Offshore-Foiler mit Vendée-Globe-Vorbild: 40 Fußer nach neuestem Stand der Technik

Mit Höhenruder

Die Regelhüter der Vendée Globe haben die technischen Möglichkeiten der IMOCAs aus guten Gründen beschnitten. Der MW40OF dagegen soll als Offshore-Racer zeigen, was wirklich möglich ist.

Im Speed-Modus mit Neigekiel. © Wilson / Marquinez Naval Architecture

Die Entwicklung der aktuellen IMOCA-Klasse, die bei der Vendée Globe und später auch beim Ocean Race eingesetzt wird, ist künstlich begrenzt worden, um Kosten zu sparen und insbesondere die älteren Konstruktionen im Spiel zu halten. So ist es zum Beispiel verboten, T-Foils am Ruder anzubringen, die quasi als Höhenruder einen noch stabileren Flug über das Wasser ermöglichen.

Zwei Ruderblätter, anders als bei den IMOCAs mit T-Foil. © Wilson / Marquinez Naval Architecture

Wie der aktuelle Wissenstand zu einem effektiven Offshore Foiler führen könnte, will schon ein Team um den Italiener Roberto Lacorte mit einem Foiling-MiniMaxi zeigen. Dieses Projekt lehnt sich aber eher an die Technik der aktuellen America’s Cupper an, die mit Foil-Armen ausgerüstet sind.

Das Luv-Foil ist hochgezogen. © Wilson / Marquinez Naval Architecture

Nun haben die argentinischen Laureano Marquinez und Nahuel Wilson ihr neues Konzept MW40OF vorgestellt, das einen 40-Fußer ins Fliegen bringen soll. Dabei folgt es eher der Optik eines aktuellen IMOCA mit weit ausladenden, gebogenen Seitenflügeln.

Mit hochgezogenen Foils auch im Hafen manövrierbar. © Wilson / Marquinez Naval Architecture

Die Reputation von Wilson/Marquinez Naval Architecture entstammt allerdings weniger der Vendée-Globe-Szene. Die Konstrukteure haben sich mit dem Persico 69F einen Namen gemacht, einem fliegenden Dreimann-Kielboot, durch das unter anderem MiniMaxi-Eigner Lacorte auf den Geschmack gekommen ist.

Roberto Lacorte steuert einen Persico 69 Foiler am Gardasee. © Persico 69F / Studio Borlenghi

Die Argentinier haben die Beherrschbarkeit der Flugtechnik bewiesen und wollen nun mit dem MW40OF einen Offshore-Racer mit vollen Foiling-Fähigkeiten auf den Markt bringen. Er ist für eine fünfköpfige Crew gedacht und mit vollkommen einziehbaren gebogenen Foils, Neigekiel und T-Foils an den Doppelrudern ausgestattet.

Auftrieb durch Neigekiel

Verlockend sei eine Konstruktion ohne aufwendigen Neigekiel gewesen. Aber schließlich habe man auf den Auftrieb durch die angestellte Kielfinne nicht verzichten können. Dieser sei sehr effektiv in Verbindung mit den stark gebogenen Tragflächen, die ihre größte Leistung erzeugen, wenn sie mit leichter Krängung gesegelt werden.

Das Rendering beweist: Das Boot funktioniert auch bei spiegelglattem Wasser 🙂 © Wilson / Marquinez Naval Architecture

Erste Speed-Vorhersagen zeigen, dass bereits bei 12 Knoten Wind zwischen 19 und 30 Knoten schnelle Flugphasen möglich sein sollen. Die Steuerung erfolgt per Doppelsteuerrad. Ein Grinder wird integriert, um ein schnelles Trimmen des Großsegels beim Foilen zu ermöglichen.

Die Designer sagen, das Konzept sei nach dem Gespräch mit zahlreichen potentiellen Kunden entstanden. Daraus hätte sich ergeben, dass offenbar Bedarf für einen solch neuen Typus des fliegenden Offshore Foilers bestehe.

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Carsten Kemmling

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