Volvo Ocean Race: Groupama über 200 Meilen vorne. Entscheidung naht

Augen zu und durch

Video: Das Camper-Team zeigt, wie ein Riss im Code Zero repariert wird

Die erste Etappe beim Volvo Ocean Race entwickelt sich durch den Extremschlag der Franzosen auf Groupama zu einem unerwarteten Krimi. Der Schlag unter Land der afrikanischen Küste hat einen virtuellen Vorsprung von 226 Meilen gebracht. Aber er wird erst dann realisiert, wenn Cammas es schafft, den Querabstand von unglaublichen 567 Meilen zu verringern und sich auch wirklich vor die Gegner zu legen.

Michi Müller bereitet auf Puma einen Segelwechsel vom Code Zero zum G1 Gennaker vor. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Bis es soweit ist, müssen die Franzosen noch Ängste ausstehen, denn in den nächsten Stunden dürfte sich die West-Position deutlich verbessern. Während Telefonica, Puma und Camper bisher gegen einen flauen Südost ankreuzen mussten, naht nun ein starkes Windfeld aus Nordwest, das ihre Volvo70 auf maximalen Speed beschleunigen sollte. Wird Groupama es schaffen, aus dem Osten in diese Zone zu wechseln?

Skipper Franck Cammas sagt: “Wir wollten uns nicht unbedingt alleine auf diesen Kurs begeben, auch wenn das die Konkurrenz wohl sagen wird. Ich bin durchaus nervös, teile diese Gedanken aber nicht mit der Crew. Ich spreche nur über die Hoffnungen. Bis jetzt haben wir alles das gemacht, was wir wollten.

Karte am 11.11. "Groupama" hangelt sich weiter an der Küste entlang. Gelingt der Coup?

Wir waren nie von dem leichten Wind überrascht. Diese Zonen haben wir bei der Routing-Vorbereitung gesehen. Aber dieses neue Leichtwindgebiet kann einen doch zweifeln lassen. Wir müssen damit klarkommen und einen Weg finden, der funktioniert. Bisher hatten wir sogar mehr Wind als erwartet und liegen deshalb etwas voraus.”

Cammas ist auch davon überzeugt, dass Camper ebenfalls vorhatte, den östlichen Weg einzuschlagen, dann aber abgebogen ist, als die ersten beiden Boote nicht mitzogen.

Leichter Wind, aber aus der richtigen Richtung. "Groupama" zieht unbeirrt seinen Kurs entlang der afrikanischen Küste durch. © Yann Riou/Groupama Sailing Team/

Im Zweikampf zwischen Telefonica und Puma zeichnen sich leichte Vorteile für die Spanier ab, nachdem Puma einen kurzen Abstecher nach Norden gemacht hat. Das wahre Potenzial der verschiedenen Konstruktionen wird sich aber erst zeigen, wenn die Surfbedingungen herrschen, für die diese Yachten gemacht sind.

Tracker

Augen zu und durch. Das Camper Team wird hoch im Norden von Regenschauern gebeutelt. © Hamish Hooper/CAMPER ETNZ/Volvo Ocean Race

Groupama lässt im Osten bei wenig Wind auf direktem Kurs die Muskeln spielen. © Yann Riou/Groupama Sailing Team

Camper mit Problemen. Ein Riss im Code Zero muss repariert werden. © Hamish Hooper/CAMPER ETNZ/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

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10 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Groupama über 200 Meilen vorne. Entscheidung naht“

  1. avatar Pete sagt:

    Krimi ja, aber Extremschlag der Franzosen? Beim Global Ocean Race, das am 25 September gestartet ist, sind alle Teilnehmer zwischen den Kanaren und Afrika gesegelt. Orange bei Ihrem Jules Verne Trophy Rekord auch. Eigentlich ist das sogar eher eine Klassische Route, die Groupama da segelt. Ich kann Franck Cammas verstehen wenn er sich wundert das er der einzige dort ist – und natürlich macht das nervös. Wenn man am Gardasee der einzige ist der unter die Wand fährt, wundert man sich auch ob man etwas wichtiges übersehen hat…
    Die nächsten zwei Tage werden bestimmt interessant: können die anderen mit dem Wind weit genug nach Süden kommen? Segelt Groupama wirklich in die vorhergesagte Flaute? Für alle die sich die Wind Vorhersage im Tracker anschauen: mal die Boote ins obere rechte Eck Platzieren und zoomen so dass man sieht wo die in Brasilien eigentlich hin müssen. Da wartet noch eine Menge Flaute und während Groupama viel West machen muss, müssen die anderen immer mehr Süd machen. Wenn man dann einbezieht dass die alle nicht vor dem Wind fahren können (oder etwa so gut wie eine Moth) wird es wirklich interessant. Momentan sind beide ‘Seiten’ etwa gleich weit vom direkten Kurs entfernt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • avatar Lyr sagt:

