Anna-Maria Renken und Hannah Jenner. Bilanz nach einer Woche auf dem Atlantik

Zickenkrieg abgewendet

Die Britin Hannah Jenner und Anna-Maria Renken wachsen immer mehr zum Team zusammen und haben Spaß. © Anna-Hannah

Anna Maria Renken und Hannah Jenner kommen bei ihrem Qualifikationstörn für das Global Offshore Race und ihrer ersten gemeinsamen Atlantik-Überquerung gut voran. „Ich schreibe nun aus der faulenden Feuchtigkeit eines Trockenanzuges“, sagt Hannah.

Die Frauen-Crew ist im Nordatlantik angekommen. „Türkises Wasser, blauer Himmel und Bikinis sind Vergangenheit. Wir fühlen uns wie auf einem rasenden Bullen. Er bockt, bäumt sich auf, rollt und schlingert. Das Cockpit ist überflutet, weil viele Wellen über die Seitendecks schwappen. Regelmäßig knallt es, wenn das Boot von einer unförmigen Wasserwand abhebt.

Ich kann nicht sagen, dass das besonders nett ist. Aber einige Jahre Erfahrung sagen mir, dass man nichts weiter dagegen tun kann als das Boot ordentlich einzustellen, sich vernünftig hinzusetzten und versuchen zu lächeln.“

Mit drei Reffs und der Sturmfock bei mehr als 30 Knoten betrug der Speed zehn Knoten. In der Nacht bestaunten die Frauen einen Moonbow. „Der Bogen war perfekt geformt in silbernen und grauen Tönen. Leider konnten wir am Ende kein Gold finden. Wir haben nachgesehen. Ehrlich!“

Anna-Maria Renken mit ihrem geliehenen Trockenanzug-Modell "Bibo-ohne-Federn". © Anna-Hannah

Hannah lästert ein wenig über Annas geliehenen, übergroßen, gelben Trockenanzug und erkennt in ihr den Bibo aus der Sesamstraße. „Es fehlen nur ein paar Federn.“ Dabei ist sie von ihrem eigenen Anzug genervt. Er hat zwar einen Reißverschluss zum Pinkeln aber leider an der falschen Stelle. Ein Modell für Jungs.

Aber ihre Bilanz zur neuen Partnerschaft nach einer Woche fällt positiv aus. „Wir kennen uns erst seit einem Skype Termin im Oktober. Was wenn wir zusammen auf einem Boot überhaupt nicht klarkommen? Was, wenn wir den größten Fehler in unserer Segelkarriere gemacht hätten? Bei zwei Menschen auf einem Boot entsteht eine interessante Dynamik, an der sehr gearbeitet werden muss“

In den ersten drei Tagen hätten sie an Bord noch als Individuen gearbeitet. Dann kam der Wendepunkt. „Es war ein Tag ohne Wind in sengender Hitze und mit großem Frust. Wir waren beide müde und erhitzt. Der Trip zu den Azoren schien plötzlich sehr lang zu werden.

Anna war genervt, dass wir zu viel Frischwasser an Bord hätten, und ich war etwas kurz angebunden über den schlechten Speed unter Gennaker. Wir spürten beide die Angst der anderen vor einem Krach und überlegten, ob es mit uns funktionieren könnte.

Nun, es funktioniert. Wir ließen diesen kritischen Moment mit der letzen Welle zurück und begannen die Verbesserung zu sehen, wie wir das Boot segeln. Wir lachten über die Müdigkeit, unseren Geruch und diese ständige Kreuzerei. Wir arbeiteten als Team als wir uns mit dem ersten Tiefdruckgebiet auseinandersetzen mussten.

Dabei absolvierten wir zahlreiche Segelwechsel und erkannten, wie wir unsere Leistung verbessern konnten. Und schließlich haben wir uns auch an die völlig fehlende Privatsphäre auf einer Class 40 Yacht gewöhnt.

Heute Morgen um drei Uhr kreuzten wir wieder einmal in einem abscheulichen Winkel zum Wind und Anna lachte zu mir vom Eimer herüber als sie ihr Geschäft verrichtete und ich meine nassen Klamotten anzog. `Wenn uns jetzt jemand sehen könnte. Wie ein altes Ehepaar…´

Wir können also jetzt schon sagen, dass wir uns auf das Global Offshore Race freuen und mit unserer `40 Degrees´Spaß haben. Uns sind die Herausforderungen bewusst, die noch vor uns liegen, und es wird nicht nur Freude und Gelächter geben. Aber dieser Qualifikations-Törn gibt uns schon eine Ahnung, was noch kommen kann. Wir können es kaum erwarten.“

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

2 Kommentare zu „Anna-Maria Renken und Hannah Jenner. Bilanz nach einer Woche auf dem Atlantik“

  1. avatar Backe sagt:

    Renken hin oder her: Bitte keine von diesen schrecklichen Sonnenbrillen-Fotos mehr!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 1

  2. avatar Christian sagt:

    die Sonnenbrillen von Carsten und Andreas beim F18-Segeln sind auch nicht viel besser…

    Über die Ästhetik von Segelbekleidung und -accessoires kann man sich ohnehin streiten – freilich bitte nicht nur im Zusammenhang mit Frauenteams. gell ihr lieben Machos 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *