Offshore-Mädchen: Mit 15 im Opti über den Ärmelkanal, mit 18 bei der Mini-Transat

Karriere im Schnelldurchlauf

Beim Transgascogne Race, dem letzten großen Test vor der Mini Transat, überrascht derzeit eine junge Frau. Vor drei Jahren segelte Violette Dorange noch Optimist, nun rundete sie die erste Marke auf Rang zwei.

“Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es geklappt hat”, sagte Violette Dorange vor drei Jahren in Cherbourg. Die 15-Jährige war gerade knapp 60 Meilen am Stück über den Ärmelkanal gesegelt – mit ihrem Optimisten. Die Zeit: 13:30 Stunden.

Violette Dorange, Mini Transat

Violette Dorage bei der Überquerung des Ärmelkanals mit ihrem Opti im Alter von 15 Jahren. © dorange

Sie berichtete ausführlich über ihr Abenteuer, bezwang danach auch noch im Opti die Straße von Gibraltar, und viele sahen in ihr schon ein neues “Segelmädchen” a la Laura Decker, das zum großen Schlag ausholt. Schon wurde vermutet, der Vater wolle mit seinem Schützling einen einfachen PR-Coup landen. 

Violette Dorange, Mini Transat

Violette im Opti-Hochsee-Modus © dorange

Aber längst ist klar, dass mehr hinter Violette Dorange steckt, als manch einer glauben mochte. Die Französin war schließlich schon im Optimisten außergewöhnlich gut als EM 4. in der Frauenwertung (2015). Doch auch danach gab sie klassisch auf der Regattabahn Gas.

Violette Dorange, Mini Transat

Außergewöhnlich: Als 420er Steuerfrau drei Medaillen bei den Youth Worlds. © dorange

Gleich dreimal qualifizierte sie sich bei den Youth Worlds für den jeweils einen Spot pro Nation und holte genauso viele Medaillen – zweimal Bronze, einmal Silber – zuletzt  2018. Eine erstaunliche Leistung, die noch nicht vielen Seglern auf diesem Planeten geglückt ist.

Violette Dorange

Die ersten Meilen auf einer Mini-Yacht © Dorange

Damit beweist sie Überflieger-Talent. Und wie das in Frankreich so ist, bleiben solche Auffälligkeiten nicht unbemerkt. Dorange konnte Sponsor-Gelder einsammeln und schon im vergangenen Jahr einen neuen Pogo-Serien-Mini kaufen.

Sie segelte damit bereit sieben Regatten, trainierte intensiv im Einhand-Trainingszentrum von Port la Foret und modifizierte ihren ursprünglichen Plan, erst 2021 die Mini-Transat zu segeln. Nun startet sie schon im September 2019 auf dem Rennkurs über den Atlantik. Dabei beläuft sich ein Mini-Transat-Budget auf mindestens 120.000 Euro.

Violette Dorange

Violette mit ihrem Pogo-Mini von 2018.

Aber scheinbar hat sie schon jetzt ein nicht für möglich gehaltenes Niveau erreicht. Beim Mini Fastnet im Juni behauptete sie lange Zeit Rang sechs unter den Besten. Und nun rundete sie aktuell beim Transgascogne Race, dem wichtigsten Test vor der Mini-Transat, im Feld der 48 Serienboot die erste Wendemarke nach gut 50 Meilen auf Rang zwei. Inzwischen segelt sie auf Platz sechs 7,6 Meilen hinter dem Führenden.

Violette Dorange

Violette Dorange qualifiziert für die Mini Transat.

Hendrik Witzmann ist bei den Serien-Minis auf Platz 19 unterwegs. Morten Bogacki segelt in der Proto-Klasse zurzeit auf Rang fünf knapp 16 Meilen hinter dem Führenden.

Interessant am Rande: Ganz nah dran an der Spitze segelt Tanguy Bouroullec mit seinem Pogo-Kraken-Foiler Cerfrance. Bei leichtem Wind kann er ihn zurzeit nicht voll ausfahren, er glänzte aber schon mit enormen Speed-Boosts.

Transgascogne Tracker

 

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Offshore-Mädchen: Mit 15 im Opti über den Ärmelkanal, mit 18 bei der Mini-Transat“

  1. avatar Roar sagt:

    Der Kraken-Foiler liegt aktuell auf Rang 1

    Die seinerzeit von Frank Eckard bezweifelte Überzeugung der Werft hinsichtlich des Kraken-Foil-Konzepts hat sich also bereits voll bestätigt.

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  2. avatar breizh sagt:

    Zum Schluss ist Tanguy Bouroullec dann als Dritter durchs Ziel gegangen und der OTG Mini auf auf dem fünften Platz. Violette Dorange auf einem sehr respektablen sechsten Platz und Hendrik Witzmann auf einem 15. Platz.
    Wo sind denn eigentlich die anderen deutschen Miniisten? Vermisse den Mini von Trans Ocean und auch Lina Rixgens hat doch auch einen neuen Mini und hätte gleich einmal testen können?

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    • avatar F. Marx sagt:

      Die TO-Kampagne hat sich ja leider gefaltet. Allerding war Maurice Oster mit dem TO Schiff zusammen mit dem Konstrukteur des Schiffes Etienne Bertrand am Start und wurde 3. in der Doppelwertung. Schade, dass das nicht im Bericht erwähnt wird. Er könnte sicherlich die Publicity gebrauchen, wenn er versuchen will auf eigene Faust weiter zu machen.

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      • avatar breizh sagt:

        In der Duo Wertung habe ich gar nicht nachgeschaut. Was heißt denn „gefaltet“? Ist das Projekt gestorben? War nicht der NRV auch als Unterstützer dabei? Die wollten doch groß in den Offshore Support einsteigen oder hatte ich das letztes Jahr nach ihrem Atlantik Rennen falsch verstanden.
        In Summe aber sehr schade um das Projekt, wenn es schon gestorben ist.

        Das über Maurice Oster Teilnahme nicht berichtet wurde, ist schade. Manchmal würde ich mir hier auch etwas mehr Recherche bzw. Details bei einigen Berichten wünschen.

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