      Stimmt! das ist mir noch gar nicht so aufgefallen, dass Süd nicht alles ist… dachte immer Groupama ist viel näher am direkten Kurs. Aber wenn man mal beim Tracker den Button “orthodromy” drückt (so eine Kugel mit Strich in der Mitte) sieht man die Linie mit dem direkten Kurs zum Ziel und da sind beide etwa gleich weit von entfernt…

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    • avatar Carsten sagt:

      Ein Extremschlag definiert sich so, dass man sich extrem vom Feld entfernt. Das ist immer ein Risiko, auch wenn man sich sehr sicher ist. Wer einen überlegenen Bootspeed aufweist, muss dieses Risiko nicht eingehen.
      Cammas Entscheidung zeigt also auch, dass die Yachten wie erwartet beim Speed-Potenzial sehr nah beieinander liegen. Wäre er schneller, würde er einfach dabei bleiben und schließlich als Erster ins Ziel segeln. Aber so ist es natürlich für alle spannender. Ein mutiger Schachzug.

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      • avatar Pete sagt:

        Cammas war aber der erste Richtung Küste, und Camper ist Ihm gefolgt. Die anderen zwei sind dann nach Westen und Camper hat sich umentschieden. Als das klar wurde war es überhaupt keine Option für Groupama auch umzudrehen und nach Westen zu gehen. Die haben sich also nicht vom Feld entfernt, sondern eine 2-2 Aufteilung hat Camper im letzen Moment zu einer 3-1 gemacht. Dazu kommt, dass Franck eine sehr klassisch Route segelt, wie in Medemblik zu den Windmühlen (nicht nur denen im Wasser) oder auf dem Gardasee zum Felsen.
        Klar ist das ein Risiko, wenn es schief geht sind alle auf der anderen Seite vorn, aber erstens wäre Franck aller Letzter wenn er nach dem abdrehen der Camper denen hinterher gefahren wäre, ausserdem könnte man das West fahren der anderen auch als Extremschlag definieren, weil sie durch hinterherfahren nicht mehr einholen können. Zumindest das ‘abdrehen’ der Camper könnte man also als Extremschlag definieren. Wie Franck Cammas ja im interview gesagt hat; er hat sich selbst gewundert das die anderen alle nach rechts abgebogen sind und ist nun nervös.

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  2. avatar Lyr sagt:

    trotzdem wird der Nordwind für Telefonica und co. keine Hilfe sein um auf diese Linie zurückzukommen

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  3. avatar Holger sagt:

    jetzt gehts da ab mit 22Knoten Nico kriegt sie alle wieder heute…..

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  4. avatar Julian sagt:

    Update: jetzt sind es noch 92.8 nm abstand zwischen groupama und Puma racing.

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  5. avatar stefan sagt:

    …tja, aber mit dem Wind ist es heute Abend wieder vorbei, bzw es bleibt nur die Flucht nach Westen.

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  6. avatar Holger sagt:

    hat Nicolson da eine lahme Ente mit Camper oder die anderen einfach mehr Wind ??

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    • avatar Lyr sagt:

      ich glaube Letzteres. Camper war ja zwischendurch auch schon mal auf 50 Meilen dran. Ich glaube der Wind ist einfach noch ein bisschen günstiger für den noch westlicheren Zweispanner…
      Schade für Cammas, jetzt sind aus 250 Meilen Vorsprung über 300 Meilen Rückstand geworden!!! :(, konnte man damit wirklich rechnen, dass so eine perfekte Front anmarschiert oder hatten die anderen einfach Glück?

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