Volvo Ocean Race: Abu Dhabi gewinnt In-Port-Race vor Puma bei unwürdigen Bedingungen

Was kann man lernen? "Nichts!"

Eigentlich guter Start für Groupama in Lee, aber die Franzosen halten nicht den Speed und die Höhe der Konkurrenz bei flauem Wind. © Paul Todd/volvoocearnrace.com

Es kann nur besser werden. Das Volvo Ocean Race hat keinen guten Start für seine elfte Auflage erwischt. Es regnet den ganzen Vormittag in Strömen, im Sturm wehen Zelte weg, und pünktlich zum Start des ersten In-Port-Races geht dem Wind die Luft aus.

Die Yachten treiben über einen Parcours, den jeder Straßenbahnschaffner ohne Mühe hätte bewältigen können. Anlieger zur Luvtonne, Anlieger zur Leetonne, Topfschlagen-Treiberei zum Querabtor, Bahnverkürzung, Anlieger zum Ziel. Nach weniger als einer Stunde ist das Elend vorbei. Länger hätte es nicht dauern dürfen. Das maximale TV-Live-Fenster betrug exakt 65 Minuten.

Anlieger auf dem zweiten Schenkel. Abu Dhabi vor Camper, Puma und Groupama. © Paul Todd/volvoocearnrace.com

Es mag ungerecht sein, die Volvo70 Racer nach diesem Auftritt zu beurteilen. Sie sind für solche Rennen nicht gemacht. Die Beschleunigung von 0 auf 100 ist schlecht, wenn sie mit dem breiten Heck im Wasser kleben, die Manövrierbarkeit unterirdisch ohne Fahrt.

Die Wenden und Halsen mit dem übergroßen Code Zero sehen schrecklich aus. Einmal bis zum Vorstag einrollen und dann auf der anderen Seite wieder raus. Eine gefühlte Ewigkeit stehen die Racer nur mit dem Großsegel auf dem Parcours herum, als hätten sie das Rennen aufgegeben.

Entscheidendes Manöver an der Halsentonne. Abu Dhabi packt den Gennaker weg und rollt den Code Zero aus. © Paul Todd/volvoocearnrace.com

Die Organisatoren versuchen offenbar gar nicht erst, dieses In-Port-Race spannend zu machen. Der Kurs ist so angelegt, dass die Schiffe hintereinander herdackeln und gut sichtbar eine Reihenfolge entsteht. Überholen ist fast ausgeschlossen.

Dass es dennoch kräftige Verschiebungen im Feld gibt, liegt an den extrem widrigen Bedingungen, bei denen Regatten normalerweise abgeschossen werden. Aber darum geht es nicht. Der Stop-Over-Hafen will seine Show, und er bekommt sie auch. Das Geld, das durch die Hafenstädte in die Kassen der Veranstalter gespült wird, macht das Volvo Ocean Race überhaupt erst möglich.

Hoher Besuch bei Puma. Skipper Ken Read begrüßt den Schweden-Prinz Carl Philip als einen von drei Gästen beim Rennen an Bord. Der Kontakt kommt über den schwedischen Co Sponsor Berg Propulsion zustande . © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Deshalb wird es insgesamt zehn der in dieser Form unwürdigen Hafenrennen geben. Sie machen zwar insgesamt 20 Prozent der Gesamtpunktzahl aus, sind aber im Vergleich zur Vorgänger-Veranstaltung abgewertet worden.

Wichtig ist, was draußen auf hoher See passiert. Da werden die Yachten in ihrem Element sein. Das Rennen punktet mit den Bildern, wenn schäumendes Wasser im Cockpit die Grinder von den Füßen reißt. Und das wird es auch wieder tun. Diese Yachten werden unglaublich hart gesegelt und sind mit zehn Seglern notorisch unterbesetzt. Die pflichtgemäß mitsegelnden Medienmänner an Bord sorgen für eine so nahe Berichterstattung wie bei keiner anderen Regatta.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Abu Dhabi gewinnt In-Port-Race vor Puma bei unwürdigen Bedingungen“

  1. avatar Kurt sagt:

    da waren 6 kts. da kann man genauso gut segeln wie bei 10 kts. man muss nur segeln können

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    • avatar segler sagt:

      Und du kannst ja anscheinend nicht segeln… wenn man deine Komentare so liest.
      Die einen wollen es können und die anderen können es.

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      • avatar kurt sagt:

        Und wie ich das kann…wieso waren dass den unwürdige Bedingungen bitte?

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        • avatar stefan sagt:

          …weil Du nicht dabei warst. Wie könnten es ohne Dich auch würdige Bedingungen sein?

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          • avatar Kurt sagt:

            Dein Kommentar macht kein Sinn! Es waren komplett segelbare bedingungen

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  2. avatar Fastnetwinner sagt:

    Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber ich finde diese Vermischung aus In-Port-Races und Offshore-Segelei zum Zwecke der Sponsoren-Show einfach nur albern. Als ich groß geworden bin, da ga es 4 Etappen, man fuhr durch den südlichen Ocean (und zwar die ganze Strecke) und hatte dabei 5 Lagen Line-7 übereinander an. Das war echtes Hochseesegeln. Mal ganz davon abgesehen gab es auch noch eine richtige Beteiligung, was denken lässt, daß es das bessere Format war. Laut aktueller Hochsee-Bravo waren sogar bei der 89-90er-Auflage noch 23 Schiffe am Start. Ich bin weit davon entfernt mir Stahlschoten zurückzuwünschen, wie wir sie noch Anfang der 90er auf IOR-Maxis fuhren, aber so eine reine Sponsoren Rallye wie heute taugt nichts. Vorschlag zur Güte: Boote wie heute, Budget-Box (keiner darf mehr als 8 Mio EUR ausgeben) und Kurs wie früher. Inkl. Start/Ziel im Solent, damit diese Shorts-Segelei auch endlich mal wieder ein Ende findet.

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  3. avatar noch-nicht-fastnet-winner sagt:

    ..früher war sowieso alles besser- ich kanns nicht mehr hören!kurze Kurse, oder lange kurse- wenig wind oder viel:gehört doch alles dazu, zu unserem Segeln!…ODER??

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Kurt, Du fragst “ODER”, vermutlich weil Du eine Antwort willst. Hier ist sie: Nein! Kurze Kurse haben bei einem Ocean-Race nichts verloren. Wer kurze Kurse will, für den gibt es genügend andere Formate. Wenn Du mit dieser Antwort nicht zufrieden bist, dann analysiere gerne nochmal die Teilnehmerzahlen, die wohl ein fairer Erfolgsindikator sind.

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