abliefern und mehr Platz unter Deck bieten. Die Anzahl der Crew ist zwar schon von fünf auf vier reduziert worden – inklusive mindestens einer Frau – aber auch das wird auf den bestehenden Solo-Yachten eng.

Außerdem wird wohl nicht mehr mit der Pinne, sondern von zwei Ruderständen aus per Rad gesteuert. Anders als im Solo-Modus darf der Autopilot nur im Kompassmodus eingestellt werden und nicht die aktuellen Winddaten einbeziehen. Es ist also am schnellsten, wenn zu 100 Prozent von Hand gesteuert wird. Das dürfte für einige aktuelle IMOCAs einen größeren Umbau erfordern.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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