Volvo Ocean Race: Groupamas Gesamtführung / Telefoníca halbe Bootslänge vor Camper

Hochseedrama

Der Kieler Michael Müller springt mit dem Puma Team auf ds Podium, und nach sieben Etappen beim Volvo Ocean Race 2011-2012 rund um die Welt hat in der Nacht zum 1. Juni erstmals die Gesamtführung gewechselt.

Auf den letzten Metern vor Lissabon zieht Telefonica noch an Camper vorbei. © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Neuer Spitzenreiter ist das französische Segelteam Groupama. Skipper Franck Cammas löste Olympiasieger Iker Martínez und die spanische „Telefoníca“ ab, die seit dem ersten Zwischenstopp in Kapstadt/Südafrika am 26. November geführt hatte.

Den Franzosen reichte auf dem drittletzten Teilstück von Miami/USA nach Lissabon/Portugal ein zweiter Rang hinter der bis dahin sieglosen „Abu Dhabi“ von Ian Walker. Ihr Vorsprung beträgt nun drei Punkte vor den Spaniern, die in einem dramatischen Schlussspurt bei totaler Flaute eine halbe Bootslänge vor der neuseeländischen „Camper“ von Chris Nicholson Vierte wurden.

Herzschlag Finale. Abu Dhabi gewinnt knapp vor Groupama. Telefonica (blau) zieht noch an Camper (weiß) vorbei.

„Puma“ folgt weitere neun Zähler zurück, Camper insgesamt nun schon 21. Alle sechs Boote waren nach 3.590 Seemeilen (mehr als 6.600 Kilometer) innerhalb von weniger als viereinhalb Stunden im Ziel. Die härteste Regatta der Welt wird am Wochenende 9./10. Juni nach Lorient in Frankreich fortgesetzt und endet am 7. Juli mit einem Hafenrennen im irischen Galway.

Nervenaufreibendste Etappe 

„Das ist unglaublich, einfach verrückt. Das hat mich nochmals 30 Jahre meines Lebens gekostet“, beschrieb „Puma“-Skipper Ken Read die wohl nervenaufreibendste Etappe überhaupt in der 39-jährigen Geschichte des ehemaligen Whitbread-Rennens.

Abu Dhabi auf den letzten Metern. © Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race

„Unser Ergebnis ist großartig. Wir hätten gewinnen, aber auch Letzter werden können, und das millionenfach im Wechsel. Zum Schluss haben wir schon wieder die Positionslichter der beiden Verfolger hinter uns gesehen. Das war hart, denn wir wurden vor dem Ziel in einer Flaute immer langsamer. Das war eine Etappe zum Überleben.“

Und weiter zur möglichen Endabrechnung: „Wir sind ganz dicht dran, mitten unter den vier besten Teams. Es gibt noch genügend Punkte zu gewinnen, der Gesamtsieg bleibt für alle drin.“

Diese Transatlantiketappe wird in die Geschichtsbücher des Hochseesegelns eingehen, denn selten zuvor war ein Rennverlauf so spannend. Der Zweikampf der „Camper“ mit der „Telefoníca“ auf der Zielgeraden war kaum zu überbieten. Ein packendes Matchrace – bei praktisch keinem Wind.

Ankern im Finale

Ian Walker, bisher die tragische Figur mit langsamem Boot, diesmal obenauf. © AN ROMAN/Volvo Ocean Race

Einmal mussten die Boote sogar dicht unter Land ankern, um nicht von der Strömung im Kanal von Lissabon rückwärts getrieben zu werden. Morgens um halb vier auf der Ziellinie waren es nicht mehr als zehn Meter, die den Ausschlag zu Gunsten der Spanier gaben. Für diese „Strecke“ brauchte die „Camper“ nur sage und schreibe 102 Sekunden länger!

Schon direkt nach dem Start hatte der erste Tropensturm der Hurrikansaison 2012 das Feld erheblich durcheinander gewürfelt. Über elfeinhalb Tage lagen sechs Boote aber selten mehr als 100 Seemeilen auseinander. Am Ende ging es wieder um wenige hundert Meter.

Schon zwischen dem Etappengewinner „Abu Dhabi“ und „Groupama“ auf Platz zwei hatten nur fünf Minuten und 27 Sekunden gelegen. „Wir hätten gerne gewonnen, gönnen es aber den bisher arg gebeutelten Siegern“, meinte Franck Cammas, „für uns ist die Gesamtführung trotzdem ein Traum.“

Die letzten Meilen vor Lissabon werden für Abu Dhabi zum Flautendrama. © Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Die „Puma“ konnte ihren Podiumsplatz vergleichsweise gelassen einfahren, spürte aber dennoch ähnlich viel Druck. „Allein die letzten Stunden vor Lissabon haben gezeigt, wie furchtbar schwer es war, die Position zu verteidigen“, so Ken Read, „deshalb sind wir wirklich hochzufrieden mit unserem dritten Platz.

Nach zwei Etappensiegen klingt das vielleicht unglaubwürdig, aber dies war ein Rennen zum Verlieren. Brutal hart. Und wir haben zwei unser drei direkten Konkurrenten geschlagen. Damit müssen wir zufrieden sein, auch wenn wir drei Viertel der Etappe Zweiter waren.“

Das langsamste der neuen Boote gewinnt

So gehörten die „Raubkatzen“ in der langen Nacht von Lissabon mit zu den Feierbiestern. Den Festzug führte der Brite Ian Walker an, der sich nach sieben enttäuschenden Monaten rehabilitiert sah. „Alle wissen, dass wir ein Problem mit dem Bootsspeed haben. Wir sind das langsamste von allen neuen Booten. Deshalb mussten wir auf anderem Weg beweisen, dass die Crew erstklassig ist und alle schlagen kann.

Das ist uns nun gelungen, obwohl wir jederzeit den Atem den anderen im Nacken gespürt haben. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und einfach nur überglücklich“, sagte der Skipper der „Abu Dhabi“, die im Gesamtklassement dennoch nicht über einen fünften Platz hinauskommen wird.

Die rote Laterne ging einmal mehr an den zweifachen Volvo Ocean Race Gesamtsieger Mike Sanderson auf der chinesischen „Sanya“, die allerdings auch nur eine Viertelstunde später ins Ziel kam. Das beweist, dass auch das einzige Boot aus dem vorigen Rennen, die Ex-„Telefoníca Blue“, unter bestimmten Umständen mithalten kann.

Die nächste Gelegenheit, das zu beweisen, gibt es am Sonnabend, dem 9. Juni, beim Hafenrennen in Lissabon. Einen Tag später startet die vorletzte Etappen in den französischen Atlantikhafen Lorient.

Ergebnis der siebten Etappe von Miami/USA nach Lissabon/Portugal:

1. Abu Dhabi (Ian Walker/Abu Dhabi) 11 Tage, 4 Std., 23 Min, 53 Sek. 30 Punkte

2. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 5 Min., 27 Sek. zurück 25

3. Puma (Ken Read/USA) 2 Std. 2 Min., 58 Sek. zurück 20

4. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 4 Std., 4 Min. 34 Sek. zurück 15

5. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 4 Std., 6 Min., 16 Sek. zurück 10

6. Sanya (Mike Sanderson/China) 4 Std., 20 Min., 33 Sek. zurück 5

 

Zwischenstand nach sieben von neun Etappen

1. Groupama (Franck Cammas/Frankreich) 183 Punkte

2. Telefoníca (Iker Martínez/Spanien) 180

3. Puma (Ken Read/USA) 171

4. Camper (Chris Nicholson/Neuseeland) 162

5. Abu Dhabi (Ian Walker) 104

6. Sanya (Mike Sanderson/China) 32

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

7 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Groupamas Gesamtführung / Telefoníca halbe Bootslänge vor Camper“

  1. avatar Michael sagt:

    Schöne Regatta! Das entschädigt für die ein oder andere nicht so spannende Etappe! Ich finde dieses Rennen nach wie vor spannend.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  2. avatar 111 sagt:

    Also 102 sekunden für 10m??

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar Andreas sagt:

    Ja, die hatten Gegenstrom und bewegten sich praktisch kaum von der Stelle!

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  4. avatar Backe sagt:

    Hammerspannend!
    Und wie bitter muss das für Chris Nicholson und seine Jungs gewesen sein! Sowas ist ja schon nach 1 Stunde Dreieck mega-frustrierend – aber nach elf Tagen?!

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

  5. avatar Olli sagt:

    Der Gesamtführungswechsel ist hochspannend. Nicht, daß ich es den Spaniern nicht gönnen würde, aber rein historisch gesehen sind die Franzosen mal wieder dran. So viele Teilnahmen und ein Sieg 1984, das wird mal wieder Zeit.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. avatar Marc sagt:

    Was nennen sie sich auch Camper, mit anderem Namen wäre sie bestimmt schneller von der Stelle gekommen 😉

    Ich gönns Groupama und Puma. Telefonica wäre eine Überraschung, wenn “Jollensegler” mal eben so “nebenbei” ein VOR gewinnen. Ausserdem würde ein Herr J. aus H. dann wieder die 49er Segler in den Klee loben, die übrigens auch alle an der 505er WM teilnehmen oder in der Vergangenheit teilgenommen haben 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar Holger sagt:

      Moin Marc
      es gibt halt Klassen wo solche Helden herkommen
      aber Nico ist zu bedauern weil sein Gurke sehr offensichtlich zu langsam ist
      Er war auch nicht wirklich amüsiert im Mailkontakt als die mit CAMPER bei Notreparatur in Chile lagen
      …little fun.. it is a shit Race at times….. usw..
      Ahoi

      die Krönung wäre wenn Iker & Xabi das VOR noch gewinnen und dann 3 Wochen später Gold oder Silber in Weymouth holen Outteridge & Jensen oder Iker & Xabi ist doch da die Frage am Ende

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *