Rolex Fastnet Race: Müller von Blumencrons dritter Platz in der Class 40 mit neuem Boot

"Ein irres Erlebnis"

Bunter Sieger vor grauem Rock. Der Franzose Tanguy de Lamotte gewinnt mit "Initiatives - Alex Olivier" in der Class 40. © Rolex/Carlo Borlenghi

Matthias Müller von Blumencron ist beim Rolex Fastnet Race mit seiner neuen Class 40 “Red” auf einem starken dritten Rang im Feld der 20 Yachten gelandet. Ihm fehlten mit seiner Crew nach einem äußerst spannenden Finish nur knapp drei Minuten zum Sieg.

“Es war unglaublich”, erzählt Müller von Blumencron im Gespräch mit SR. “Das spannendste Rennen, das ich je gesegelt bin. Wir haben in der Nacht den Schlauch vor Plymouth mit einer halben Meile Vorsprung erreicht und uns dann bei wenig Wind in einer Gruppe mit fünf Yachten Wendeduelle geliefert. Es war wie auf der Alster. Am Ende gingen wir zu fünft im Abstand von 100 Metern über die Linie.”

Die Entscheidung fiel kurz nach Mitternacht. Die fünfköpfige deutsche Crew segelte in den etwas stärkeren Gegenstrom und verlor ihren Vorsprung. Danach ging es um Zentimeter. “Unglaublich, wie eng es in dieser Klasse zugeht. Dieses Fastnet Rennen ist faszinierend. Emotional, körperlich, taktisch. Drei Tage lang erlebten wir alles, was das Segeln ausmacht. Überlebensbedingungen, Flaute und engste Zweikämpfe. Ein irres Erlebnis.”

"Schokakola" ist mit einem Ruderschaden ausgeschieden und nach Cork abgelaufen. © Rolex/Carlo Borlenghi

Damit machte sich für den SPIEGEL-Chef auf Anhieb das neue Boot bezahlt, das er zwei Tage vor dem Fastnet übernommen hatte. Nach dem Normandie Channel Race war er etwas genervt. Er hatte es
schwer, mit dem Owen Clarke Design von 2009 und Promi Co-Skipper Boris Herrmann den Anschluss zur Spitze zu halten.

Bei harten Reachgängen war nicht genug Speed aus dem Schiff zu holen. “150 Meilen im Power-Reach, da kamen wir nicht mit”, sagt Blumencron. Das Rennen legte die Charakteristika des Schiffes offen, stark am Wind aber Schwächen raumschots. Auf den drei Spitzenplätzen landeten schließlich ausnahmslos Rogers-Designs von 2008.

Die legendäre Wendemarke Fastnet Rock beim Sonnenaufgang. © Rolex/Carlo Borlenghi

Danach fackelte der Hamburger nicht lange, verkaufte die “Red” und legte sich die “Port de Caen Ouistreham” von Bruno Jourdren zu, dem behinderten Hyères Sieger in der Sonar Klasse. Der hatte mit dem Rogers-Design Platz zwei beim Normandie Channel Race belegt und inzwischen ein neues Schiff bestellt.

Müller von Blumencron behauptete
sich im gesamten Rennen in der Führungsspitze. Bei der Rundung des Fastnet Rocks lag er auf Rang drei und übernahm danach eine Zeitlang die Führung, bis es zum Finale wieder richtig eng wurde. Axel Strauss landete mit seiner “Tzu Hang” auf Rang neun.

Da war noch alles in Ordnung. "Scho-Ka-Kola" vor dem Fastnet Felsen. © Rolex/Carlo Borlenghi

Auch in der IRC Klasse hat der Großteil der deutschen Flotte den Zielhafen in Plymouth erreicht. 53 Yachten sind im Ziel und in der Gesamtwertung nach Berechnung liegt die Andrews 56 „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ zurzeit als beste deutsche Yacht auf Rang 32. Die “Varuna” (Rogers 46) ist 37., die JV 52 “Haspa Hamburg” 38., die Reichel Pugh 48″Sjambok” 40., die zweite Rogers 46 liegt auf Rang 42 und die JV 53 “Bank von Bremen” ist 50.

Insgesamt 29 Yachten haben das Rennen bisher aufgegeben. Darunter befindet sich die “Scho-Ka-Kola”, die mit einem Ruderschaden Cork anlaufen musste.

Ergebnisse Class 40

Ergebnisse IRC

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race: Müller von Blumencrons dritter Platz in der Class 40 mit neuem Boot“

  1. avatar bläck sagt:

    “war er etwas genervt, als er es schwer hatte mit seinem Owen Clarke Design von 2009 und Promi Co-Skipper Boris Herrmann den Anschluss zu Spitze zu halten.”

    Zumindest jetzt dürften auch die letzten Zweifler glauben, dass das Material in dieser Klasse matchentscheidend sein kann.

    Da machen 2 Jahre Designunterschied einen Unterschied. 🙂

    Gruss

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    • avatar Wendy sagt:

      Nicht unbedingt. Das alte Schiff hatte die Nummer 66 (Baujahr 2009), das “neue” hat die Nummer 59 (Baujahr 2007)… 🙂

      Es gab übrigens zwei 4. Generation Class 40s in dem Rennen: 2. Platz – Peraspera/Francesco Piva, ITA102 und 5. Platz – Roaring Forty 2/Michael Kleinjans, BEL107. Und die Nummer von dem Gewinner, Initiatives – Alex Olivier/Tanguy de Lamotte, ist GBR30 🙂

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    • avatar Matthias sagt:

      Ja, bläck, da muss ich dir Recht geben. Auch hier gilt, wer mehr Geld einsetzt vergrößert seine Gewinnchancen beachtlich!

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      • avatar bläck sagt:

        Also nur dass das richtig rüberkommt. Ich gönne absolut jedem wenn er in der Lage ist Geld in sein Hobby zu stecken. Tue ich ja auch.

        Die Grossen machen es vor, und wir Kleinen (sorry, ich meine nur mich) eifern mit unserem adäquaten Budget hinter her.

        So ist das in jedem Sport. Wer`s nicht glaubt soll mal golfen gehn.

        🙂

        Gruss

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        • avatar Marc sagt:

          Naja aber nur weil ich mir vielleicht den besten und teuersten Schläger der Welt kaufen kann, werde ich noch kein Tiger Woods 😉

          Klar hilft es ein neues Boot zu haben, welches mehr Speed hat. Aber so lange der Unterschied nicht zu extrem ist, sind die “alten” Boote noch konkurenzfähig.

          Was nützt es ein schnelles Boot zu haben wenn ich trotzdem die Winddreher nicht mitnehme, schön in Flauten steuer usw.

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  2. avatar strauss sagt:

    Lieber MMvB, wenn es wie auf der Alster war, also zum Ende hin, hättest Du den Sack eigentlich zu machen müssen?! Auf jeden Fall eine ganz tolle Leistung, herzlichen Glückwunsch auf diesem Wege und es war toll Euch auf dem “träcker” des RORC zu beobachten. Besten Gruß, Philip

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  3. avatar Axel Strauss sagt:

    Natuerlich sind die neuen Designs in vielen Dingen ueberlegen, vor allem am wind und auf reaching Kursen. Die Rogers Designs sind aber alte Baunummern und eigentlich Boote der ersten Generation, Alle drei Rogers sind in den wesentlichen Parametern “Gewicht” und “aufrichtendes Moment” optimiert, und haben ein sehr gute und clevere Segelgarderobe.
    Das es Mathias und seiner Crew aber gelungen ist, in kuerzester zeit das Potential des Bootes abzurufen und die taktisch richtigen Entscheide zu fällen, zeugt mehr seinem grossen seglerischen Können als von Budget. Respekt!!! und nochmals herzlichen Glückwunsch. Axel

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