Rolex Fastnet Race Kenterung: Peter Isler über sein Tauchmanöver. Lehren aus dem Unglück

"Erschreckende Erfahrung"

Die irischen Retter bergen die einzelnen Crewmiglieder mit einem Gummiboot vom umgedrehten Rumpf der "Rambler". © RNLI

Zwei Tage nach der „Rambler“-Kenterung werden weitere Einzelheiten vom Ablauf des Unglücks bekannt. Im Video spricht Steuermann Erle Williams über den Vorfall kurz nachdem er aus dem Rettungsboot an Land steigt.

Der neuseeländische Profi, der 2009 als Puma-Ersatzmann einsprang, fünfmal um die Welt segelte und 1987 seine erste von zahlreichen America’s Cup Kampagnen bestritt, hält das Unglück für eine seiner schlimmsten Erfahrungen.

Der 52-Jährige erzählt im irischen Radio, dass er bei dem nebeligen Wetter und Wind bis zu 25 Knoten am Steuer stand, als er plötzlich diesen lauten Knall hörte. „Wir hatten gerade den Fastnet Rock gerundet und sahen uns einigen großen Wellen gegenüber. Nach dem Knall blickte ich erst in das Rigg, weil ich dachte, dort sei etwas gebrochen. Dann begann das Schiff zu kentern.

Der Mast schlug auf das Wasser auf und hielt sich einige Zeit mit den dichten Segeln in der Waagerechten. Plötzlich drehte das Schiff relativ schnell durch. Wir hatten nicht viel Zeit, noch herauszukommen.“

Einige Segler hätten unter Deck geschlafen, andere waren gerade dabei, sich auf eine neue Wache vorzubereiten. Alle hätten Glück gehabt, dass sie noch rechtzeitig aus dem Schiff kamen. Navigator Peter Isler konnte noch in letzter Sekunde einen Mayday Ruf absetzen.

Immer auf Standby. Die Seenotretter aus Irland haben das Abbergen der "Rambler"-Crew souverän gemeistert. © RNLI

„Einige von uns schafften es, trocken auf den umgedrehten Rumpf zu klettern. Ich war einer von ihnen. Es war eine sehr erschreckende Erfahrung. Ich habe mein ganzes Leben gesegelt und bin fünfmal um die Welt, aber ich endete niemals auf diese Weise im Wasser.“

Fünf Segler, darunter der US-Eigner George David (69) aus Connecticut und seine Freundin Wendy Touton, seien von der Yacht getrennt worden. Sie trugen Überlebensanzüge „Gott sei Dank konnten sie zusammen bleiben.“ Einige der Segler, die auf dem Rumpf saßen trugen nur ihre Thermo-Unterwäsche und keine Rettungswesten, weil sie in letzter Sekunde aus ihren Betten gekrochen waren, sagt Williams.

Auf dem Rumpf spannte die Crew Leinen vom Schwert zu den Rudern, damit sie sich im starken Wellengang auf dem rutschigen Unterwasserschiff halten konnte. „ ICAP Leopard´ die zweite Yacht im Feld segelte in etwa 400 Meter Entfernung an uns vorbei. Aber sie haben uns nicht gesehen, und das war sehr frustrierend…

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Carsten Kemmling

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11 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race Kenterung: Peter Isler über sein Tauchmanöver. Lehren aus dem Unglück“

  1. avatar Friedrich sagt:

    Uff, da wird einem beim Lesen ja ganz anders. Verdammt viel Glück und Können(!), dass da alle heile rausgekommen sind. Aber auch ganz viele Gründe zum Nachdenken, was alles besser funktionieren müsste, damit es insbesondere nicht sein kann, dass ein Regattafeld vorbeidüst und niemand weis, dass da direkt auf dem Kurs ein Seenotfall vor einem im Wasser liegt. Und das in Sichtweite des Rocks. Das Undenkbare passiert nicht sehr oft, aber wenn’s passiert, dann dampft die K….

    Ich bin sicher, der RORC wird die Daumenschrauben in Sachen Sicherheit für das Fastnet (noch) fester anziehen.

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    • avatar Peter sagt:

      ja und anfangen wird es mit der Pflicht zum Rettungs-Orange-farbenen Antifouling.

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  2. avatar John sagt:

    Ein paar Anmerkungen:
    1. Wenn der Rambler einen Mayday-Ruf absetzt, warum hört den ICAP Leopard nicht? Warum muss erst ein Fischkutter umgeleitet werden, wenn ein so großer Segler und danach die Volvos 400m daran vorbeifährt?
    Sollte es auf solche Regatten die Pflicht zur Funkwache geben?

    2. Es wäre vernünftig, wenn man auch auf dem umgedrehten Rumpf an Signalraketen herankäme. Vielleicht am Heckspiegel befestigen?

    3. Die AIS werden sicherlich auch ab und zu bewusst ausgeschaltet um die Konkurrenten nicht über Position und Geschwindigkeit zu informieren.

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    • avatar bläck sagt:

      John, zu 1.

      Viel mehr als der “Distress” Knopf wird es nicht gewesen sein, was Isler hat absetzen können. Ev. noch die EPIRB schalten oder ins Wasser werfen.

      Wenn der Kahn sich so schnell gedreht hat wie beschrieben, dann blieb keine Zeit für ein “Mayday” via Funk….

      “Distress” Meldungen gehen ins nächste “Maritime Rescue Center” und werden von dort koordiniert.

      Distress ist keine Schiff zu Schiff Meldung

      Gruss

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      • avatar John sagt:

        Im Text steht, dass er einen Mayday abgesetzt hat…

        “Ich ließ sofort einen Mayday Ruf über das Funkgerät vom Schiff los, bekam aber keine Antwort…”

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        • avatar Ketzer sagt:

          Wenn die Kiste sofort kenterte lag die Antenne dann evtl. schon unter Wasser. Dann bringt das Funken auch nichts und nur das EPIRB-Signal wurde empfangen. Bis die Küstenwache dann den Funkspruch an die Gemeinschaft loslies, war der Leopard schon vorbeigesprungen.

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  3. avatar stefan sagt:

    ….diese Geschichten klingen dramatisch, sind aber nicht neu. Seit Jahrzehnten brechen Kiele bei Offshore-, oder Ocean races. Seither kentern Yachten durch und die Geschichten sind dramatisch.

    …Giovanni Soldini hat mir 1996 mal von seinem Kielbruch im in seiner ersten Quebec – St. Malo Teilnahme erzählt. damals kam als sehr erschwerendes Detail hinzu, das man in den mehrere Zentimeter dicken Überlebensanzügen aus Neopren, nicht tauchen konnte. Sprich an ein Ferlassen des gekenterten Schiffes im Anzug war nicht zu denken. Dagegen war das Überleben ohne diesen Anzug auf dem gekenterten Rumpf auch wenig chancenreich. In den Open-Classes ist man in den 90ern dazu übergegangen Heckluken in die Schiffe einzubauen, die das Verlassen einer gekenterten Yacht erheblich sicherer machen. Zudem ist oft direkt neben der Luke die Rettungsinsel verstaut, sodass ein Klettern und Verbeleiben auf dem Rumpf nicht mehr notwendig ist.

    …der aktuelle Fall der Rambler zeigt jedoch eines sehr deutlich: ein paar Handfackeln und einige Seenotraketen können eine Rettung erheblich begünstigen. All die moderne Technik nutzt nichts, wenn sie nicht funktioniert.

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  4. avatar Friedrich sagt:

    Bläck: eigentlich hätte auf allen UKW-Geräten mit DSC ein Warnton erklingen und eine Nachricht auf dem Display hätte erscheinen müssen. Aber ich vermute, wenn der Mast auf dem Wasser liegt, wurde da nichts mehr gesendet. Und das Mayday von der Handfunke hat vermutlich keiner gehört, weil niemand so dicht dran war, dass die Reichweite ausgereicht hat. Hätten die einen Grab Bag gehabt/mitgenommen (leicht gesagt), in dem Handfunke, Fackel, Raketen etc gewesen wären, wie man das eigentlich haben muss, wäre es leichter gewesen… Trotzdem, die haben ganz viel richtig gemacht. Unfall bleibt Unfall und wer denkt schon dran auf einem 100 Füßer, dass das Ding einfach umfällt. Daran muss man generell denken, aber nicht ständig.

    Ja, man soll jetzt nicht aufgeregter sein als nötig. Auf den Volvos, Open 60s und Class 40s und den großen Kats sind Hecvkausstieg, Rettungsinsel auslösbar auch bei umgekipptem Boot, Grab Bag etc. Standard. Bei so einem Maxi wie der Rambler wird das mit dem Heckausstieg schwierig. Wie man auf den Fotos sieht, liegt das Heck tief im Wasser, was wohl daran liegt, dass so ein Ding hinten im Verhältnis nicht so dick ist wie ein Open und deshalb da auch nicht soviel Auftrieb hat.

    Und morgen steigen wir alle wieder auf unsere Boote, die vielleicht keinen CK haben, aber ansonsten sicher viel maroder sind als so ein Supermaxi. Und hoffen, dass alles gut geht. Aber vielleicht bringen uns solche Ereignisse manchmal doch zum Nachdenken über ein paar kleine Details.

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    • avatar bläck sagt:

      Ich gehe davon aus, dass der Alarm via EPIRB geschaltet wurde. VHF bringt nicht viel aus den von Dir genannten Gründen. Zumindest vom Eigner und der Personengruppe im Wasser wurde von der Rettern berichtet, dass man sie gefunden hätte nach 3 Stunden weil sie “Personal EPIRBS” auf sich getragen hätten.

      Eine gute Sache übrigens, kann ich nur empfehlen. So gross wie ein Handy und erleichert die Suche ungemein. Problem: Lebensdauer der Batterie im Sendemodus. Aber besser 12 Stunden senden wie gar nicht.

      Quelle:

      http://www.thedailysail.com/offshore/11/59513/0/phaedo-media-team-assist-in-rambler-crewmen-rescue

      Gruss

      bläck

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    • avatar Marc sagt:

      Jolle segeln, dann bricht auch kein Kiel ab. Höchstens das Schwert und das nur beim Aufrichten, an der Kreuz und auch nur mit Vorschäden 😉

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 6

  5. avatar Flo sagt:

    Die Problematik mit der Ausstiegsklappe am Heck wurde ja bereits angesprochen. Allerdings sollte man in solchen Fällen über Klappen seitlich im Rumpf nachdenken, auch wenn dies neue Gefahren Aufgrund einer möglichen undichtigkeit birgt. Denn mit einem Kielverlust muss immer gerechnet werden, wenn nicht durch Materialermüdung dann aber besonders bei solchen Geschwindigkeiten durch eine Kollision mit Treibgut.

    Viel erschreckender empfinde ich noch die unzugänglichkeit der Rettungsinseln. In denen hätten sich nämlich Notfallpakete mit Fackeln usw. befunden. Lösen sich diese, bzw. entfalten sich diese erst ab einer gewissen Wassertife selbstständig? Selbst dann wäre ja nicht gewährleistet, dass sie es an die Oberfläche schaffen.

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