Volvo Ocean Race Lissabon: Blanke Nerven bei Telefonica im In-Port Race. Start zur vorletzten Etappe

Noch nie so spannend

Der Start der achten Etappe:
Das Inport-Race in Lissabon:

Das Volvo Ocean Race ist in seine entscheidende Phase getreten. Noch viermal kann gepunktet werden und die ersten vier Yachten können noch siegen. Der schon sicher geglaubte Sieg scheint Telefonica endgültig durch die Finger zu gleiten. Beim Inport-Race lagen offenbar die Nerven blank.

Groupama führt das Inport-Race an unter den Augen der Cristo Rei Statue in Lissabon. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Die spanischen 49er Olympiasieger ließen sich beim Start auf unglaubliche Art von Ken Read mit Puma düpieren. Erst antizipierten die Spanier die Beschleunigung von Read zu spät und konnten seine Überlappung in Lee nicht verhindern. Read luvte die von der Startlinie weg, bevor er den Gennaker für den Raumschotsstart setzte. Dann schossen Martinez/Fernandez von hinten in die Leeposition von Puma und setzten ohne Rechte zum verzweifelten Luvmanöver an.

Folgerichtig erhielten sie von der Jury eine 360 Grad Strafe aufgebrummt, die unter Gennaker besonders kostspielig zu absolvieren ist. Davon erholten sie sich nicht mehr und wurden letzte. Eigentlich werden in Inport-Races nicht viele Punkte verteilt. Aber da Groupama das Rennen gewann betrug der Unterschied fünf Punkte, so viel wie bei einem Platz im Offshore Leg.

Raumschotsstart beim Inport Race. Puma hat Telefonica geluvt, startet zuerst, setzt aber den Gennaker spät. Puma ist klar voraus, die Überlappung zu Telefonica gebrochen. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Damit ist Telefonica in acht Inport Races jetzt schon viermal Letzter geworden. Eigentlich unerklärlich, da es nicht am Speed liegt sondern an der seglerischen Leistung. Und da sind Martinez/Fernandez eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Irgendetwas läuft da schief. Haben sie sich nach dem Barcelona World Race doch etwas zuviel zugemutet mit der parallelen 49er Olympiakampagne für Weymouth?

Aber die Spanier liegen jetzt wieder vorne auf dem Weg nach Lorient. Können sie zurückschlagen?

Die Volvo Ocean Race-Meldung von Andreas Kling:

Nach einem perfekten Start in Lissabon/Portugal hatte das „Puma“-Segelteam von US-Skipper Ken Read mit dem Kieler Vorschiffsmann Michael Müller auf dem achten und vorletzten Teilstück des Volvo Ocean Race die Etappenführung übernommen und seine Ambitionen auf den Gesamtsieg bei der härtesten Hochseeregatta rund um die Welt untermauert.

Telefonica luvt Puma und verlässt seinen richtigen Kurs zur nächsten Marke (proper course, Regel 17). © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Franck Cammas’ Spitzenreiter „Groupama“ musste die Reise in ihren französischen Heimathafen Lorient am Sonntag (10. Juni) zunächst als Schlusslicht der sechs Boote aufnehmen. Tags zuvor hatte sie ihren Vorsprung im Gesamtklassement mit einem Sieg im Hafenrennen vor der erneut Letzten „Telefoníca“ (Iker Martínez/Spanien) auf acht Punkte ausgebaut.

„Puma“ wurde Zweiter und hat 13 Zähler Rückstand, zehn weniger als die neuseeländische „Camper“ von Chris Nicholson auf Platz vier, die allerdings auch noch das Podium im Visier hat. Nach der ersten Nacht auf See blieb es spannend: „Telefoníca“ lag 2,4 Seemeilen vor „Puma“ vorn, die hauchdünn vor „Groupama“.

Der Zieleinlauf wird nach fast 2000 Seemeilen (3600 Kilometer) auf einem Kurs rund um San Miguel auf den Azoren-Inseln in knapp einer Woche am Sonnabend, dem 16. Juni, erwartet. Die endgültige Entscheidung fällt nach der letzten Etappe (1. bis 3. Juli) bei einem Hafenrennen am 7. Juli in Galway (Irland).

Puma muss ausweichen. Möglicherweise berührt der Gennaker das Leeboot. Telefonica bekommt eine 360 Grad Strafe aufgebrummt und wird Letzter. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Zigtausend Zuschauer säumten am Wochenende die Ufer des Flusses Tagus inmitten der maritimen Hauptstadt Portugal, wo die sechs Mannschaften zwei Segelkrimis der Extraklasse darboten. Noch nie zuvor in der fast 40-jährigen Geschichte des ehemaligen Whitbread Race war eine Ausgabe gegen Ende so spannend.

Vier der sechs Teilnehmer dürfen sich noch Chancen auf den Titel ausrechnen. Entsprechend war schon das Hafenrennen am Sonnabend nur so von Attacken und Führungswechseln gespickt. Denn jeder einzelne Punkt kann in der Endabrechnung entscheidend sein, wer auf dem Treppchen stehen darf.

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/byt-til-nyt-dag

3 Kommentare zu „Volvo Ocean Race Lissabon: Blanke Nerven bei Telefonica im In-Port Race. Start zur vorletzten Etappe“

  1. avatar enzo sagt:

    Ich habe irgendwann nach der Hoorn-Etappe völlig das Interesse und Übersicht verloren, obwohl ich mich eigentlich auf das VOR gefreut hatte. Geht’s euch auch so?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar NK sagt:

    Nach dem Frachterrennen und dem ganzen Bruch hatte ich auch keinen Bock mehr, aber jetzt finde ich es gerade wieder richtig spannend, es wird gesegelt und alle Boote liegen dicht beieinander…

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  3. avatar Sven sagt:

    Telefonica hat in 8 In-Port Races nicht nur 4x sondern 6x den Letzten gemacht. 2x haben sie 2 Punkte bekommen weil Sanya nicht dabei war. Die restlichen 2 In-Ports hat Telefonica gewonnen.
    Hat Iker zuviel Adrenalin im Körper und zu wenig Blut im Kopf?
    Spannend ist es allemal.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *