Barcelona World Race: Boris Herrmann über die Abspaltung von Geist und Körper

"Wir sind auf einem langen Campingtrip"

Boris Herrmann ist nachdenklich. Die letzten Meilen verlaufen zäh. © FNOB

Für Boris Herrmann und Ryan Reymaier auf „Neutrogena“ bleibt die Endphase des Barcelona World Races zäh. Gut 2000 Meilen vor dem Ziel in Barcelona beträgt der Rückstand zu „Estrella Damm“ zwar scheinbar nur 24 Meilen.

Aber die Spanier geben mächtig Gas Richtung Nord-Osten, wo sie bald in den Genuss einer nördlicheren Windrichtung kommen sollten.

Anna Corbella und Dee Caffari feiern die neuerliche Überquerung des Äquators mit Sekt, Gummibärchen und Fleisch. © FNOB

Für die „Neutrogena“-Crew geht es ums Durchhalten. Das Essen ist stark rationiert und die Angel hängt permanent draußen. Auch wenn die Hoffnung auf einen Fang in der Mitte des Atlantiks eher gering ist.

Die letzten Zeilen von Boris Herrmann verdeutlichen seine Gedanken: „Wir sind ja im Grunde auf einem langen Campingtrip, gespickt mit technischen Problemen.“ Herrmann übt sich im „mentalen Umgang mit dieser Endlosigkeit“.

Situation am 30.3. "Virbac" nähert sich schon Gibraltar, "Mapfre" kreuzt durch die Kanaren, "Neutrogena" nimmt die Innenkurve.

„Im Hier und Jetzt einen Rythmus finden, der sich aufrecht erhalten lässt, ansonsten nicht an das Rennen denken. Am Besten in Gedanken abschweifen, den Geist vom Körper abspalten und die Wahrnehmung und Gedanken von der Situation entkoppeln.

Ich übe mich darin nun schon einige Tage und Ryan wundert sich, dass ich konfus rede und kaum Präsent zu sein scheine. In Gedanken bin ich dann am Zeitunglesen über Lybien oder in meiner Kindheit.“

Der kaputte Baum von "We Are Water". Ein Brecher zerschlug ihn, obwohl kein Groß gesetzt war. Das Team repariert in Ushuaia. © FNOB

An der Spitze hat „Virbac“ seien Vorsprung auf 336 Meilen ausgebaut, was bei der momentanen Geschwindigkeit fast zwei Tage sind. „Mapfre“ kreuzt gerade zwischen den Kanarischen Inseln durch.

Am Ende des Feldes hat „We Are Water“ nach der Kap Horn Umrundung den Motor angeworfen und Ushuaia angesteuert. Dort soll der gebrochene Baum repariert werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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