Volvo Ocean Race: Groupamas Extremschlag führt zu 320 Meilen Rückstand. Puma und Telefonica gleichauf

Wie ein geprügelter Hund...

Puma gibt Vollgas und liegt in Führung. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Autsch, das tut weh. Franck Cammas, hatte sich von seiner Einheit entfernt, probte den Aufstand mit seinem Extremschlag unter die afrikanische Küste, wusste es besser als die Konkurrenz, sah aus wie der große Held und muss sich nun doch mit der Rolle des geprügelten Hundes abfinden. Er ist mit einem Defizit von 320 Meilen auf das führende Puma-Team in das Kielwasser der Kollegen eingeschwenkt.

From Hero to Zero. Hätte ja klappen können. Es mag eine tapfere Entscheidung gewesen sein, den Alleingang zu wagen. Aber zu so einem frühen Zeitpunkt des Rennens war er dann doch sehr erstaunlich.

Dafür sind diese VO70 gebaut. Nasse Gleitfahrt über 20 Knoten. Puma führt das Rennen an. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Abgesehen von den möglicherweise in Kapstadt fehlenden Punkten haben besonders Puma und Télefonica den großen Vorteil, seit vielen Tagen im gleichen Windsystem nebeneinander hergefahren zu sein. Sie konnten ihr Material und die Eisntellungen im harten Renneinsatz gegeneinander testen.

Es geht um Trimm und Feintuning des gesamten Setups. Seit das Two Boat Testing aus Kostengründen verboten ist, wissen die Teams sehr wenig darüber, wie sie das Leistungsvermögen ihrer Yachten an 100 Prozent annähern. Wann sollten welche Segel gesetzt werden? Welcher Kurs zum Wind ist der schnellste?

Kontrastprogramm bei Groupama. Warm, trocken und flau. © Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race

Schon im Mittelmeer hat Groupama diesen Aspekt vernachlässigt und ist mit einem Extremschlag nach Marokko gesegelt. Die Franzosen verlassen sich offenbar auf ihr geballtes Offshore-Wissen. Denn neben dem Mega-Trimaran-Pilot Cammas ist auch Thomas Coville mit an Bord, der im April 2011 mit seiner “Sodebo” an dem Einhand-Rekord um die Welt gescheitert war.

Nun dürfte ihr Selbstbewusstsein etwas gedämpft worden sein. Der Ausflug hat zwar für Spannung gesorgt, war aber eben nicht erfolgreich. Dabei machte Groupama besonders die Windrichtung zu schaffen. Der auf Südost gedrehte Wind erlaubte eszum Schluss nicht mehr, vor dem Wind hohe Geschwindigkeiten aufzunehmen. In wenigen Stunden war der große Vorsprung aufgebraucht, als die Verfolger mit einem Speed von über 20 Knoten heran und vorbei rauschten. Puma liegt dabei nur sieben Meilen vor Telefonica. Die Spanier machen mächtig Druck.

Groupama Skipper Franck Cammas muss eine schwere Schlappe verarbeiten. © Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race

Etwas enttäuschend ist bisher
die Leistung vom Team New Zealand mit dem Camper Boot. Nach dem taktischen Fauxpas vor einer Woche, als die Kiwis als führendes Boot erst mit Groupama abbogen und sich schließlich doch umentschieden und Puma und Telefonica folgten, konnten sie keinen Boden mehr gut machen.

Schon mutmaßen die heimischen Medien, dass die Verbindung zwischen Neu-Skipper Chris Nicholson und Möchtegern-Skipper Stu Bannatyne, dessen eigenes Volvo Ocean Race Projekt gescheitert, bei der Entscheidungsfindung nicht hilfreich sein könnte. Aber das ist aus der Entfernung sicher schwer zu beurteilen.

Auf der Groupama mag es warm und gemütlich sein, aber darauf würden die Franzosen zugunsten von Wind aus der richtigen Richtung gerne verzichten. © Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race

Es ist eine schwierigere Entscheidung, einen falschen Weg einzusehen als darauf zu beharren. Camper ist immerhin mit einem Rückstand von 140 Meilen noch einigermaßen in Schlagdistanz kurz vor dem Erreichen der Doldrum Flautenzone. Groupama dürfte es dagegen schwer haben, noch einmal heranzukommen. Es sei denn, sie versuchen ihr Glück noch einmal mit einem Extremschlag.

 

Karte am 14.11. Groupama (orange) schwenkt klar hinter den Gegnern auf den direkten Kurs ein.

Michi Müller bereitet einen Vorsegelwechsel auf Puma vor. © Amory Ross/PUMA Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Nicht aufgegessen. Überschüssiges Essen fliegt auf Camper über Bord. Kein Wunder, dass das Wetter für Camper noch nicht gut genug ist, um zur Spitze aufzuschließen. © Hamish Hooper/CAMPER ETNZ/Volvo Ocean Race

Auch bei den Kiwis steigt permanent die See ins Cockpit ein. © Hamish Hooper/CAMPER ETNZ/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Groupamas Extremschlag führt zu 320 Meilen Rückstand. Puma und Telefonica gleichauf“

  1. avatar Christian sagt:

    ist eigentlich erstaunlich, wie spannend so ein Rennen mit nur vier Booten sein kann und wie viele Möglichkeiten es gibt, etwas anders als die anderen zu machen…

    Bevor nun Holgi Cammas wieder schlecht macht, nur weil der keine Jollenfeldtaktik fährt und in die Ecken heizt: Noch ist nicht aller Tage Ende. Es muss sich erst noch zeigen, ob die “Bleibe beim Feld”-Taktik oder die “autonom den schnellsten Weg suchen-Taktik” unterm Strich siegreich ist.

    Unterhaltsamer, da risikoreicher ist jedenfalls letztere 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 21 Daumen runter 0

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