Offshore Olympia Mixed: Erster Test in New York – Zweihand mit der Melges 24

Gemischte Gefühle

Nach dem ganzen Ärger um die Olympia-Entscheidung 2024 für Paris wollen die Amerikaner das Mixed-Format bei einer erster Regatta testen. Doublehanded mit Melges 24. Ein Witz?

Melges 24, die Mutter aller Sportboote. Wie soll das klappen mit nur zwei Personen offshore? © Melges Class

Die Amerikaner wollen Vorreiter sein. Sie haben sich beim World Sailing Meeting in Florida intensiv für die neue Olympia-Klasse Doublehanded-Mixed-Offshore eingesetzt und waren erfolgreich. Besonders aktiv war Gary Jobson, Vizepräsident beim Weltsegler-Verband, ehemaliger Cup-Taktiker und langjähriger America’s Cup-Kommentator. Der 68-Jährige scheint sich auf die Fahne geschrieben zu haben, die neue Disziplin medial olympiatauglich zu machen. Jedenfalls unterstützt der America’s Cup-Sieger von 1977 die Vorbereitungen zu dem ersten Test massiv.

Oakcliff Sailing, eine Organisation, die Olympia-Bemühungen der US-Segler bündeln will,  veranstaltet vor New York die erste mixed Zweihand-Regatta nach olympischem Vorbild für 2024. Mit identischen Kielbooten soll Mitte Mai im Long Island Sound ein 16-24 Stunden dauerndes Langstreckenrenen für Mixed-Teams stattfinden.

Die Oakcliff Veranstalter bereiten ihre Melges 24 Flotte für das Rennen vor.  Sechs Boote sollen mit aller nötigen Ausrüstung für solch eine Herausforderung auf hoher See ausgestattet werden inklusive Autopilot, AIS, GPS, reffbare Großsegel und Sicherheit-Ausstattung.

Live Stream von Bord

Jedes Boot wird mit Kameras ausgestattet sein, die einen Live-Stream übertragen. Damit soll die Medientauglichkeit der neuen Disziplin als Plattform für potenzielle Sponsoren demonstriert werden. Ein Boot wird auf dem Kurs mitfahren, um zusätzliche Medienberichterstattung, Kommentare und Live-Interviews per Mobilfunk zu ermöglichen und die Kosten niedrig zu halten.

Die Rennleitung soll in der Lage sein, die Streckenlänge entsprechend der Wetterbedingungen anzupassen, so dass das erste Team die Ziellinie innerhalb eines definierten Übertragungsfensters überquert.

Bei diesem Rennen wird auch eine internationale Jury eingesetzt, die während des Rennens telefonisch Proteste hören kann, so dass das erste Boot über die Linie wirklich der Gewinner ist.

Wie einfach Offshore mixed sein kann

“Wir erwarten von anderen Organisatoren auf der ganzen Welt, dass sie mit dem neuen Format experimentieren”, sagt Dawn Riley die Chefin von Oakcliff. “So wird man erkennen, wie einfach Offshore-Zweihandsegeln sein kann.”

Die größte Kritik war die teure Vorbereitung einer möglichen Olympia-Kampagne wegen des kostspieligen Bootsmaterials. Aber die Organisatoren planen offenbar nach dem Prinzip der internationalen Match-Race-Tour auf bestehende Flotten mit verschiedenen Bootstypen zurückzugreifen.

Sobald allerdings klar ist, mit welchem Design in Paris gesegelt wird, werden die reichen Segelverbände Möglichkeiten finden, ihre Spitzensegler damit trainieren zu lassen. Der Umgang mit dieser offenen Frage wird wohl maßgeblich über den Erfolg der neuen Disziplin entscheiden.

Ob es wirklich eine Melges 24 sein kann? Zwei Segler, wo ansonsten fünf auf der hohen Kante benötigt werden? Die Idee sorgt für gemischte Gefühle. Spektakulär dürfte es werden, aber droht im Bemühen um schnelle Aufmerksamkeit der Sicherheit-Aspekt zu kurz zu kommen?

Und ist diese Art des Segelns überhaupt taktisch anspruchsvoll genug? Wenn ein langes Rennen über die Medaillenvergabe entscheidet, werden nicht die im bisherigen Sinne besten Segler vorne Landen. Diejenigen, die das Risiko-Management beherrschen. Eckenheizer und Glücksritter, die taktisch viel auf eine Karte setzen, dürften nach vorne gespült werden. Ob das wirklich im Sinne des Sports ist?

 

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Offshore Olympia Mixed: Erster Test in New York – Zweihand mit der Melges 24“

  1. avatar uer sagt:

    Warum wird es direkt schlecht gemacht? Weil es keine J/70 ist?

    Lass es die doch testen, und wenn es funktioniert, hat man eine Klasse bei der es schon viele Erfahrungen und einen Gebrauchtmarkt gibt.

    Wenn nicht ist nicht viel verloren.

    Ich finde die Idee Offshore Doublehanded olympisch zu machen gut, und die sollen jetzt möglichst viele Boote testen.
    Je mehr getestet wird, desto besser.

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  2. avatar RvK sagt:

    Ich ralle auch nicht, warum lange Kurse Menschen mit Glück oder Wagemut begünstigen sollen? VOR, Vendee, RdR, ORC Int Langstrecken, gewinnen da auch immer nur die Glücklichen?

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  3. avatar Ballbreaker sagt:

    Wenn man sich so die Entwicklung der letzten Jahre anschaut, wird es Doublehanded-Mixed-Offshore niemals bei Olympia geben.

    Ein Grund für den Verlust des Olympiastatus von Bootsklassen wie Starboot oder Frauen Matchrace und nicht zuletzt leider auch das paralympische Segeln sind die Kosten! Für die genannten Bootsklassen und auch für das geplante Doublehanded-Mixed-Offshore wird eine ganz andere Logistik und auch Kostenstruktur benötigt als dies z.Z. der Fall ist.
    Schaut euch mal die aktuelle Klassenauswahl für 2020 an – alles Slipjollen die weder einen Kran noch Wasserliegeplätze benötigen – und das aus gutem (finanziellen) Grund!

    Das IOC hatte das olympische Segeln schon oft auf dem Kieker. Das Durchsetzen einer solchen, von den Eigeninteressen einer winzigen Lobbyistenminderheit getriebenen Idee eines Doublehanded-Mixed-Offshore bei Olympia kann schnell zu einem Bumerang für das gesamte olympische Segeln werden….. Weckt keine schlafenden Hunde.

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    • avatar uer sagt:

      Ich würde mal behaupten, dass jeder Hafen, der einen Slip hat auch Wasserliegeplätze hat. Und ein Kran haben auch viele Häfen (und ein Autokran für zwei Tage kostet auch nicht die Welt).

      Warum nicht mal was neues versuchen? Nicht jede Innovation ist böse und schlecht.

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    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Wenn ich olympisch auf höchstem Niveau segeln will, dann muss ich in der Vorbereitungszeit in allen Teilen der Welt an Regatten teilnehmen. Damit ich auch auf alle Konkurrenten treffen kann. Das geht mit Laser, 49er, 470er deutlich einfacher als mit Melges, J70 oder Beneteau Figaro.
      Stellt der Veranstalter die Flotte ist das für den ein zusätzlicher Kostenpunkt.
      Beim Matchrace kommt es auf den individuellen Boots- und Riggtrimm nicht so sehr an. Also fällt es den Teams leichter mit einer aus dem Trainig wenig bekannten Klasse Matchrace erfolgreich zu segeln.
      Beim 24h offshore segeln kann der Sieg schon durch ein minimal besser getrimmtes Boot erreicht werden.
      Detailkenntnisse über die jeweilige Kielbootklasse werden sehr hilfreich sein.

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  4. avatar rubberduck sagt:

    Das Starboot kann doch so wieder olympisch werden, Zweihand im Star offshore ist taktisch bestimmt sehr anspruchsvoll.
    Patrese meldet bestimmt umgehend.

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  5. avatar Henk sagt:

    Seascape 27 ….ups … First 27 ist ideal! Mit etwas Geschick lässt sich auch ein Sliptrailer bauen! Wenn leer und in Massen von Beneteau gefertigt, sicher nicht teurer als ein (ex)-Olympiastar 😈

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